Gastronomen in Fulda blicken zuversichtlich in die Zukunft.
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Die Gastronomie im Kreis Fulda – wie hier der Goldene Karpfen in Fuldas Innenstadt – blickt größtenteils zuversichtlich in die Zukunft – insbesondere wegen des Wegfalls der Testpflicht.

Umfrage in Fulda

Trotz Ende der Testpflicht - Gedämpfte Freude bei Gastronomen: „Wer weiß, wie lang das anhält“

  • Sarah Malkmus
    VonSarah Malkmus
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Ab Donnerstag entfällt in der Innengastronomie die Pflicht, beim Besuch einen negativen Corona-Test vorzulegen. Gastronomen der Region zeigen sich mit Blick auf diese Lockerung überwiegend erfreut. Sorgen bereiten Einzelnen jedoch die steigenden Inzidenzen.

Fulda - „Ich bin Gastronomin, keine Ärztin“, betont Leonora Frohnapfel, Inhaberin der Gaststätte Der Florenberg in Künzell, und fügt hinzu: „Ärztliche Dokumente zu kontrollieren hat mit meiner Tätigkeit nichts zu tun.“ Aus diesem Grund ist Frohnapfel erleichtert, dass die Pflicht ihrer Gäste, sich für die Nutzung des Innenbereichs vorab auf das Coronavirus testen zu lassen, nun wegfällt.

Wenn sie auf die vergangenen Wochen blickt, ist sie froh, über einen relativ großen Außenbereich zu verfügen, der nicht nur überdacht, sondern auch windgeschützt ist. Das sei von Vorteil gewesen, da eine Vielzahl an Gästen statt der testpflichtigen Innengastronomie den Außenbereich genutzt habe – teilweise auch bei schlechterem Wetter.

Im vergangenen Jahr – so berichtet Frohnapfel – dachte sie noch, das Ausgehverhalten der Menschen verändere sich durch die Pandemie nachhaltig. Doch sie revidiert: „Wir werden langfristig wieder auf das Vor-Corona-Niveau kommen.“ Insbesondere die durchgeimpften älteren Menschen trauten sich zunehmend auszugehen und einzukehren. (Lesen Sie hier: Bouffier und Al-Wazir beschließen - Testpflicht in Innengastronomie entfällt)

Corona: Trotz Ende der Testpflicht - Gastronomen in Sorge

Für Carolin Zuspann, Geschäftsführerin von Zuspann à la carte in Hünfeld, hatten insbesondere die häufigen Wetterumschwünge in diesem Sommer Gäste und Personal oft unvorbereitet getroffen. Es sei daher zu vielen kurzfristigen Umbuchungen und Stornierungen gekommen. Auch das Testen sei aufgrund der unterschiedlichen Öffnungszeiten von Testzentren nicht immer spontan möglich gewesen. Die Folge: weniger Gäste in ihrem Wirtshaus.

Dass nun auch in Hessen die Testpflicht entfällt, stimmt Zuspann positiv. „Das entstresst den Gast und uns.“ In die Zukunft blickt die Gastronomin daher hoffnungsvoll.

Dieter und Benjamin Kehl vom Landhaus Kehl in Tann haben ebenso große Hoffnung, dass sie nun aufgrund der weiteren Corona-Lockerung wieder mehr Gäste bewirten können. „Viele Gäste sind einfach ausgeblieben, weil vielerorts gerade eine Testung am Wochenende nicht möglich war. Mit der 24-Stunden-Gültigkeit haben die meisten Gäste einen Aufenthalt im Freien vorgezogen und die Restaurants blieben leer“, sagen die Kehls. Für das kommende Wochenende gebe es eine deutliche Zunahme der Tischreservierungen. Ein positives Signal, finden die Gastronomen. (Lesen Sie hier: Alle neuen Entwicklungen zum Coronavirus in Hessen gibt es im News-Ticker)

„Wer weiß, wie lange das anhält“ - Gastronomen in Fulda unschlüssig über Zukunft mit Corona

„Alles in Richtung positiv, alles nach oben, schnurstracks“, fasst Renate Tünsmeyer, Geschäftsführerin und Inhaberin des Goldenen Karpfens in Fulda, die aktuelle Entwicklung zusammen. Der Betrieb habe in den vergangenen Wochen dank des Impffortschritts und der beginnenden Reisesaison wieder stark zugenommen. Die erneuten Lockerungen seien eine „weitere Erleichterung“. Besonders erfreut ist die Gastronomin, dass wieder gefeiert werden kann – sowohl Hochzeiten und Konfirmationen als auch Abiturfeiern seien zuletzt wieder ausgerichtet worden.

Wenig Verständnis für die Testpflicht hat Felix Wessling, Inhaber der Heimat und der Alten Schule in Fulda. „Sie hat keinen Sinn ergeben“, sagt er. Schließlich sei sie in anderen Branchen bereits früher abgeschafft worden. „Jetzt kehren Spontaneität und Flexibilität zurück“, fügt er hinzu. Eine Entscheidung für einen Restaurantbesuch sei nun auch unabhängig vom Wetterbericht wieder möglich.

Video: Neustart in Gastronomie und Handel läuft noch

Der Gastronom beschreibt die Lockerungen als „Riesenerleichterung für uns alle“, da nun auch Diskussionen aufgrund der von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Regeln sowie der Kontrollpflicht seitens des Personals wegfielen.

Waldemar Neidert, Inhaber des Gasthofes Sieberzmühle in Hosenfeld, ist dagegen etwas skeptischer gestimmt. „Für den Moment ist der Wegfall der Testpflicht eine Erleichterung, aber wer weiß, wie lang das anhält.“ Besorgt ist er vor allem ob der steigenden Inzidenzen, die diese Lockerung schon bald wieder kippen könnten. (Lesen Sie auch: Nach Corona-Lockdown - Handel schöpft Hoffnung)

Die vergangenen Wochen seien nicht „der absolute Reißer“ gewesen, sagt er. Auf dem Land mache wohl niemand einen Corona-Test, nur um im Innenbereich essen zu dürfen, fügt er hinzu. Langfristige Planungen gestalteten sich daher zunehmend schwierig. Aber: „Wir ändern die Situation nicht, wir werden damit leben müssen.“ (sob)

Dehoga-Kreisvorsitzender Steffen Ackermann (Archivbild)

Steffen Ackermann - Dehoga-Kreisverbandsvorsitzender

„Dass die Testpflicht wegfällt, wurde höchste Zeit“, sagt Steffen Ackermann, Dehoga-Kreisverbandsvorsitzender, gegenüber unserer Zeitung. Schließlich sei Hessen das letzte Bundesland, das die Pflicht aufrechterhielt. „Für den Tourismus im Dreiländereck war das wirklich schwierig“, fügt Ackermann hinzu. Umso größer seien nun Freude und Erleichterung.

Eine Konsequenz der weggefallenen Testpflicht sei nun, dass mehr Reservierungen im Innenbereich verzeichnet werden. Ein „richtiger Schub“ werde „hoffentlich in den kommenden Wochen noch kommen“. In den vergangenen Wochen sei die Nachfrage insgesamt wetterabhängig gewesen. Der größte Teil der Gäste zeigte sich laut Ackermann jedoch verständnisvoll, nur wenige Menschen akzeptierten die geltende Testpflicht nicht. / mal

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