Ein Mountainbiker Damian springt mit seinem Mountainbike auf dem sogenannten Deister Trail „Ü30“ bei Wennigsen (Niedersachsen).
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Mit Beginn der Corona-Pandemie sind immer mehr Menschen mit dem Fahrrad im Wald unterwegs - auch in der Rhön und im Vogelsberg.

In der Rhön und im Vogelsberg

Corona-Trend Fahrrad: Immer mehr E-Bikes fahren durch den Wald - Große Probleme machen aber andere

  • Sebastian Reichert
    VonSebastian Reichert
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Durch den Fahrrad-Boom in der Corona-Pandemie und die steigende Zahl an E-Bikes stellen die Förster in den Wäldern im Landkreis Fulda und im Vogelsberg immer mehr Radfahrer fest. Oft sind diese illegal unterwegs.

Hofbieber/Schotten - „Das Fahrradfahren hat deutlich zugenommen“, berichtet Axel Norgall, Leiter des Forstamtes Schotten im Vogelsberg. Sein Forstamtsleiter-Kollege aus Hofbieber im Landkreis Fulda, Florian Wilshusen, stimmt dieser Aussage zu - vor allem seit dem Beginn der Corona-Pandemie: „Der Fahrrad-Tourismus im Wald hat deutlich zugenommen.“

Während allerdings beispielsweise der Habichtswald bei Kassel laut Matthias Schnücker, Bereichsleiter beim Forstamt Wolfhagen, quasi durchzogen von nicht genehmigtem Downhill-Routen mit errichteten Steilkurven und Sprungschanzen abseits der festen Wege sei, sei dieses Problem so in diesem Ausmaß in der hessischen Rhön und im Vogelsberg nicht zu beobachten.

Corona-Trend Fahrrad: Immer mehr mit E-Bike im Wald - Wer Probleme macht

So gebe es aktuell im Bereich des Forstamtes in Schotten zwei jeweils etwa 500 Meter lange illegale Downhill-Strecken im Wald, allerdings nicht in Naturschutzgebieten. Besonders sensible Bereiche der Natur würden durch die Trails nicht übermäßig beeinträchtigt, sagt Forstamtsleiter Axel Norgall. Davon, dass durch die illegalen Strecken wie im Habichtswald Brut- und Nistzeiten der Tiere massiv gestört werden, könne nicht die Rede sein.

Vereinzelt seien bei den illegalen Mountainbike-Trails im Vogelsberg auch einfache Erdarbeiten durchgeführt worden. Mit diesem Problem hat Forstamtsleiter Florian Wilshusen aus Hofbieber aktuell nicht groß zu kämpfen. Vor etwa zehn Jahren habe es beispielsweise im Bereich von Dipperz und Eichenzell mal solche illegal errichteten Trails gegeben. Diese seien aber bereits vor längerer Zeit entweder von der Erbauern zurückgebaut oder vom Forstamt zerstört worden.

Abhilfe für Mountainbike-Fans schaffen sollen neue ausgewiesene Mountainbike-Wegenetze. So gibt in der Rhön im Dreiländereck von Bayern, Hessen und Thüringen laut der Tourismus-Gesellschaft Rhön GmbH mit mehr als 1000 Kilometern Länge „das längste zusammenhängende Mountainbikenetz in Deutschland“. Die Forstämter begrüßen solche speziellen Mountainbike-Wege.

Etwas, was allerdings auch sowohl Florian Wilshusen für die Wälder im Landkreis Fulda als auch Axel Norgall für den Vogelsberg feststellen, ist der Corona-Trend E-Bike. Immer mehr Menschen sind mit E-Bikes unterwegs und erreichen so auch abgelegene und schwer zugängliche Bereiche mit geschützten Pflanzen und Tieren - Bereiche, die sie sonst mit reiner Muskelkraft nicht erreicht hätten. Schwerpunkte sei beispielsweise der Oberwald im Vogelsberg, wo es große Parkplätze gibt, wo die Leute ihre Räder von den Autos abladen können.

Forstamtsleiter Florian Wilshusen aus Hofbieber berichtet davon, dass Fahrradfahrer mit ihren E-Bikes unter anderem den 832 Meter hohen Schafstein bei Wüstensachsen oder auch die 835 Meter hohe Milseburg hoch fahren würden. „Mit ihren E-Bikes kommen nun mehr Leute auch im unwegsamen Gelände voran und auch steile Berge hoch“, meint Wilshusen und ergänzt: „Das verursacht bei uns aber eigentlich keine großen Probleme.“ (Lesen Sie auch hier mehr: Spar-Idee in der Corona-Krise - ganz einfach wird aus dem eigenen Fahrrad günstig ein E-Bike).

Forstamtsleiter: Größere Probleme machen Motorradfahrer und Quadfahrer

Der Forstamtsleiter aus Hofbieber weist daraufhin, dass die Wälder in Hessen bewusst eine Erholungsfunktion für die Menschen haben - auch für Fahrradfahrer. Während das Fahrradfahren auf befestigten, geschotterten Waldwegen erlaubt sei, sei das aber auf unbefestigten Wanderwegen verboten. „Das wissen aber die wenigsten, und solche schönen auch als Wanderwege gekennzeichneten Trampelpfade laden dann auch die Fahrradfahrer ein.“

Generell würden Wanderer und Radfahrer in der Rhön aber mit Rücksicht miteinander umgehen. „Es gibt wenig Komplikationen - wir bekommen da wenig Beschwerden“, sagt Florian Wilshusen. Der Forstamtsleiter aus Hofbieber weist vielmehr auf eine andere Gruppe hin, die aktuell viele größere Probleme und Schäden in den Wäldern und in der Natur anrichtet - beispielsweise in der offenen Landschaft bei seltenen Bodenbrütern.

Der Forstamtleiter meint Motorradfahrer und Quadfahrer, die illegal durch den Wald brettern. Florian Wilshusen spricht von Gruppen von fünf bis zehn Personen, die regelmäßig vor allem am Freitagabend querfeldein durch die Natur fahren - beispielsweise bei Hofbieber oder Langenbieber. Dadurch würden geschützte Biotope, wo seltene Orchideen wachsen, und Rückzugsgebiete für bedrohte Tiere, wie Kreuzottern, empfindlich gestört (Lesen Sie auch hier: Diese drei Schlangen-Arten sind in der Region Fulda und im Vogelsberg beheimatet).

Video: So groß ist der Fahrradboom in Deutschland wirklich

In solchen Gebieten suche beispielsweise der Schwarzstorch Nahrung. Dass Motorradfahrer und Quadfahrer illegal durch den Wald fahren und Fauna und Flora mit ihrem Krach und extra hinterlassenen Bremsspuren stören und zerstören, habe „in letzter Zeit zugenommen“, berichtet der Förster. „Offenbar suchen solche Motorradfahrer so die Herausforderung.“

Waldbesucher, die Hinweise auf solche illegalen Touren von Motorradfahrern und Quadfahrern durch die Natur geben können, können sich an das zuständige Forstamt (Hofbieber: 06657-96320; Schotten: 06044-96160) wenden. Das gilt wohl auch für Autofahrer, die speziell im Bereich Grebenhain im Vogelsberg aktuell vermehrt verbotenerweise Abkürzungen durch den Wald benutzen.

Ursache für die Zunahme an illegalen Abkürzungen durch den Wald ist, dass die Ortsdurchfahrt Hartmannshain seit April 2021 aufgrund der Erneuerung der Fahrbahn gesperrt ist. Laut Hessen Mobil ist seit Beginn der Arbeiten eine Vollsperrung der L3338 unumgänglich. Die Baumaßnahme soll bis Ende 2021 dauern. Hessen Mobil teilte mit, dass das Ordnungsamt der Gemeinde Grebenhain die Einhaltung der Vollsperrung kontrolliert.

Laut Forstamtsleiter Axel Norgall sei aber festzustellen, dass nicht nur aufgrund der aktuellen Vollsperrung in Hartmannshain Waldwege mit Autos befahren werden. Auch Menschen, die in der Freizeit den Wald besuchen wollen, würden mitunter tief in den Wald oder den Berg hinauf - beispielsweise auf die Herchenhainer Höhe - in Richtung Bergmähwiesen fahren, um aus ihrer Sicht nur keinen Schritt zu viel zu machen (Lesen Sie auch hier mehr: Die Rhön mit dem E-Bike erobern - neues Buch gibt Tipps für Anfänger und Könner).

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