RKI sieht Gefahr

Corona-Schnelltest: Viele Positiv-Ergebnisse sind eigentlich negativ - So ist die Quote im Kreis Fulda

  • Bernd Loskant
    VonBernd Loskant
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Der Schnelltest ist positiv – und zieht einen PCR-Test nach sich. Der deckt oft auf, dass das Ergebnis falsch war. Unsicherheiten gibt es aber auch bei negativen Testergebnissen, was besonders gefährlich sein kann.

Berlin/Fulda - Anwendungsfehler, die das Testergebnis des Corona-Schnelltests verfälschen können, kämen regelmäßig vor, bestätigt das Robert Koch-Institut (RKI): „Wenn vorher gegessen oder getrunken wurde oder die Zähne geputzt wurden.“ Aber auch die zu geringe Spezifität eines Schnelltests könne bei falsch-positiven Ergebnissen das Problem sein, so das RKI. Die Spezifität ist der Wert für die Wahrscheinlichkeit, dass Gesunde auch als gesund erkannt werden.

Ein positives Ergebnis bei einem offiziellen Schnelltest muss an das Gesundheitsamt gemeldet werden, so das RKI. Allein bei Unsicherheiten, ob der Test korrekt durchgeführt wurde, könne das Testzentrum entscheiden, ob ein zweiter Schnelltest gemacht werde. Nach einem positiven Ergebnis kann dort oft auch der Abstrich für den viel zuverlässigeren PCR-Test folgen.

Corona-Schnelltest: Viele Positiv-Ergebnisse erweisen sich später als negativ

Dieser bestätige in durchschnittlich 50 bis 60 Prozent der Fälle das Schnelltest-Ergebnis, erläutert das RKI. 40 bis 50 Prozent der einen positiven Befund anzeigenden Schnelltests sind also falsch-positiv. Das RKI stützt sich dabei auf die Ergebnisse einer Sonderbefragung von Laboren. Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) nennen ähnliche Zahlen: Ihr Vorstandschef Michael Müller sprach jüngst von einem Anteil von 30 bis 50 Prozent falsch-positiver Schnelltests. Die Zahl schwanke allerdings und sei abhängig von der Qualität der verwendeten Tests und der Probenentnahme, von der Testsituation (Testzentrum, Arztpraxis, Apotheke oder Pflegeheim) sowie davon, ob Menschen mit oder ohne Symptome getestet würden. Fakt ist: Relativ viele Menschen stellen sich trotz eines positiven Schnelltests beim genaueren PCR-Test als nicht infiziert heraus.

Das RKI sieht deshalb auch eine größere Gefahr bei falsch-negativen Tests. „Es werden immer wieder Infektionsketten bekannt, die auf Treffen zurückgehen, bei denen alle im Schnell- oder Selbsttest zuvor negativ getestet waren. Deshalb ist ganz wichtig: Ein negatives Testergebnis gibt keine absolute Sicherheit.“

RKI sieht große Gefahr bei falsch-negativen Schnelltests - Warnung von Christian Drosten

Virologen weisen seit Längerem auf diese Grenzen bei den Schnelltests hin – so auch Christian Drosten von der Berliner Charité. Beim Test eines Infizierten direkt zu Symptombeginn gebe es eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Antigen-Schnelltest noch nicht positiv sei, so der Virologe. Das sei beim PCR-Test anders. Man dürfe sich nach einem negativen Schnelltest nicht in falscher Sicherheit wiegen. Zumal bereits im Vorfeld Fehler bei den Corona-Schnelltests passieren können. Das betrifft auch die Lagerung. Zu heiße oder zu kalte Lagerung kann sich negativ auf das Ergebnis auswirken und den Test womöglich verfälschen*, berichtet hna.de.

Ein Corona-Schnelltest zeigt ein positives Ergebnis an. Das muss aber nicht immer stimmen.

Auch das RKI betont, dass man sich nicht „freitesten“ könne. Man solle unbedingt immer die anderen schützenden Verhaltensweisen beibehalten: Abstand, Handhygiene, Maske tragen, lüften. Das helfe auch dabei, sich nicht selbst anzustecken.

In unserem Überblick erfahren Sie nachfolgend unter anderem, wie oft sich Bürger im Landkreis Fulda testen lassen und wie viele Tests davon falsch-positiv sind.

Wie oft kann ich zum Schnelltest gehen?
Hieß es bislang, dass jeder Bürger „mindestens ein mal pro Woche“ einen kostenlosen Schnelltest in einem Bürgertestzentrum in Anspruch nehmen kann, so teilte das hessische Sozialministerium vergangene Woche unserer Zeitung mit, dass die Zahl der kostenlosen Tests nicht begrenzt ist: Jeder Bürger könne sich „unbegrenzt häufig (im Rahmen verfügbarer Kapazitäten) kostenlos in den von den Behörden vor Ort benannten Testzentren testen lassen“.
Wie oft lassen sich die Bürger testen?
Fast jeder dritte Erwachsene macht laut einer Umfrage inzwischen regelmäßig Corona-Tests. Mindestens ein- bis zweimal pro Woche tun dies nach eigenen Angaben 30 Prozent, wie eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab. Mit Nein antworteten 66 Prozent. Am stärksten verbreitet sind regelmäßige Tests demnach unter 18- bis 24-Jährigen (42 Prozent), bei Menschen über 55 Jahre bejahten dies 22 Prozent.
Wie hoch ist die Zahl der Tests in Fulda?
Seit 7. März, seit dem offiziellen Start der Gratis-Tests für die Bevölkerung, wurden in den 62 offiziellen Testzentren des Landkreises nach Angaben des Landratsamts 200.000 Tests durchgeführt. Davon waren 1025 positiv. Die Zahl der Tests ist kontinuierlich gestiegen. Derzeit werden pro Tag rund 4500 Tests durchgeführt. Die Zahl der Positiv-Tests ist dabei eher rückläufig.
Wie viele davon sind falsch-positiv?
Der Anteil der positiven Schnelltests, die sich im genaueren PCR-Test als negativ erweisen, liegt nach Angaben des Kreises bei etwa 10 Prozent. Das bedeutet bei 4500 Tests täglich und einer Positiv-Quote von 0,22 Prozent: Jeden Tag wird mindestens ein Mensch im Kreis Fulda bei einem Schnelltest positiv getestet, obwohl er es gar nicht ist.

Corona-Schnelltests: So hoch sind die Kosten

Welche Folgen hat ein positiver Test?
Bei einem positiven Schnelltest-Ergebnis muss sich die betreffende Person unverzüglich in häusliche Quarantäne begeben und so schnell wie möglich einen PCR-Test durchführen lassen. Ist dieser negativ, ist die Quarantäne wieder aufgehoben. Das Schnelltest-Zentrum ist verpflichtet, den positiven Befund dem Gesundheitsamt zu melden.
Wofür wird ein Test benötigt?
Ein Nachweis eines negativen Corona-Tests wird zum Beispiel benötigt, um in Geschäfte zu gehen. So gilt derzeit im Landkreis Fulda im Handel „Click & Meet“, also Terminshopping, aber nur mit negativem Test. Auch beim Friseur oder bei der Fußpflege muss ein negativer Test vorgelegt werden – und wenn die Zahlen weiter sinken und die Außengastronomie und Fitnessstudios öffnen, dann auch dort. Zudem wollen viele Menschen vor Treffen mit Familie oder Freunden Sicherheit haben.
Wer übernimmt die Kosten für die Tests?
Die Kosten für die Schnelltests übernimmt seit Anfang März der Bund. Die Schnelltestzentren bekommen zwischen 10 und 20 Euro pro Test erstattet. Bei 4500 Schnelltests pro Woche im Landkreis Fulda entstehen so monatlich Kosten von rund einer Viertelmillion Euro. (Mit dem Corona-Ticker für Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

(mit dpa-Material)
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Rubriklistenbild: © imago images/Christian Ohde

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