Pfarrer Michael Möller (Zweiter von links) las die Namen der Verstorbenen vor und Pfarrerin Natascha Weigelt entzündete für jeden eine Kerze.
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Pfarrer Michael Möller (Zweiter von links) las die Namen der Verstorbenen vor und Pfarrerin Natascha Weigelt entzündete für jeden eine Kerze.

„Hoffnung über den Tod hinaus“

21 Kerzen für 21 Corona-Tote - Gedenkfeier für Verstorbene aus Seniorenheim in Hilders

Anfang Dezember hat es im Seniorenheim St. Kilian in Hilders einen Corona-Ausbruch gegeben. 21 Menschen sind in der Folge an oder mit dem Virus gestorben. In zwei Gedenkfeiern wird nun der Toten gedacht. 

Hilders - „Hoffnung über den Tod hinaus“ – unter diesem Motto fand am Samstagnachmittag eine ökumenische Gedenkfeier in der katholischen Kirche in Hilders (Landkreis Fulda) für die verstorbenen Heimbewohner des St. Kilian-Pflegeheimes statt. Weil aufgrund der Corona-Auflagen die Teilnehmerzahl begrenzt war, wird eine weitere Gedenkfeier am kommenden Samstag folgen.

Initiator ist Diakon-Bewerber Manfred Oeste aus Elters. Er wandte sich an die Angehörigen der Verstorbenen und an die Mitarbeiter und Pflegekräfte des St. Kilian-Heimes: „Einen lieben Menschen zu verlieren, schmerzt und tut weh. Was wir in letzter Zeit erleben mussten, ist unfassbar und lässt sich nur schwer in Worte fassen.“

Hilders: Gendenkfeier für Corona-Tote - Zurückliegende Zeit „lässt sich nur schwer in Worte fassen“

21 geliebte Menschen seien in den letzten Wochen im St. Kilian-Heim gestorben und es sei keine Zeit geblieben, sich auf den Abschied vorzubereiten. „Jeder von uns hat seine Form des Abschiednehmens, heute wollen wir es gemeinsam tun, indem wir uns Ihrer erinnern, ihre Namen nennen, für jeden eine Kerze anzünden, sie mit Musik und im Gebet begleiten“, sagte Manfred Oeste, der seelsorgerisch das Pflegeheim mitbetreut.

Nach einem Gebet und der Schriftenlesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus durch die neue evangelische Pfarrerin in Hilders, Natascha Weigelt, führte Oeste weiter aus: „Es gibt noch immer viele Fragen. Fragen, die nach einer Antwort suchen und die uns quälen: Wie konnte das passieren? Warum gerade jetzt? Wir haben doch alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Wieso? Und: Hätte ich nicht doch lieber...?“

Der Abschied fehlte - Gedenkfeier für Verstorbene aus Seniorenheim in Hilders

Auch wenn die Verstorbenen „ein langes reiches Leben hatten – die meisten waren 90 Jahre und älter“ – weiß Manfred Oeste aus zahlreichen Gesprächen, dass sie „gerne“ gehen wollten. Was fehlte, war der Abschied, der durch die Corona-Pandemie nicht möglich war. „Wie gerne hätten wir ihr oder ihm noch etwas gesagt? Wie ist er oder sie gestorben? Ist sie oder er sanft eingeschlafen? Hat er oder sie uns vermisst? Oder: Hätte er oder sie uns noch gerne etwas gesagt?“

Doch nicht nur für die Angehörigen sei es eine schwere Situation wegen Corona. Auch das Personal und die Heim-Leitung quälen Fragen, betonte Oeste: „Wie begegnen wir dieser Situation? Werde ich meinen Aufgaben noch gerecht? Haben wir wirklich alles getan, was nötig ist? Fragen und keine Antworten“, fasste er zusammen. Die Gewissheit „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ hätten auch die Verstorbenen bei allen Schwierigkeiten bis zum Ende beherzigt.

Erinnerung an Verstorbene leuchten lassen - Gedenkfeier für Corona-Tote in Hilders

Auch wenn viele Fragen unbeantwortet bleiben. „Als Christen müssen wir nicht enttäuscht sein. Wir setzen diesem Nichtwissen eine Hoffnung entgegen: Dass im Sterben und im Tod nicht nur das irdische Leben endet, sondern auch der Beginn einer neuen Wirklichkeit bei Gott liegt, der Beginn eines neuen Lebens bei und mit ihm in Fülle. Das ist unser Glaube und unser Trost“, so Oeste.

„Wenn die Sonne untergeht, leuchten die Sterne der Erinnerung. Wir möchten heute die Erinnerung an unsere lieben Verstorbenen leuchten lassen.“ Die Osterkerze leuchte als Zeichen der Hoffnung, dass dem Tod die Auferstehung folgt. Deshalb las der Hilderser Pfarrer Michael Möller, unter Klavier- und Querflötenbegleitung, die Namen vor und Pfarrerin Weigelt entzündete für jeden Corona-Toten ein Licht an der Osterkerze.

Die Angehörigen durften die Kerze ihres Familienmitgliedes mit nach Hause nehmen. „Auch wenn sie den Verlust eines lieben Menschen nicht ersetzen kann, können wir uns aber durch die Kerze liebevoll an sie erinnern.“ Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier von Verena Gass (Klavier/Gesang) und Margot Faulstich (Querflöte/Gesang). (fje)

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