Tote Schweine im Schlachthof
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Das Arbeiten in Schlachthöfen ist hart. Die schlechten Wohnbedingungen der Mitarbeiter begünstigen die Covid-19-Verbreitung.

Coronavirus in Schlachthöfen ausgebrochen

Unterkünfte und Arbeitsbedingungen von Schlachtbetrieben stehen in der Kritik

In mehreren Schlachtbetrieben ist das Coronavirus ausgebrochen. Vor allem die Unterkünfte osteuropäischer Leiharbeiter stehen in der Kritik. Die Behörden wollen sie jetzt genauer unter die Lupe nehmen.

  • In einigen Schlachtbetrieben in das Coronavirus ausgebrochen.
  • Unterkünfte osteuropäischer Leiharbeiter stehen in der Kritik.
  • Die Branche wehrt sich gegen diese Vorwürfe.

Coesfeld - Die Fleischindustrie steht wegen der Arbeits- und Unterkunftsbedingungen seit vielen Jahren in der Kritik. Branchenkenner sind deshalb nicht überrascht, dass es dort nun so viele Infektionen gibt. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) ist überzeugt, dass die Unterbringung der Arbeiter – viele aus Ost- und Südosteuropa, viele bei Subunternehmern beschäftigt – die Verbreitung des Virus begünstigt. Referatsleiter Thomas Bernhard sagt: „Sie wohnen zu eng aufeinander.“ Zu kleine Wohnungen, zu viele Leute darin, zu wenig Sanitärräume – „ein Riesenproblem“. Dominique John von der DGB-Initiative „Faire Mobilität“ sagt mit Blick auf einen Fall in Sachsen-Anhalt: „Da wurden alte Wohnblocks angemietet, und neun bis zehn Menschen in einer Wohnung untergebracht.“

Coronavirus in Schlachtbetrieben: Beschäftigte sind besonders anfällig

In den Betrieben werde zwar auf Schutzmaßnahmen geachtet – „hinter dem Werkstor ist das aber schnell vergessen“, klagt Bernhard. Das liege auch an mangelhafter Aufklärung durch Vorarbeiter. In diesem Jahr hätten osteuropäische Schlachter zudem wegen der Beschränkungen über Ostern nicht in ihre Heimat gekonnt. „Deshalb haben sie viel Zeit eng zusammen verbracht.“ Hinzu komme, dass sie häufig „in überfüllten Bussen und Bullis zur Arbeit und zur Unterkunft gefahren werden“.

Auch der katholische Geistliche Peter Kossen, der sich seit Jahren für bessere Bedingungen von Arbeitsmigranten einsetzt, sieht seine Befürchtungen bestätigt. Im April schrieb er einen offenen Brief an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Darin forderte er besseren Schutz in Fleischfabriken und anderen Betrieben. „Coesfeld wird nicht der letzte Fall sein“, warnt er. „Die Beschäftigten in den Schlachthöfen sind wegen der harten Arbeit ausgelaugt und besonders anfällig.“

Fleischbranche steht seit langen im Kritik

Im Fall Coesfeld betrieben die Behörden Krisenbewältigung. Teams des Gesundheitsamtes testeten Arbeiter in Unterkünften. Bei mehr als 200 wurde das Virus nachgewiesen. Das Verwaltungsgericht Münster lehnte einen Eilantrag gegen die vorübergehende Schließung des Betriebs mit 1200 Beschäftigten ab. Es verwies auf amtliche Überprüfungen, wonach es am Zerlegeband und in Umkleiden Probleme mit dem Mindestabstand von 1,50 Metern gebe. Masken würden nicht immer korrekt getragen.

Überhaupt steht die Fleischbranche seit langem in der Kritik. Erst Anfang des Jahres legte das nordrhein-westfälische Arbeitsministerium einen Bericht über Schlachthöfe vor. Das Fazit: „Unangemessene Lohnabzüge, mangelhafter Arbeitsschutz und unwürdige Unterkünfte“. Die Branche sei geprägt von „schwer nachvollziehbaren Firmenstrukturen, dem häufigen Einsatz von Werkvertragsnehmern sowie der vorwiegend anzutreffenden Beschäftigung von Arbeitskräften aus Osteuropa“.

Branche wehrt sich gegen Vorwürfe

Die Branche wehrt sich gegen diese Vorwürfe. „Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen“ habe diese Kritik keine Substanz, betonte die Fleischwirtschaft im Oktober. Deutschlands größter Fleischverarbeiter Tönnies warnte nach den neuen Fällen davor, die Branche unter Generalverdacht zu stellen. Ähnlich äußerte sich der geschäftsführende Vorstand der im Hünfelder Stadtteil Nüst ansässigen landwirtschaftliche Vieh- und Fleischvermarktung Fulda-Hünfeld eG, Thomas Hoenig (siehe Artikel unten).

Bislang sei viel zu wenig kontrolliert worden, meint der Linken-Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel. Er verweist auf die offizielle Antwort auf eine Anfrage seiner Fraktion. Im Durchschnitt werde ein Betrieb nur alle 25 Jahre kontrolliert.

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