Die Flugschule Papillon Paragliding auf der Wasserkuppe hat die Coronakrise ebenfalls zu spüren bekommen.
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Die Flugschule Papillon Paragliding auf der Wasserkuppe hat die Coronakrise ebenfalls zu spüren bekommen.

Pandemie trifft Wasserkuppe

Corona in der Rhön: Paragliding-Flugschule spürt die Krise - 30 Prozent weniger Schüler

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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Die Wasserkuppe ist der Berg der Flieger. Doch in diesem Corona-Jahr blieben viele Flieger zwangsläufig am Boden. Die Beschränkungen treffen auch die Gleitschirmfliegerschule Papillon hart. 

Wasserkuppe - Papillon Paragliding mit Sitz auf der Wasserkuppe ist die größte Gleitschirmfliegerschule in Europa. Jährlich kommen Menschen aus ganz Deutschland auf die Wasserkuppe, um hier das Paragliding zu erlernen. Doch dieses Jahr lief alles ganz anders als sonst. „Wir hatten 30 Prozent weniger Flugschüler“, fasst Geschäftsführer Andreas Schubert zusammen.

Anfang des Jahres kam das Unternehmen bereits gebeutelt aus „einer Wintersaison, die nicht wirklich eine war“, betont er und weist daraufhin, dass viele Gleitschirmfluglehrer im Winter als Skilehrer arbeiten und Papillon außerdem einen Skiverleih betreibt.

Wasserkuppe: Flugschlule Papillon Paragliding spürt die Coronakrise

Im Februar wollten die beiden Geschäftsführer Andreas Schubert und Boris Kiauka den Partnerbetrieb im chinesischen Wuhan besuchen. „Unsere Partner haben uns dann gesagt: ‚Ihr könnt nicht kommen, hier kursiert ein ganz komisches Virus“, erinnert sich Schubert.

Und schließlich kam im März der Lockdown. „Wir haben im Frühjahr nur fünf Prozent unseres Umsatzes gemacht“, erklärt er. Und das „normalerweise sehr starke Ostergeschäft“ ist weggebrochen, sagt der Poppenhausener, der zusammen mit Boris Kiauka nicht nur die Fliegerschule betreibt, sondern auch Restaurant und Hotel Peterchens Mondfahrt, das Hotel Deutscher Flieger sowie das neu gebaute Feriendorf auf der Wasserkuppe.

Schülerzahlen und Flugreisen gingen in 2020 stark zurück

Selbst nach den Lockerungen im Mai war es für die Schule nicht möglich, die Ausfälle wieder reinzuholen: „Wegen der Corona-Beschränkungen mussten wir Gruppengrößen verringern, hatten aber auf der anderen Seite nicht mehr Fluglehrer zur Verfügung“, so Schubert. Dadurch konnten insgesamt weniger Schülerinnen und Schüler betreut werden. Auf der Wasserkuppe werden im Schnitt jährlich 700 Schülerinnen und Schüler ausgebildet, dieses Jahr waren es nur gut 470, erklärt er.

Außerdem brachen viele Flugreisen weg, die das Unternehmen anbietet: Denn mit seinen Schülern ist Papillon längst nicht nur auf Hessens höchstem Berg unterwegs, sondern auch unter anderem im Sauerland, in Ruhpolding, im Stubaital und in Lüsen (Italien), wo das Unternehmen eigene Standorte betreibt, und normalerweise reisen die Gruppen auch in Gebiete über Deutschland hinaus.

Nach erfolgreichem Sommer droht im Winter der Stillstand

Zwar ist Gleitschirmfliegen ein Ganzjahressport, doch im Sommer laufe des Hauptgeschäft. „Jetzt im Dezember kommt wieder eine härtere Zeit auf uns zu.“ Seit November ist das Unternehmen zurück in der Kurzarbeit und Schubert macht das Thema Personal zu schaffen: „Ich hoffe, dass wir unsere Mitarbeiter halten können.“ Und: Er hofft auf eine gute Entwicklung ab März und April. „Auf den Winter können wir ja wieder nicht bauen – falls die Lifte zu bleiben müssen.“

Papillon hat insgesamt 100 Mitarbeiter. „Als mittelständisches Tourismusunternehmen sind wir von der Pandemie sehr stark getroffen“, fasst der Unternehmer zusammen und schließt auch die Hotelbetriebe und die Gastro mit ein. Das Feriendorf auf Hessens höchstem Berg mit seinen 14 Häusern – eine Fünf-Millionen-Euro-Investition – hatte 2019 noch vor der kompletten Fertigstellung bereits Tourismuspreise gewonnen, unter anderem wegen der nachhaltigen Bauweise.

„Im Sommer waren die Häuser komplett ausgebucht“, blickt Schubert zurück, jetzt herrscht wieder kompletter Stillstand. Das Feriendorf sei aber so beliebt, „dass wir sogar schon Buchungen für 2024 haben“, erklärt Schubert. „Bis dahin wird Corona hoffentlich endlich hinter uns liegen.“

Optimistischer ist Harald Jörges von der benachbarten Flugschule auf der Wasserkuppe. Er sagt: „Wir kommen mit einem blauen Auge davon.“

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