Die Skisaison kommt nur langsam in Gang. (Symbolbild)
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Die Skisaison kommt nur langsam in Gang. (Symbolbild)

Urlaub im Hotspot

Keine Fahrt in die Alpen: Osthessische Wintersportler über ihren Skiurlaub und überstandene Corona-Infektionen

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Die Skisaison kommt nur langsam in Gang. Zu hoch sind die Infektionszahlen. Zu groß ist die Angst in den Skiorten, der nächste Hotspot zu werden. Auch osthessische Skifahrer, die sich im Frühjahr mit dem Virus infiziert haben, fahren erst einmal nicht in Richtung Alpen.

Region - „Ich weiß bis heute nicht, wo ich mich angesteckt habe“, sagt Christopher Gärtner aus Flieden. Der 33-Jährige war im März eine Woche lang mit Freunden im Grödnertal in Südtirol. Obwohl das Skigebiet noch nicht als Risikogebiet deklariert war, sei zu dem Zeitpunkt bereits nicht viel los gewesen, und auch Après-Ski habe die Gruppe nicht gemacht.

„Trotzdem hat es uns erwischt“, betont Gärtner. Von fünf Leuten wurde das Virus bei vieren nachgewiesen, erzählt er. Gärtner selbst habe einen mittelschweren Verlauf erlitten. „Ich war kurz davor, ins Krankenhaus zu müssen. Mein Arzt stellte neulich auch fest, dass mein Herzbeutel entzündet war.“ Zwei Wochen lang habe er sich sehr schlecht gefühlt.

Coronainfektion im Skiurlaub: Osthessische Wintersportler berichten

Da er davon ausgeht, durch die Erkrankung nun immun zu sein, kann er sich durchaus vorstellen, in dieser Wintersaison Skiurlaub zu machen. „Ich würde fahren, wenn die Quarantänebestimmungen nicht wären – und weil ich das Virus schon hatte. Allen, die nicht immun sind, würde ich es nicht empfehlen. Das Risiko fährt mit und ist unsichtbar.“

Auch Alfred Rausch aus Hilders-Dietges, der normalerweise drei- oder viermal im Winter zum Skifahren in die Alpen fährt, hat bisher nichts gebucht, beziehungsweise eine geplante Reise über Silvester ins Gasteinertal nach Großarl abgesagt. Grund ist aber nicht die Angst vor dem Coronavirus, das auch er hatte, sondern das sind die Beschränkungen: Deutsche, die in Österreich einreisen, müssen erst einmal in Quarantäne. „Es geht mir gar nicht ums Feiern. Aber die Hütten sind zu. Wenn man beim Skifahren ist, dann möchte man irgendwo einkehren können“, sagt Rausch.

Alfred Rausch (Hilders): Beim Skifahren möchte man irgendwo einkehren

Der 58-Jährige hat sich beim letzten Skiurlaub im März in St. Anton mit dem Virus angesteckt. Bis heute ist er von der Fitness her nicht so, wie er sich das vorstellt, sagt er. „Ich denke, dass das mit Corona zu tun hat.“ Bei ihm war der Verlauf schwerer: Weil das Fieber auch nach mehreren Tagen nicht runter ging, kam er für fast zwei Wochen ins Krankenhaus. Rausch musste zwar nicht auf der Intensivstation beatmet werden, aber er litt an einer Lungenentzündung.

„Ich habe es im Nachhinein als eine schwere Grippe empfunden“, sagt er. Auf Skiurlaub künftig verzichten möchte er nicht. „Ich kann mir vorstellen, dass ich in dieser Saison mal spontan drei, vier Tage fahre, wenn das Wetter gut ist. Ich gehe auch davon aus, dass die Skigebiete nicht sehr voll sein werden.“

Anja Weber (Bad Soden-Salmünster): Maßnahmen in den Skigebieten reichen nicht aus

Bei Anja Weber aus Bad Soden-Salmünster wird der Skiurlaub in dieser Saison auf jeden Fall nicht stattfinden. Auch sie hatte sich im Grödnertal Anfang März mit dem Virus infiziert. Bis heute habe sie Erkältungssymptome und ein ständig angegriffenes Immunsystem. „Ob ich gegen das Coronavirus immun bin, das steht für mich nicht fest. Deshalb würde ich auch auf keinen Fall jetzt in Skiurlaub fahren.“

Die 49-Jährige glaubt nicht, dass die Maßnahmen in den Skigebieten ausreichen: „Selbst wenn die Gondeln nicht voll besetzt werden, so müssen die Leute ja davor anstehen.“ Und auch in den Hütten – sofern sie geöffnet haben – sieht sie ein Problem: „Da stellt sich die Frage, wie hoch die Kapazität überhaupt ist, wenn die Abstände zwischen den Tischen eingehalten werden.“ Anja Weber möchte stattdessen in diesem Jahr woanders Wintersport treiben: Langlauf in den Loipen von Rhön und Vogelsberg.

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