Die Kitas sind nur noch für eine Notbetreuung geöffnet.
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Die Kitas sind nur noch für eine Notbetreuung geöffnet.

Corona-Notbremse

Angespannte Situation in Fuldaer Kitas: Eltern brauchen für Notbetreuung eine Bescheinigung

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Seit einer Woche gelten die Maßnahmen der Corona-Bundesnotbremse. Für die Kitas bedeutet das: Ist die Inzidenz so hoch wie im Landkreis Fulda, gibt es nur noch eine Notbetreuung. Eltern müssen dafür eine Bescheinigung vorlegen.

Kreis Fulda - Die Stimmung in den Kitas in der vergangenen Woche war angespannt: Vielerorts klingelte pausenlos das Telefon, Eltern wollten wissen, wie das denn nun laufe mit der Corona-Notbetreuung. Doch von vorn: Seit Montag vergangener Woche greift in den Kitas die sogenannte Bundesnotbremse. Diese war am Mittwoch vorvergangener Woche im Bundestag beschlossen worden. Das bedeutet: Übersteigt die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Landkreis die Zahl 165, müssen Kitas schließen – nur Notbetreuung darf noch angeboten werden. Eltern, die ihr Kind dort betreuen lassen möchten, müssen eine Bescheinigung vorlegen.

Die Situation für Eltern und Erzieher ist deshalb angespannt, wie zum Beispiel Karolina Klüh berichtete. Sie übernimmt ab dem 10. Mai die Leitung der Kita „Farbenspiel“ in Großenlüder. In der vergangenen Woche handhabte die Einrichtung die Notbetreuung noch kulant: „Bei uns sind im Moment auch noch Kinder von Eltern ohne Arbeitgeber-Bescheinigung“, berichtete sie. Träger der Kita ist die Gemeinde Großenlüder. Doch wer sein Kind in der kommenden Woche betreut sehen will, der musste bis Ende der Woche eine solche Bescheinigung vorlegen.

Corona: Situation in Kitas ist angespannt - Eltern brauchen eine Bescheinigung für die Notbetreuung

Für das Kita-Team bedeutete das: viel Organisation und viele offene Fragen. „Noch ist ungewiss: Wie viele Kinder werden in der kommenden Woche kommen? Wie hoch ist der Bedarf an Personal in der Kita? Wie teilen wir die Kinder ein? Welche Räume werden gebraucht?“ 78 Kinder sind insgesamt in der Kita „Farbenspiel“ angemeldet, wie Klüh sagte. Vergangene Woche waren etwa die Hälfte von ihnen in der Kita. Diese Zahl werde in der kommenden Woche nicht weiter schrumpfen, vermutete sie.

Hintergrund

Seit einer Woche gilt für die Betreuung in den Kitas bis zu einer Inzidenz von 165: Sie müssen wie die Schulen schließen. Es darf nur eine Notbetreuung angeboten werden. Die Kriterien für die Inanspruchnahme sind vom Land Hessen einheitlich vorgegeben: Zur Teilnahme an der Notbetreuung berechtigt sind Kinder, sofern eine Betreuung nicht anders sichergestellt werden kann – insbesondere, weil beide sorgeberechtigten Elternteile, in deren Haushalt sie wohnen, ihrer Erwerbstätigkeit oder ihrem Studium nachgehen müssen. Dies müssen die Eltern durch Bescheinigungen ihres Arbeitgebers belegen – möglichst eine Woche im Voraus. Das gilt auch für Alleinerziehende. Die Stadt Fulda, aber auch Gemeinden wie zum Beispiel Großenlüder bieten auf ihrer Homepage ein Formular zur Bestätigung der Erwerbstätigkeit zum Download an. In die Notbetreuung dürfen Kinder außerdem, wenn die Betreuung von den Jugendämtern dringend empfohlen worden ist, für sie ein Bescheid des Sozialhilfeträgers über einen Integrationsplatz vorliegt oder wenn ohne die Betreuung im Einzelfall für Eltern und Kinder eine besondere Härte entstünde.

Auch in der katholischen Kindertagesstätte St. Peter in Petersberg wurde in der ersten Woche nach Start der Notbremse jedes Kind betreut, das die Eltern vorbeibrachten. „Wir schicken niemanden weg“, sagte Leiterin Christine Haustein. Sie beklagte aber auch: „Es gab zunächst wieder keine richtige Vorgabe.“ In der Vorwoche wurde das Gesetz beschlossen, nun musste eine Notbetreuung her. Eine „Blitzaktion“ nannte Haustein das. In der vergangenen Woche waren zwölf Kinder in der Betreuung in der Kita – einige seien derzeit in Quarantäne. Haustein sagte, die Kita sei zwar in freier Trägerschaft, wolle sich aber mit Blick auf die Vorgaben an der Gemeinde Petersberg orientieren. Ab Montag müssen die Eltern eine Bescheinigung vorlegen.

Christine Haustein: Es gab zunächst wieder keine richtige Vorgabe

Weil so kurzfristig weder Eltern noch Erzieher wussten, wer noch in die Kita kommen darf, gilt auch in den Kitas in der Trägerschaft der Stadt Fulda eine Übergangsfrist, erklärte Stefan Mölleney, Leiter des Amts für Jugend, Familie und Senioren. Am Mittwoch vergangener Woche durften zum vorerst letzten Mal alle Kinder kommen – sofern die Eltern versicherten, dass sie die Notbetreuung brauchen. „Bis einschließlich Mittwoch hatten die Eltern Zeit, eine Bescheinigung des Arbeitgebers zu beschaffen“, sagte Mölleney. Er ging davon aus, dass etwa 40 Prozent aller Kinder in die Betreuung der städtischen Kitas gegeben werden.

Die Pressestelle des Landkreises Fulda gab diese Zahl mit etwa 30 Prozent an – ohne die Stadt Fulda. Das heißt: In den Städten und Gemeinden des Kreises sind insgesamt etwa 2000 Kinder zur Notbetreuung angemeldet. (Lesen Sie hier: Zwischen Kinderbetreuung und Job: Einige Eltern müssen ihre Kinder im Corona-Lockdown in die Kita geben).

Video: KiTa-Leiterinnen kritisieren Corona-Regelung: „Notbetrieb ist eine Mogelpackung“

„Für die Erzieher ist das nun schon wieder eine Umstellung“, berichtete der Fuldaer Amtsleiter Mölleney. Hinzu komme die Frage: „Wie geht man mit den Kindern um, die nicht mehr kommen, welche Angebote gibt es für sie?“ Doch erst Anfang dieser Woche werde man wissen, wie hoch diese Zahl sei.

In Hünfeld habe man die neuen Vorgaben – auch dank des Engagements der Leiterinnen der Einrichtungen – bislang ohne größere Probleme umsetzen können, teilte Stadt-Pressesprecher Helmut Käsmann mit. In Abstimmung mit den kirchlichen und freien Trägern der Kindertagesstätten koordiniere der Hünfelder Kinderbetreuungs- und Erziehungsverbund St. Elisabeth bei der Stadtverwaltung derzeit die Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorgaben. Noch vergangenen Woche hatte die Auslastung der Einrichtungen bei mehr als 40 Prozent gelegen. Bis dahin galt die „dringende Empfehlung“ des Landes, die Kinder zu Hause zu betreuen. Derzeit liegt sie bereits unter 20.

Stefan Mölleney: Für die Erzieher ist das nun schon wieder eine Umstellung

Thomas Müller, Vorsitzender des Elternbeirats der Kita „Farbenspiel“ in Großenlüder, erfuhr am Dienstagnachmittag vergangener Woche von den Vorschriften für die Notbetreuung. Seine fünfjährige Tochter besucht die Kita. Er bewertete die Vorgaben für die Teilnahme an einer Notbetreuung positiv: „Es gibt eine klare Regelung, das ist sehr gut.“ Auch die Übergangsfrist von einer Woche fand er hilfreich: So reiche die Zeit auch für Menschen im Home-Office, beim Arbeitgeber eine Bescheinigung zu bekommen.

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