Hessens Grundschüler gehen seit nunmehr drei Wochen für ein paar Stunden wieder in die Schule. (Symbolfoto)
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Hessens Grundschüler gehen seit nunmehr drei Wochen für ein paar Stunden wieder in die Schule. (Symbolfoto)

Martina Schaum rät zu Ritualen

„Tagesroutinen sind wichtig“: Was Grundschülern beim Homeschooling hilft - Tipps einer Schulleiterin

Zwar gehen Hessens Grundschüler seit nunmehr drei Wochen für ein paar Stunden wieder in die Schule, doch der Homeschooling-Wahnsinn in den Kinderzimmern ist dank Wechselunterricht noch lange nicht vorbei. Wie man als Eltern seinen Kindern dabei zur Seite stehen kann, verrät Martina Schaum, Leiterin der Johann-Adam-Förster Schule in Hünfeld.

Region - Für manche hatte die Schulzeit kaum angefangen, als sie schon wieder vorbei war - beziehungsweise von der Schule in die heimischen vier Wände verlagert wurde. Doch gerade den jüngsten Schülern bereitet das Corona-Homeschooling Schwierigkeiten - sind sie doch noch nicht in dem Maße selbstständig, wie es Schüler von weiterführenden Schulen sind. Schließlich hatten sie bislang kaum Zeit, zu lernen, wie man lernt. Martina Schaum, Schulleiterin der Johann-Adam-Förster Schule in Hünfeld, gibt Tipps, wie Eltern ihren Sprösslingen das Lernen von zu Hause erleichtern können.

Martina Schaum empfiehlt, den Tag zu rhythmisieren. „Gerade in Zeiten von Homeschooling sind Tagesroutinen wichtig. Ein Tagesplan hilft den Kindern dabei, sich auch für das Lernen daheim zu organisieren“, meint die Grundschullehrerin. Eltern können den Plan am Morgen beim Frühstück mit ihren Kindern besprechen. „Idealerweise ist jeder Wochentag gleich aufgebaut, nur die Lerninhalte unterscheiden sich“, empfiehlt die Pädagogin. (Bleiben Sie hier mit unserem Corona in Hessen Ticker auf dem Laufenden).

Corona: Schulleiterin Martina Schaum gibt Tipps, was Grundschülern beim Homeschooling hilft

Vielen Grundschülern fällt es schwer, sich außerhalb der gewohnten Schulumgebung zu konzentrieren. Schaum empfiehlt hier Entspannungsübungen, Kinderyoga oder auch Fantasiereisen. „Einfach die flache Hand etwa 30Sekunden auf der Stirn halten. Das entspannt die Kinder“, verrät die Lehrerin. Eine andere Übung sei es, die Ohren mit Daumen und Zeigefinger nach oben hin auszustreichen oder mit Daumen und Zeigefinger auf Ober- und Unterlippe ganz leicht zu reiben. „Wenn man das regelmäßig macht, hat es auch schon wieder den Ritualeffekt“, erklärt Martina Schaum. 

„Rituale erleichtern das Lernen zu Hause“, weiß die Grundschullehrerin. Die Kinder kennen bereits aus der Schule einige Rituale. So könne etwa ein akustisches Signal zu Beginn und Ende von Lern- und Pausenzeiten leicht in den Homeschooling-Alltag integriert werden. Oder man stellt einen Timer von etwa 20 Minuten, danach weiß das Kind, dass schon ein gutes Stück geschafft sei. „Wenn die Eltern noch die Nerven dafür haben, könnten die Kinder mit einem gemeinsam gesungenen Lied in die Lernzeit einsteigen oder sich mit dem Hören eines Lieblingslieds auf die Lernphase einstimmen“, schlägt die Pädagogin vor. Oder der Tag startet mit einer vorgelesenen Geschichte. (Lesen Sie hier: Corona-Inzidenz in Fulda und im Main-Kinzig-Kreis zu hoch - Homeschooling ab Klasse 7 verlängert).

Martina Schaum: Nur ein gut durchblutetes Gehirn kann gut lernen

„Nur ein gut durchblutetes Gehirn kann gut lernen“, weiß die Schulleiterin der Johann-Adam-Förster Schule. Daher empfiehlt sie regelmäßige Pausen während des Homeschoolings. „Das kann gerne auch an der frischen Luft sein“, meint Martina Schaum. Im Netz finden sich dazu auch viele kostenlose Angebote zum Mitmachen, etwa „Albas tägliche Sportstunde“ der Berliner Basketballer oder „Henrietta &Co“ (AOK). „Trinken und Essen sollte zwischendurch auch nicht vergessen werden“, rät die Lehrerin. 

Martina Schaum, Leiterin der Johann-Adam-Förster Schule in Hünfeld.

„Die Kinder sollten die leichten und bekannten Aufgaben zuerst erledigen“, empfiehlt Martina Schaum. So könne sich das Gehirn warm laufen - und der Berg an Aufgaben sei bereits kleiner geworden. Zudem fielen dann kniffligere Aufgaben leichter, da die Kinder bereits ein Erfolgserlebnis beim Lösen der leichteren Aufgaben hatten. „Wenn es trotz allem in irgendeiner Art und Weise ausartet und die Kinder in Tränen ausbrechen - dann Stopp. Entweder für den Tag Schluss machen oder mehrere Stunden vergehen lassen, bis man wieder weiter macht“, rät die Pädagogin.

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Ideal sei es, wenn das Kind einen festen Arbeitsplatz hat, an dem alle Arbeitsmaterialien bereitliegen, die zum Lernen gebraucht werden. „Das kann im Kinderzimmer am Schreibtisch oder in der Küche am Esstisch sein“, sagt Martina Schaum. Es sollte ein aufgeräumter, ausreichend beleuchteter Arbeitsplatz sein ohne Störquellen wie Smartphones, Musik oder Fernsehen im Hintergrund.

Wer etwas leistet, darf auch dafür belohnt werden, findet die Pädagogin. Allerdings gelte dabei: nicht zu häufig und nicht regelmäßig. „Und vor allem nicht mit Süßigkeiten belohnen“, rät Schaum. Besser seien schöne gemeinsame Unternehmungen, das Versprechen auch mal etwas länger aufbleiben zu dürfen oder kleine Sachgeschenke, die die Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen wie etwa ein Spiel. (Julia Kress)

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