Die Schulen in Osthessen sehen sich für den Wechselunterricht gut gerüstet.
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Die Schulen in Osthessen sehen sich für den Wechselunterricht gut gerüstet. (Symbolfoto)

Bund und Länder diskutieren

Wechselunterricht wegen Corona: Schulen in Fulda und im Kinzigtal sehen sich gut gerüstet

  • Volker Nies
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Bund und Länder überlegen, Schulklassen zu teilen. Die Schulen im Kreis Fulda sehen sich für den Unterricht mit geteilten Klassen gut vorbereitet. Im Main-Kinzig-Kreis ist das Modell seit wenigen Tagen schon Praxis.

Fulda/Main-Kinzig-Kreis - Um die Zahl der Corona-Neuinfektionen zu senken, überlegen Bund und Länder, Schulklassen zu teilen. Bei der Schaltkonferenz von Ministerpräsidenten und Kanzlerin am Montag wurden Beschlüsse vertagt, aber das Thema bleibt in den nächsten Tagen oben auf der Tagesordnung.

Einige Ministerpräsidenten fühlten sich von den Vorschlägen aus dem Kanzleramt überrumpelt. In einer Woche soll weiter beraten werden – dann auf der Basis von Konzepten aus den Ländern. Unterricht in geteilten Klassen – das ist in den Krisenplänen zur Eindämmung der Corona-Pandemie des hessischen Kultusministeriums bereits als ein Modell vorgesehen.

Corona: Bund und Länder diskutieren über geteilte Schulklassen

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Die Landesregierung hat Anfang September einen Vier-Stufen-Plan veröffentlicht. Damit will sie schrittweise den Schulbetrieb einschränken, falls sich die Infektionslage anspannt: Bei Stufe eins („angepasster Regelbetrieb“) gelten schärfere Hygienebedingungen. Seit einer Woche befinden sich die hessischen Schulen in Stufe zwei („eingeschränkter Regelbetrieb“): Schüler und Lehrer müssen auch im Unterricht Corona-Masken tragen, der Unterricht soll in festen Gruppen stattfinden.

Diskutiert wird jetzt über Stufe drei: Das „Wechselmodell“ sieht einen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht vor. In Stufe vier („Distanzunterricht“) würden die Kinder nur noch zu Hause unterrichtet. „Möglichst viel Präsenzunterricht – das ist zumindest jetzt der richtige Weg“, erklärt Philipp Bender, Sprecher des hessischen Kultusministeriums, unserer Zeitung. „Ein Ziel der strengeren Corona-Regeln ist ja gerade, dass Schulen – und auch Kindergärten – geöffnet bleiben.“

Auch im Wechselunterricht solle es weiter einen geregelten Tagesablauf für die Kinder geben. „Deshalb ist der Wechselunterricht erst ab den Stufen 7 und 8 sinnvoll. Für Grundschulkinder und wohl auch für die Klassen fünf und sechs ist der Präsenzunterricht das richtige Modell.“

Schulen im Kreis Fulda sehen sich für den Corona-Wechselunterricht gerüstet

Auch wenn noch kein Beschluss gefallen ist – die Schulen im Kreis Fulda sehen sich für den Wechselunterricht gerüstet. „Die Schulen haben die vergangenen Monate genutzt, um sich technisch und pädagogisch auf den Wechselunterricht vorzubereiten“ sagt Harald Persch, kommissarischer Leiter des Schulamtes Fulda.

Im Wechselunterricht werden Klassen geteilt. Eine Hälfte sitzt im Klassenraum, die andere Hälfte verfolgt den Unterricht per Livestream oder beschäftigt sich mit vorbereiteten Lernangeboten. „Die Schulen haben dafür pädagogische Konzepte erarbeitet, oder sie sind dabei, es zu tun“, sagt Persch.

„Das Wechselmodell ist machbar – aber es bedeutet eine hohe Belastung für alle Beteiligten. Zum Teil haben wir es im Frühjahr bereits eingesetzt“, erklärt Matthias Höhl, Direktor des Rabanus-Maurus-Gymnasiums in Fulda. „Wir bereiten uns intensiv auf den Wechselunterricht vor. Gerade jetzt haben wir aus unserem Budget zusätzliche Kameras gekauft.“ Schüler, die wegen kranker Geschwister die Schule nicht betreten dürfen – am Domgymnasium sind das derzeit zwölf Kinder – bekommen bereits digitalen Unterricht.

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Auch die Konrad-Zuse-Berufsschule in Hünfeld hat das Wechselmodell schon im Frühjahr genutzt. „Der Wechsel von Wochen von Präsenz- und Digitalunterricht hat gut geklappt. Jetzt sind wir noch besser vorbereitet und ausgestattet“, berichtet Leiterin Susanne Diegelmann.

Die Länderchefs wollten auch beraten, wie Schüler in Bussen und Bahnen die Kontakte verringern können. In Fulda hat sich das Thema Schülerbeförderung seit den Herbstferien entspannt, sagt Schulamtschef Persch. „Durch den Einsatz zusätzlicher Busse und die Bildung von Fahrgemeinschaften hat sich die Lage sehr verbessert. Das höre ich auch von den Eltern.“

Geteilte Klassen wegen Corona: Schulen im Main-Kinzig-Kreis bereits erprobt

Eine Schulklasse teilen, die erste Hälfte regulär im Klassenraum unterrichten und die zweite Hälfte zu Hause lernen lassen – die Schulen im Main-Kinzig-Kreis haben damit schon ein bisschen Erfahrung. Seit Mittwoch vergangener Woche befinden sich die Schulen im „Wechselmodell“ – der Präsenzunterricht erfolgt im tageweisen Wechsel.

„Diese Unterrichtsform klappt erstaunlich gut“, berichtet Karsten Günder, Leiter der Kinzig-Schule in Schlüchtern. Von den 80 Klassen an der Berufsschule wurden zwei Drittel geteilt – nämlich alle Gruppen, in denen im Klassenraum nicht ein Mindestabstand von 1,5 Meter Abstand zwischen den Schülern sichergestellt werden konnte. „Ganz kleine Gruppen, wie etwa eine Klasse zur Berufsvorbereitung mit zehn oder elf Schülern mussten wir nicht teilen.“

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Der Wechsel zwischen Präsenz- und Fernunterricht erfolgt im Wochenrhythmus: Die Klasse wird in die Teile A und B aufgeteilt. Die erste Woche ist Teil A in der Schule und Teil B zu Hause, in der zweiten Wochen wechselt es. Der Präsenzunterricht wird im Internet übertragen, so dass sich alle Schüler einer Klasse zeitgleich mit einem Thema beschäftigen. Die Schüler, die zu Hause sind, können sich über den Computer melden und Fragen stellen. „Die Gruppen haben wir so aufgeteilt, dass etwa Fahrgemeinschaften erhalten bleiben können.“

Ulrich-von-Hutten-Gymnasium in Schlüchtern: Direktor setzt auf täglichen Wechsel

Im Ulrich-von-Hutten-Gymnasium in Schlüchtern erfolgt der Wechsel tageweise, berichtet Direktor Thomas Röder-Muhl. Gruppe A ist in der ersten Woche montags, mittwochs und freitags in der Schule, in der Folgewoche dienstags und donnerstags. Gruppe B ist an diesen Tagen zu Hause und dann in der Schule, wenn Gruppe A zu Hause ist. „Der tägliche Wechsel hält die Schüler besser im Rhythmus“, ist Röder-Muhl überzeugt. Das Hutten-Gymnasium hat sich aus Datenschutzgründen gegen eine Live-Übertragung von Unterricht ausgesprochen.

Die Klassen 5 und 6 haben ausschließlich Präsenzunterricht, weil das für die jungen Schüler wichtig sei. Auch die Stufen 11 und 12 sind immer in der Schule – allerdings werden die Oberstufengruppen geteilt und in benachbarten Räumen unterrichtet. „Das ist möglich, weil wir durch die Umstellung von G8 auf G9 jetzt keine Stufe 13 haben und es genügend freie Räume gibt. Der Lehrer wechselt zwischen den Teil-Lerngruppen“, erklärt der Schulleiter. „Man muss viel Zeit investieren – aber es ist besser als gar kein Präsenzunterricht.“

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