Auch auf der Wasserkuppe hätte die Skisaison bereits an diesem Wochenende beginnen können. (Archivfoto)
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Auch auf der Wasserkuppe hätte die Skisaison bereits an diesem Wochenende beginnen können. (Archivfoto)

Heftige Kritik der Betreiber

Wegen Corona-Verordnung: Betrieb der Skilifte in Rhön und Vogelsberg verboten - Skifahren ist aber erlaubt

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Skifahren: ja – Skilift nutzen: nein. Nach der Verordnung des Landes Hessen dürfen Skiliftbetreiber ihre Anlagen vorerst nicht öffnen. Skilanglauf ist allerdings erlaubt. Die Liftbetreiber in Rhön und Vogelsberg können das nicht nachvollziehen.

Region - „Das ist bürokratischer Unsinn.“ Harald Jörges vom Skilift Zuckerfeld fährt regelrecht aus der Haut, wenn er über die Verordnung spricht. Dass man zwar die Pisten befahren, aber die Lifte nicht nutzen darf, sei „ein Witz“. „Das ist so, als ob man sagt: Das Café kann öffnen, es darf aber kein Kaffee ausgeschenkt werden“, verdeutlicht Jörges. Er zweifle die Corona-Regeln nicht generell an, er möchte nur eines betonen: „Bei uns können die Hygienemaßnahmen genauso eingehalten werden wie in einem Lebensmittelgeschäft, in Bussen und in Bahnen.“

Er sei sehr enttäuscht gewesen, als er von dem Verbot gehört habe – zumal er schon für die Saison Vorbereitungen getroffen hat. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir die Abstände einhalten können. Wir haben Plexiglas gekauft, die Schneekanonen stehen bereit. In den nächsten Tagen hätten wir mit dem Beschneien anfangen können.“

Skiliftbetreiber in Rhön und Vogelsberg dürfen Anlagen nicht öffnen

Auch auf der Wasserkuppe hätte die Skisaison bereits an diesem Wochenende beginnen können. „So früh wie schon seit Jahren nicht“, erklärt Florian Heitmann, Betriebsleiter der Ski- und Rodel-arena Wasserkuppe. Das sei schon bitter. Er bedauert, dass der Liftbetrieb erst einmal nicht möglich ist.

Anders als Jörges glaubt er aber schon, dass es alpines Skifahren in dieser Saison in der Rhön geben wird. „Man kann die Entscheidung nachvollziehen. Die Gesundheit der Leute geht vor. Allerdings ist es bedenklich, dass die Menschen in Bussen und Bahnen sitzen dürfen, aber nicht in einem Schlepplift.“ (Lesen Sie hier: Erster Schnee in Fulda: Winterlandschaft wohl nicht von langer Dauer).

Die Bügel dieser Lifte sind rund 20 Meter auseinander. Maximal zwei Personen können mit einem Schwung befördert werden. „Bei uns gibt es keine Kabinen-Bahn. Die Gäste sind immer an der frischen Luft. Wir haben im Sommer die Rodelbahn betrieben – da wurden die Abstände eingehalten, und es gab eine Maskenpflicht. Das hat super funktioniert und würde auch im Winter klappen“, ist Heitmann überzeugt.

Wenn viel Betrieb sei, würden die Leute maximal zehn Minuten am Lift anstehen müssen. Die Warteschlangen könnten ohne Weiteres in die Länge gezogen werden, sagt Heitmann. „Wir könnten die Tickets limitieren. Aus der Erfahrung wissen wir, dass, selbst wenn die Parkplätze voll sind, die Mengen noch händelbar sind.“ Die Wasserkuppe sei ein Familienskigebiet und nicht mit den Partyhochburgen in Österreich vergleichbar.

„Es ärgert mich, dass man uns Ischgl überstülpt. Auch in Ischgl haben sich die Leute nicht auf der Piste angesteckt, sondern beim Après-Ski. Uns wird nicht einmal eingeräumt, ein vernünftiges Konzept umzusetzen“, sagt Jörges und ergänzt: „Wir hätten die Hütte zu gelassen und nur draußen heiße Getränke angeboten. Après-Ski hätte es nicht gegeben. Ich weiß nicht, warum so rigoros darüber bestimmt wird. Das ist reines Beamtentum.“

Florian Heitmann (Wasserkuppe): Wasserkuppe ist Familienskigebiet und keine Partyhochburg

Staatliche Hilfen würden ihm persönlich wenig bringen, weil dabei die Einnahmen aus dem Vorjahresmonat angenommen werden – und im Vorjahr lag so gut wie kein Schnee. „Wir hatten zwei Tage auf. Ich kann nur sagen, dass ich im letzten Januar schon Stromkosten von 5.000 Euro hatte, weil die Schneekanonen liefen. Wir gehen hier jedes Jahr finanziell in Vorleistung.“

Vorbereitet sind auch die Pisten am Simmelsberg: „Wir haben gemäht und natürlich die Wartungsarbeiten durchgeführt“, erklärt Patrick Rother vom Skiclub Hanau, der zwei von vier Liften am Simmelsberg oberhalb von Gersfeld betreibt. In den vergangenen fünf Jahren wären rund 200.000 Euro investiert worden.

„Wir haben auf diesen Winter gehofft. Es wäre wirklich schade, wenn es bei dem Verbot bleibt. Ich befürchte es aber.“ Rother könne die Maßnahmen verstehen, kritisiert aber, dass die Liftbetreiber nicht einmal nach Konzepten gefragt worden seien. „Man hätte in den Dialog treten sollen, wie man die Skisaison hätte retten können.“

Das steht in der Verordnung

Dürfen Skilifte öffnen? 
Nein. Laut Verordnung des Landes Hessen mit Stand vom 3. Dezember dürfen Skilifte für den Publikumsverkehr nicht öffnen. Unter dem Stichwort: „Für den Publikumsverkehr sind beispielsweise verboten“ sind Skilifte explizit aufgeführt – neben Schwimmbädern, Saunen, Schlössern, Zoos und anderen Einrichtungen. 

Ist Langlauf erlaubt? 
Freizeit- und Amateursport darf nur allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand stattfinden – bis zu einer Gruppengröße von höchstens fünf Personen. Das erlaubt es etwa Familien, eine Radtour zu machen. Auch Reiten, Rudern, Segeln, Segelfliegen und Ski-Langlauf im Sinne einer freizeitsportlichen Tätigkeit ist möglich. 

Warum bleiben die Lifte geschlossen? 
Die Maßnahmen sollen das Infektionsgeschehen verlangsamen. Durch die Einschränkung von Kontakten sollen Infektionsketten unterbrochen werden. Diesem Zweck dient auch die Schließung diverser Einrichtungen. Lifte zählen zu Sport- und Freizeiteinrichtungen und sind somit von der Regelung betroffen. 

Wie lange gilt die Verordnung? 
Die Regelung gilt – vorerst – bis zum 20. Dezember. Es zeichnet sich allerdings schon jetzt ab, dass die Regelung bis zum 10. Januar erweitert wird. Die Weichen dafür wurden bereits gestellt.  

Florian Appel (Skiclub Herchenhain): Skigebiet wäre schöne Alternative zu Östereich

Auch der Skilift in Herchenhain im Vogelsberg wird von einem Verein betrieben, dem Skiclub Herchenhain. Er finanziert sich über die Mitgliedsbeiträge. Doch auch für die Vereinsmitglieder gilt das Verbot, wie der Vorsitzende Florian Appel erklärt: „Aktuell sind Sportstätten und Freizeiteinrichtungen geschlossen, da fallen wir drunter.“ Der Verein kann nicht wie die Wasserkuppe oder das Zuckerfeld auf Schneekanonen zurückgreifen und ist auf Naturschnee angewiesen. Zwar liege noch nicht genug, um überhaupt fahren zu können, aber ab 20 Zentimetern wäre es möglich. „Es ist schade, dass wir nicht öffnen dürfen. Dadurch dass Österreich eine Quarantäne-Pflicht eingeführt hat, wäre unser Skigebiet eine schöne Alternative“, sagt Appel.

Jörges sieht in dem Verbot ebenfalls eine Chance, die vertan wird: „Es hätte die heimischen Skigebiete mal wieder ins Gedächtnis gerufen.” Er hofft, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Hinzu kommt: 2020 ist für seinen Skilift am Zuckerfeld eigentlich ein ganz besonderes Festjahr: Vor 50 Jahren, am 22. Dezember, wurde der Lift zum allerersten Mal betrieben.

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