Schon seit vielen Jahren legen die Deutschen überdurchschnittlich viel Geld auf die Seite. Seit dem Beginn der Corona-Krise haben sich die Beträge, die monatlich zurückgelegt werden, verdoppelt.
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Schon seit vielen Jahren legen die Deutschen überdurchschnittlich viel Geld auf die Seite. Seit dem Beginn der Corona-Krise haben sich die Beträge, die monatlich zurückgelegt werden, verdoppelt. (Symbolfoto)

Unsicherheit in der Krise

Corona-Pandemie bringt Deutsche zum Sparen: Diese Anlage-Tipps geben Bänker aus der Region

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Lockdown, kriselnde Firmen, Kurzarbeit: Die deutsche Wirtschaft ist im Corona-Schock. Doch trotz der Krise sparen die Deutschen viel mehr als früher. Experten vermuten, dass die Deutschen nicht trotz, sondern wegen der Krise mehr sparen.

Fulda - Schon seit vielen Jahren legen die Deutschen überdurchschnittlich viel Geld auf die Seite. Seit dem Beginn der Corona-Krise haben sich die Beträge, die monatlich zurückgelegt werden, verdoppelt. Das zeigen Zahlen der Deutschen Bundesbank und Angaben des Bundesverbands deutscher Banken (BdB).

Als Grund für die verdoppelten Sparanstrengungen nennt Volker Hofmann, Leiter der Themengruppe Volkswirtschaft beim BdB, das Angstsparen. „In der Corona-Krise ist, wie in allen großen Krisen vorher, eine Unsicherheit entstanden und in unsicheren Zeiten halten sich die privaten Sparer erst einmal zurück.“ Wer nicht wisse, ob er seinen Arbeitsplatz verliere oder wer zum Beispiel durch Kurzarbeit weniger verdiene, halte größere Anschaffungen erst einmal zurück. Doch dieser Effekt allein könne den Trend zum Sparen nicht erklären.

Corona: Deutsche sparen in der Krise überdurchschnittlich viel Geld

Immerhin stieg die Sparquote der privaten Haushalte im zweiten Quartal 2020 auf 20 Prozent. „Das heißt, 20 Prozent der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte wurden auf die Seite gelegt. Im zweiten Quartal 2019 waren es noch zehn Prozent.“ Hofmann sagt, dass neben dem Angstsparen auch die Angebotsbeschränkungen dafür verantwortlich seien. Das führte zu einer Art Zwangssparen: „Man kann Freizeiteinrichtungen und Kulturveranstaltungen nicht nutzen, im Tourismusbereich ging zum Teil gar nichts mehr, Dienstleistungen wurden eingestellt.“

Aus seiner Sicht führt ein weiterer Faktor zu vermehrtem Sparen – ein Faktor, der schon vor der Corona-Pandemie galt: die niedrigen Zinsen. Volkswirtschaftliche Modelle gehen davon aus, dass niedrige Zinsen die Folge haben, dass weniger gespart und mehr ausgegeben wird. Hier irren die Modelle aber.

Video: Das sind die deutschen Aktien-Gewinner der Corona-Krise

Immer mehr Untersuchungen zeigen, dass die Sparer, die für das Alter vorsorgen, nun sogar mehr sparen, um die fehlenden Zinsen und Zinseszinsen zu kompensieren. Kurzfristig könnten niedrige Zinsen zwar zu mehr Konsum führen, aber je länger die Phase mit niedrigen oder negativen Zinsen anhalte, desto mehr würden Privatpersonen wieder sparen, sagt Hofmann. Für die Europäische Zentralbank sei das ein „unerwünschter Nebeneffekt“.

Kaum geändert hat sich die Art des Sparens. Die Bundesbürger meiden das Risiko. Vom zweiten Quartal 2019 bis zum ersten Quartal 2020 haben die privaten Haushalte 282 Milliarden Euro gespart. Davon floss fast die Hälfte in Bargeld und Bankeinlagen, 28 Prozent flossen in Versicherungen (etwa Lebensversicherungen). Das Wertpapiersparen, wozu Aktien zählen, lag bei 23 Prozent. Wertpapiere gewann als Anlageform zuletzt etwas an Bedeutung, im internationalen Vergleich war der Anteil aber niedrig.

Diese Spar-Tipps geben Finanz-Experten aus der Region

Peter Weigel, Leiter Private Banking bei der Sparkasse Fulda.

Sparkasse Fulda: „Wir beobachten zurzeit, dass sich immer mehr Kunden bei der Geldanlage für Nachhaltigkeitsaspekte interessieren“, berichtet Peter Weigel, Leiter Private Banking bei der Sparkasse Fulda. „Dazu trägt vor allem die Debatte um den Klimawandel bei. Nachhaltigkeit beinhaltet aber nicht nur Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch soziale Gesichtspunkte und Aspekte verantwortungsvoller Unternehmensführung.“ Die von der Sparkasse Fulda angebotenen Nachhaltigkeitsfonds bewerten die Aktien nach diesen Aspekten. „Nachhaltigkeit muss sich aber auszahlen. Studien zeigen eine positive Beziehung zwischen Rendite und guter Unternehmensführung“, sagt Weigel. Ein früher Einstieg biete die Chance, von zukünftigen Wertsteigerungen in besonders wachstumsstarken Bereichen zu profitieren und eine bessere Rendite zu erzielen.

Christoph Zimmer, Kundenbetreuer der VR Bank Fulda.

VR Bank Fulda: „Weder das gute alte Sparbuch noch Termingelder sind für das Ziel der Geldanlage noch geeignet“, sagt Christoph Zimmer, Kundenbetreuer der VR Bank Fulda. Kunden sollten abwägen, ob sie nicht zumindest teilweise auf „risikobehaftete“ Vermögensanlagen setzen, die auf längere Sicht höhere Ertragschancen bieten – etwa Aktien- oder Mischfonds. Durch eine an die persönlichen Bedürfnisse angepasste und ausgewogene Vermögensstruktur könne das Gesamtrisiko der eigenen Vermögenssituation insgesamt reduziert werden. Viele fragten nach dem richtigen Zeitpunkt, um etwa in Aktien zu investieren. Zimmer rät, regelmäßig gleiche Beträge zu sparen. Das führt dazu, dass der Kunde bei niedrigen Kursen mehr, bei höheren Kursen weniger Fondsanteile kauft. Der richtige Einstiegszeitpunkt relativiert sich hierdurch ein Stück weit.

Stefan Ruhl, Bereichsleiter Betreuungskunden/Wertpapiergeschäft bei der Volksbank Lauterbach-Schlitz.

Volksbank Lauterbach-Schlitz: „Treffen Sie keine vorschnellen Entscheidungen, Angst ist ein schlechter Ratgeber. Und:Sprechen Sie mit einer Person des Vertrauens über Ihre Pläne.“ Das sagt Stefan Ruhl, Bereichsleiter Betreuungskunden/Wertpapiergeschäft bei der Volksbank Lauterbach-Schlitz. Er rät: Geld, das voraussichtlich fünf Jahre und länger nicht verplant ist, könne am Kapitalmarkt angelegt werden. „Auch bei der Kapitalanlage gilt: Streuung bringt Sicherheit, eine Aufteilung in verschiedene Anlageklassen ist unerlässlich. Ein weltweit anlegendes Aktienportfolio ist aus Risikogesichtspunkten einzelnen Branchen oder Einzelaktien vorzuziehen, regelmäßiges Sparen in Aktien erleichtert den Einstieg. Die Wertentwicklung der Anlagen hängt zu 90 Prozent von der Aufteilung der Anlagen ab, nur zehn Prozent vom Kaufdatum und den einzelnen Titeln.“

Hartmut Krause, Wertpapier-Spezialist der VR Bank NordRhön in Hünfeld.

VR Bank NordRhön Hünfeld: „Viele Anleger setzen auch auf Aktien – ob mit Einzelaktien, ETFs oder von aktiv gemanagten Aktien- oder Mischfonds“, berichtet Hartmut Krause, Wertpapier-Spezialist der VR-Bank NordRhön in Hünfeld. Die Aktien gehöre als Beimischung auf jeden Fall dazu. Welche Aktie zum Anleger passe, das kläre man am besten im persönlichen Gespräch. „Der Anleger muss bereit sein, Schwankungen und auch einmal Verluste hinzunehmen. Aber der Blick zurück zeigt, dass die Aktienanlage auf Dauer gute Erträge als Dividende und Kursgewinnen abwirft.“ Sein Ausblick für 2021 ist positiv: „Die Gewinnerholung nach der Pandemie könnte sich schneller vollziehen als von vielen erwartet. Favoriten sind derzeit große Unternehmen etwa aus den Branchen Gesundheit, Pharma, Nahrungsmittel und Getränke, Telekommunikation, sowie Onlinehandel.“

Horst Schmidt, Kundenberater der Kreissparkasse Schlüchtern.

Kreissparkasse Schlüchtern: „Die Corona-Pandemie mit ihren Folgen hatte auf unsere Empfehlungen an Kunden nur geringen Einfluss“, berichtet Horst Schmidt, Kundenberater der Kreissparkasse Schlüchtern. „Je nach Anlagementalität der Kunden sehen wir eine Beimischung von Aktien zwischen 20 und 50 Prozent des zur mittel- bis langfristigen Anlage bereitstehenden Vermögens.“ Schmidt empfiehlt, Risiken zu streuen. „Dabei spielen Aktienfonds eine wesentliche Rolle, bei denen wir auf eine ausreichende Branchen- und Regionen-Streuung achten. Wir berücksichtigen auch Kundenwünsche wie gelmäßige Ausschüttungen der Dividenden oder Präferenzen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder familiengeführte Unternehmen hat.“ Er rät, in monatlichem Rhythmus in den Markt einzusteigen, um das Risiko, am falschen/teuren Tag zu kaufen, zu reduzieren.

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