Andrea Farnung führt Teilnehmer eines Spaziergangs durch die grüne Lunge des Kurortes.
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Kräuter im Kurpark: Andrea Farnung führt Teilnehmer eines Spaziergangs durch die grüne Lunge des Kurortes. Es war die erste touristische Veranstaltung nach dem Corona-Lockdown des Gastgewerbes.

Aussichten unklar

Erste touristische Veranstaltungen finden wieder statt: Bad Salzschlirf erwacht aus dem Corona-Koma

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Der größte Kurort der Region erwacht aus dem erzwungenen Dornröschenschlaf: Nachdem der Tourismus in den zurückliegenden rund zwei Monaten infolge der Coronakrise nahezu zum Erliegen gekommen war, gibt es nun wieder erste Veranstaltungen.

Bad Salzschlirf - Die Gruppe fällt auf: Ein knappes Dutzend Kinder und Erwachsene schlendert am vergangenen Donnerstag langsam durch den Bad Salzschlirfer Kurpark. Ab und an bleiben sie alle stehen. Andrea Farnung pflückt dann auf einer Wiese oder unter Bäumen Wildkräuter, erklärt Wissenswertes über das Thema, beantwortet Fragen. Dann geht es weiter; freilich immer mit dem gebotenen Abstand zueinander.

Die kleine Gruppe in der vergangenen Woche stellt eine Zäsur dar: „Der Kräuterspaziergang war die allererste Veranstaltung“, sagt Jörg Peters, zuständig für das Marketing bei der gemeindeeigenen Tourismus und Service Gesellschaft, erleichtert. Rund zwei Monate nach dem verordneten Lockdown der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens, kehrt der Tourismus nun langsam wieder in den Kurort zurück. 

Nach Corona-Koma im Kurpark Bad Salzschlirf: „Es fängt langsam wieder an“

Neben der Kräuterveranstaltung mit der Rhöner Expertin, zu der neben Einheimischen verbliebene Kurgäste und Interessierte aus Nachbarkommunen gekommen waren, stehen weitere touristische Formate wieder im Veranstaltungskalender, bei denen die Menschen die weiter geltenden Abstands- und Hygieneregeln einhalten können.

„Es fängt so langsam wieder an“, sagt Peters. Daher kann es unter anderem wieder Gästeführungen durch den Ort geben und geführte Radtouren und Wanderungen um das Heilbad. Auch das Wasser im Gradierpavillon wurde wieder angestellt – er wurde außer Betrieb genommen, um Menschenansammlungen zu verhindern.

Wanderhalle und Minigolf sind wieder geöffnet

Der Radverleih hat seinen Betrieb wieder aufgenommen. Auf dem Wohnmobilstellplatz machten am Wochenende die ersten Reisenden Station. Die Wandelhalle über dem Flüsschen Altefeld mit dem Trinkbrunnen wurde ebenfalls wieder geöffnet. So können Spaziergänger größere Runden durch den weitläufigen Kurpark drehen. Auch Minigolf ist wieder möglich. Zudem werden die Kurkonzerte in Wandelhalle und Musikmuschel zu hören sein. „Das ist ein Symbol für den Ort“, betont Peters, der dies mit schlagenden Kirchenglocken in Dörfern vergleicht. „Die Konzerte gehören einfach zum Ort.“ 

Seit Wochen war Stille; der Kurpark zeitweise verwaist; die Gastronomie mit Ausnahme von Liefer- und Abholservice lange geschlossen. Die Tourist-Info schloss ebenfalls ihre Pforten – deren Mitarbeiter koordinierten die Corona-Hilfen im Kurort. „60 Tage war alles gestrichen, es gab nichts“, resümiert Peters. Der Tourismus war „nahezu bei null“. Weil es nun aber die ersten Anfragen von Gästen gebe, fahre die Branche langsam wieder hoch. Die Restaurants und Cafés im Ort haben sich wegen der Hygieneregeln umgestellt und die Außengastronomie mit dem Segen des Ordnungsamtes ausgeweitet: Bestuhlt werden darf inzwischen zusätzlich auf dem Gehweg und in Parkbuchten. 

Tagesgeschäft noch „sehr verhalten“

Wie schnell und stark sich der Tourismus im Kurort vom Shutdown erholt und sich die Gästezahlen normalisieren werden, kann Peters nicht einschätzen. „Wir hoffen, dass die Erholungskurve steil wird“ und dass die Beschränkungen infolge der Corona-Pandemie schnell gelockert werden. „Das ist für uns existenziell.“ Jedoch sei das Tagesgeschäft derzeit noch „sehr verhalten“, nicht alle Beherbergungsbetriebe geöffnet; und Firmen seien ebenfalls zurückhaltend, was Buchungen angehe. Tagungen und Messen seien abgesagt, und viele Konferenzen würden online stattfinden, ohne dass Gruppen vor Ort für ein Seminar zusammenkommen müssen.

Jedoch würden und könnten Videoschalten Tagungen nicht ersetzen, glaubt Peters. Man schaue aktuell auf das Sommergeschäft. Im Gespräch sind dafür ein Konzept und eine Kampagne, mit denen der Kurort demnächst touristisch werben will. Denn wegen Corona wird landauf, landab mit einem Boom des Deutschland-Tourismus gerechnet.

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