Mehrere Ärzte und Pflegepersonal während einer Operation.
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In Corona-Zeiten leisten Krankenhäuser Schwerarbeit. Dennoch stehen auf Anweisung des Landes viele Betten leer – als Reserve für Corona-Patienten.

Hohe Last, viele leere Betten

Corona-Situation in Osthessens Krankenhäusern

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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In Corona-Zeiten leisten die Krankenhäuser Schwerarbeit. Dennoch stehen auf Anweisung des Landes viele Betten leer – als Reserve für Corona-Patienten. Für die Kliniken bedeutet das hohe Verluste. Wer dafür zahlt, ist offen.

Klinikum Fulda

Das Klinikum hat in der Region die meisten Coronapatienten behandelt, aktuell zwölf. Alle verschiebbaren OPs – 30 Prozent alle Eingriffe – wurden abgesagt, sagt Vorstandschef Dr. Thomas Menzel. 40 Prozent der Betten standen leer – auch deshalb, weil Patienten aus Angst vor Ansteckung Kliniken meiden. Die Mitarbeiter wurden zum Teil geschult, um die Intensivstation zu verstärken, andere bauten Überstunden ab. „Maximalversorger haben besonders hohe Einbußen“, sagt Menzel. Ab 4. Mai will das Klinikum schrittweise Kapazitäten hochfahren, dabei aber Platz für neue Corona-Fälle freihalten.

Herz-Jesu Fulda

Das Herz-Jesu-Krankenhaus hat 25 Corona-Patienten – fünf aktuell – behandelt, erklärt Geschäftsführer Michael Sammet. 250 Operationen wurden verschoben, die Auslastung des Hauses sank auf 50 Prozent. Ärztliches und pflegerisches Personal wurde zum Teil in der Intensivmedizin eingesetzt, um mehr Kapazitäten für Covid-19-Patienten zu schaffen, zum Teil wurden Überstunden und Urlaub abgebaut. Die finanziellen Folgen der Gesundheitskrise ließen sich noch nicht beziffern. Derzeit erarbeitet Herz-Jesu Strukturen, wie mit kleinen Schritten, beginnend mit kleinen Eingriffen, abgesagte OPs nachgeholt werden können.

Helios in Hünfeld

Die Helios St. Elisabeth Klinik in Hünfeld hat „in überschaubarem Rahmen“ Covid-19-Patienten behandelt, berichtet Sprecherin Gudrun Käsmann. Durch die Verschiebung nicht zwingend notwendiger Eingriffe war die Klinik schwächer ausgelastet als sonst. Die betroffenen Mitarbeiter haben Überstunden abgebaut und zum Teil Minusstunden aufgebaut. Das Volumen entgangener Einnahmen kann Helios noch nicht beziffern. Die Gruppe arbeitet an Plänen, um den Betrieb ab 4. Mai schrittweise wieder hochzufahren.

Main-Kinzig-Kliniken

Die Main-Kinzig-Kliniken haben 50 Corona-Patienten – im Schnitt zehn in Schlüchtern und sieben in Gelnhausen – behandelt. Dem Beschluss von Bund und Land folgend, haben sie ab 16. März auf planbare OPs verzichtet. Ob Gallen- oder Leisten-Operationen, Schrittmacherkontrollen, gynäkologische und urologische Eingriffe – die Absagen trafen alle Abteilungen. Allein 70 bis 80 Eingriffe an Knie, Hüfte oder Schulter wurden gestrichen, sagt Sprecherin Alexandra Pröhl. Die Mitarbeiter haben Überstunden abgefeiert oder sind ins Minus gegangen. Kosten verursachte auch das Bilden neuer Teams, um im Fall einer Quarantäne arbeitsfähig zu bleiben. Die Einbußen sind noch nicht beziffert. Derzeit arbeiten die Kliniken an Konzepten, um in Schritten in „eine neue Normalität“ zu kommen.

Neuro-Spine-Center

Alle 20 Betten im Neuro-Spine-Center blieben vom 18. März bis 19. April leer. Seit 20. April werden einzelne dringende OPs durchgeführt. In der Zwangspause wurden die Mitarbeiter fortgebildet. Inhaber Dr. Samir Al-Hami rechnet mit einem Einnahmeausfall von 500.000 Euro, von dem er jedoch wohl nur 100.000 Euro ersetzt bekomme. Ab 4. Mai nimmt das Center die reguläre Arbeit wieder auf – mit einem Paket neuer Sicherheitsmaßnahmen wie einem Corona-Test für jeden Patienten.

Eichhof Lauterbach

Zwei komplette Bereiche hat das Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach für schwer erkrankte Virus-Patienten freigehalten. Tatsächlich behandelt wurden im Schnitt vier, derzeit zwei Covid-19-Patienten. Üblicherweise behandelt das Krankenhaus 180 stationäre Patienten, in den vergangenen Wochen waren es 60 bis 70 Patienten, berichtet Personalchef Berthold Remiger. Die 650 Mitarbeiter haben Urlaub und Überstunden abgebaut und waren abteilungsübergreifend im Einsatz. Am nächsten Montag beginnt das Krankenhaus wieder mit planbaren OPs.

Lesen Sie hier: Die Klinikum-Vorstände Dr. Thomas Menzel und Burkhard Bingel ziehen in einem Interview ein Zwischenfazit zur Coronavirus-Krise.

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