Das Schlosstheater von außen.
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Das Schlosstheater in Fulda wird derzeit grundlegend saniert.

Kosten: Eine Million Euro

Die Corona-Krise als Chance: Das Schlosstheater in Fulda wird generalüberholt

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Zum ersten Mal nach der Einweihung im Jahr 1978 wird das Schlosstheater in Fulda während der unfreiwilligen Corona-Pause generalüberholt. Die Sanierungsmaßnahmen sind vielfältig: Dazu zählt nicht nur die dringend notwendige Optimierung des Brandschutzes, sondern auch die Reinigung von 75 000 Stäben aus venezianischem Muranoglas. 

Fulda - Aufgerissene Decken, freigelegte Leitungen, umherwirbelnde Handwerker: „Eigentlich war gar nicht angedacht, das Schlosstheater zum jetzigen Zeitpunkt zu sanieren“, erklärt Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos). Denn in der Regel laufe die Einrichtung „unter Volllast“ – die Aufführungen, die fast das ganze Jahr über stattfinden, seien gut ausgebucht. Doch nun, während der Corona-Pandemie und im Lockdown light, könne die Krise als Chance genutzt werden: „Das Theater wird zum ersten Mal umfangreich saniert.“

Baulich sei das Haus zwar noch gut im Schuss, doch es gibt genügend andere Dinge, die auf der To-Do-Liste stehen. Vor allem stehen die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Optimierung des Brandschutzes, erklärt Schreiner. Diese sei nötig, weil sich auch die gesetzlichen Bestimmungen geändert haben. Zum Beispiel werden nun Brandschutzklappen in die Lüftungsleitungen eingebaut, Absperrvorrichtungen also, die verhindern sollen, dass sich Feuer in andere Räume ausbreitet.

Fuldas Stadtbaurat Schreiner: „Das Theater wird zum ersten Mal umfangreich saniert“

Und auch die Veränderung der beiden Garderobenbereiche rechts und links neben dem Theatersaal sind nicht nur Schönheitseingriffe: Denn bisher hingen die Jacken und Mäntel der Gäste offen an Garderobenhaken, auch das soll wegen des Brandschutzes künftig anders werden, erklärt der Stadtbaurat. Ebenso sollen die schweren Eichentüren im Saal gegen Brandschutztüren ausgetauscht werden. In den runden Durchgang, der von der östlichen Garderobe ins Foyer führt, wird ein Brandschutzvorhang eingebaut.

Im Saal mit seinen rund 680 Sitzplätzen selbst steht ein „Gigantoaufwand“ an, wie es Schreiner ausdrückt. Die 75 000 funkelnden Glasstäbe aus venezianischem Muranoglas, die von der Decke herabhängen und die Theatergäste in Fulda beim Blick nach oben immer wieder in Erstaunen versetzen, sollen gereinigt werden. Rund 5000 Glühlampen, die dahinterstecken, werden durch LED-Lampen ausgetauscht: „Das ist eine Riesenaufgabe, aber wir werden das später in der Energiebilanz merken“, glaubt Schreiner. Die Herausforderung bei den beiden Maßnahmen: Dafür muss noch ein spezielles Gerüst ausgeschrieben werden, das zwischen den unverrückbaren Stuhlreihen aufgebaut werden kann.

Was schon vor Längerem auf Vordermann gebracht wurde, sind die Toilettenräume im Erdgeschoss, die einen postmodernen Anstrich erhielten. Hier erfreuen sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen griechische Mosaike an den Wänden. „Das ist eine sehr wertige Geschichte“, urteilt der Stadtbaurat.

Schwierige Aufgabe: Die Glasstäbe an der Decke werden gereinigt

Umgestaltet wird unter anderem auch noch der Kassenbereich: Weil dieser nur über ein Fenster verfügt, an dem die Tickets verkauft und ausgegeben werden, soll der Tresen so verändert werden, dass das Theater mehr Personal einsetzen kann. Und im Foyer sollen die Fenstertüren so umgebaut werden, dass Gäste in den Veranstaltungspausen vielleicht mit einem Glas Sekt in der Hand auch mal nach draußen treten können.

Im Mai kommenden Jahres, wenn das neueste Spotlight-Musical „Robin Hood“ aufgeführt wird – falls die Pandemie es zulässt –, dann sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. „Das ist sehr ehrgeizig“, sagt Christoph Stibor, Leiter des Schlosstheaters. Er sei dankbar, „dass die Stadt nun die große Chance erkannt und im Sinne aller Theaterfreunde die Arbeiten begonnen hat“. Er spüre, dass die Stadt ihr Theater wertschätzt. Das bestätigt auch Daniel Schreiner: „Wir behandeln das Gebäude, als sei es bereits ein Denkmal.“

Kosten für Sanierung liegen bei rund einer Million Euro

Daher sei die Sanierung jetzt nach 40 Jahren unbedingt notwendig. Es sei zwar bitter, dass die Aufführungen wegen des Virus nicht stattfinden können. „Aber der Infektionsschutz steht bei uns ganz oben. Wir versuchen, das Beste draus zu machen“, betont Stibor.

Insgesamt wird die Sanierung des Schlosstheaters rund eine Million Euro kosten, schätzen Stibor und Schreiner. Hinzu kommen noch einige Projekte, die der Verbesserung des Hörgenusses bei Veranstaltungen zugute kommen.

Unter anderem soll Interessierten künftig ein Streamingangebot unterbreitet werden können, und auch eine induktive Höranlage wird eingebaut, mit der schwerhörigen Personen Audiosignale wie Musik oder Redebeiträge zugänglich gemacht werden.

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