Lange Schlangen bilden sich am Corona-Testzentrum der Rosen-Apotheke in Fulda - und nicht nur dort, sondern auch andernorts.
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Lange Schlangen bilden sich - gerade auch in den Nachmittags- und Abendstunden - an den Corona-Testzentren wie hier bei der Rosen-Apotheke in Fulda.

Durch 3G-Ausweitung

Lange Schlangen vor Corona-Testzentren: Nachfrage hat sich verdoppelt bis verdreifacht

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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Im Personenverkehr und in Betrieben gilt seit Mittwoch 3G. In der Folge ist die Nachfrage nach Corona-Tests massiv gestiegen. Diese abzuarbeiten, stellt Testcenterbetreiber im Kreis Fulda vor große Herausforderungen.

Fulda - Seit die verschärften Corona-Regeln in Hessen gelten, bilden sich vor den Corona-Testzentren in der Region wieder lange Schlangen. Binnen eines Tages hat sich am Mittwoch die Nachfrage nach Corona-Tests in der Rosen-Apotheke in der Frankfurter Straße in Fulda verdoppelt, schätzt Inhaber Christian Wetterich. Wie viele es am ersten Tag waren, vermag er gar nicht zu beziffern.

„Am Bahnhofsplatz in Fulda sind 100 Tests am Tag der Normalfall, an der Ochsenwiese haben wir am Wochenende zwischen 7 und 21 Uhr täglich mehr als 600 Menschen durchgeschleust“, sagt indes Martin Klug, Organisator der Testzentren beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Kreisverband Fulda. Der Andrang sei nur schwer zu bewältigen, berichtet er. So staute sich der Verkehr am Mittwoch in der Magdeburger Straße weit zurück, weil etliche Menschen zum Testen wollten.

Corona in Fulda: Lange Schlangen vor Testzentren seit 3G-Ausweitung

Die Schuld sieht er dabei in der Corona-Politik. „In Deutschland wurde die Testverordnung in diesem Jahr viermal geändert. Die Folge war, dass wir zu Schnellschüssen gezwungen waren“, kritisiert er. Zuletzt in dieser Woche.

Klug skizziert die Chronologie: „Im Sommer haben wir eine ganze Menge Tests durchgeführt. Als die dann bezahlt werden mussten, ist die Nachfrage auf ein Drittel eingebrochen. Wenn dann in ein Testzentrum, das drei Stunden geöffnet war, drei oder vier Leute gekommen sind, hat sich das nicht mehr gerechnet. Die Kapazitäten wurden runtergefahren.“

Eine ähnliche Beobachtung hat Wetterich gemacht. Als die Tests im Supermarkt zu Dumpingpreisen verkauft wurden, sei auch die Nachfrage in den Apotheken eingebrochen. „Inzwischen ist die Nachfrage bei den Laientests wieder massiv angestiegen. Die Preise haben sich im Einkauf für uns verdoppelt“, sagt der Pharmazeut. Mittlerweile seien die Tests zudem schwierig zu bekommen. (Lesen Sie auch: 3G in Bus und Bahn: Neue Corona-Regel wird zum Start kaum kontrolliert)

Drive-In-Testcenter in Fulda öffnet am 1. Dezember wieder

„Wir arbeiten zum Glück seit Pandemiebeginn sehr eng mit einem Hersteller zusammen, sodass wir jetzt noch einmal an ein großes Testkontingent gekommen sind. Wie lange das hält und wie das in Zukunft aussieht, wissen wir aber noch nicht“, sagt Jutta Rau für die Rau & Nelles GbR, die das Testzentrum am Globus Baumarkt und ab 1. Dezember wieder als Drive-In in der Frankfurter Straße betreibt. Dass dieses wieder öffnet, sei dem großen Andrang geschuldet, der entzerrt werden soll. Verdoppelt bis verdreifacht habe sich die Nachfrage.

Wo gibt es Corona-Testzentren?

Der Landkreis Fulda hat auf seiner Homepage unter der Rubrik „Wer und wie wird getestet?“ aufgelistet, wo Corona-Schnelltest sowie PCR-Tests angeboten werden. Dort sind am Freitagmittag 31 Testzentren - 27 für Bürgerschnelltests sowie 4 für PCR-Tests - aufgeführt.

„Es gab Zeiten, in denen hatten wir bis zu 60 Testzentren im Kreisgebiet“, sagt die Pressesprecherin des Landkreises Fulda, Leoni Rehnert. Die Kreisverwaltung versuche die Auflistung aktuell zu halten, das funktioniere aber nicht in allen Fällen, „weil nicht jeder sein Testangebot, die Änderung von Öffnungszeiten oder die Schließung eines Zentrums sofort an uns meldet“, erklärt Kreis-Pressesprecherin Rehnert.

Am Mittwoch seien vier positive Tests zu verzeichnen gewesen. Jutta Rau, die mit ihrem Mann Andreas das Fuldaer Haus auf der Maulkuppe betreibt, hält eine umfassende Teststrategie für wichtig. „Ich bin sogar für eine 1G-Regelung, dass alle getestet sein müssen, wenn sie irgendwohin gehen. Anders bekommt man das Virus wohl nicht in den Griff“, sagt Rau.

Video: Corona-Testzentren seit Einführung von 3G stark überlastet

Dass es ein Beschaffungsproblem für die Tests gibt, stellt Klug ebenfalls fest. Zwar sei das DRK gut ausgestattet und werde über ein Servicecenter beliefert. Aber: 10.000 bis 15.000 Tests versuche das DRK Fulda, das im Kreisgebiet aktuell elf Bürgertestzentren betreibt, vorzuhalten. So sei eine Woche gut überbrückbar. Logistisch sei das bei der insgesamt gestiegenen Nachfrage jedoch mitunter schwierig.

Nicht die einzige Unwägbarkeit, wie Klug berichtet: So ad hoc ließen sich Kapazitäten allein aus personellen und räumlichen Gründen nicht wieder hochfahren. „Wir haben zum Teil die Bürgerhäuser genutzt. Das können wir jetzt nicht mehr. Auch an die Container, die wir angemietet hatten, kommen wir zum Teil nicht mehr dran. Um diese aufzustellen, brauchen wir dann noch die Flächen“, schildert Klug die Misere.

DRK und Klinikum unterhalten ein Testzentrum am Bahnhofsplatz.

Weiterhin stehe viel Personal dem DRK nicht mehr zur Verfügung. „Die seinerzeit angestellten Kräfte haben zum Teil jetzt wieder andere Arbeit. Außerdem haben wir viel mit Ehrenamtlichen gearbeitet, die sind aber auch irgendwann ausgelaugt“, sagt der Organisator der Testzentren. Das DRK habe bereits die Öffnungszeiten bei den bestehenden Angeboten erweitert. Trotzdem: „Jetzt staut es sich“, beklagt Klug und meint, wenn im Frühjahr eine allgemeine Impfpflicht eingeführt worden wäre, könnte die Situation jetzt entspannter sein.

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