In Corona-Zeiten bestellen viele Menschen online. An Weihnachten haben die Postzusteller alle Hände voll zu tun. (Symbolfoto)
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In Corona-Zeiten bestellen viele Menschen online. An Weihnachten haben die Postzusteller alle Hände voll zu tun. (Symbolfoto)

Corona und Weihnachten

Postboten haben alle Hände voll zu tun - Zustellerin aus Neuhof berichtet von Stress und 30-Kilo-Paketen

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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In der Weihnachtszeit geht die Post ab – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Brief- und vor allem das Paketaufkommen ist enorm gestiegen. Die Corona-Pandemie hat die Mengen noch zusätzlich wachsen lassen. Eveline Vogel, Verbundszustellerin und Teamleiterin der Deutschen Post in Neuhof, gibt Einblicke in ihren Beruf während der Krise. 

Neuhof - Weihnachtszeit und Corona-Pandemie – für Post- und Paketzusteller ist das derzeit eine Kombination, die für jede Menge Arbeit steht. Die 53-jährige Eveline Vogel arbeitet seit fünf Jahren als Verbundszustellerin und Teamleiterin in Neuhof und bestätigt diese Annahme. „Es herrscht Weihnachtsstress“, sagt sie. „Und durch Corona wurde nochmal ordentlich Arbeit draufgepackt“, fügt sie hinzu. Anscheinend, so Vogel, habe nun auch der letzte Kunde durch Corona das Online-Shopping für sich entdeckt.

Begonnen habe dieser Trend bereits im Sommer: Vom Sommerloch der Vorjahre habe in diesem Jahr jede Spur gefehlt, sagt Vogel. In der vergangenen Zeit habe das Paketaufkommen von Tag zu Tag zugenommen. „Viele weigern sich derzeit einfach, mit Maske einkaufen zu gehen“, sagt die 53-Jährige.

Corona: Postboten baden in Paketen - Zustellerin aus Neuhof berichtet

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In Neuhof fahren normalerweise 22 Personen 22 Touren pro Tag. Seit November wird das Neuhofer Team von drei weiteren Personen unterstützt. Vogel weiß aus Erfahrung: „Die brauchen wir definitiv.“ Die momentane Mehrbelastung führe dazu, dass nicht jeder Brief pünktlich ankomme. Anders sei das bei den Paketen, sagt Vogel. „Die haben einfach höchste Priorität.“ Aus diesem Grund komme es nicht selten vor, dass der Corona-Weihnachtsstress Überstunden mit sich bringe. Vogel schätzt, dass sie derzeit täglich bis zu zwei Stunden länger arbeitet.

Trotz allem Stress findet die 53-Jährige Spaß an ihrer Arbeit. „Ich mag es, wenn meine Kunden ihre Post pünktlich bekommen.“ Sauer ist sie wegen des hohen Bestellaufkommens der Menschen nicht. Auch sie selbst shoppe gerne online. „Durch meine Arbeit habe ich einfach keine Zeit, einkaufen zu gehen.“ Eines ärgert die 53-Jährige jedoch, erklärt sie: „Wenn ich heute jemandem ein schweres Paket an die Haustür bringe und am nächsten Tag gefragt werde, ob ich es wieder mitnehmen kann.“ Ihr Auto fülle sich dann mehr und mehr mit Retour-Paketen. Die Folge: Sie hat keinen Platz für die Sendungen, die ausgeliefert müssen. Normalerweise fährt die Freiensteinauerin einmal am Tag zum Lager zurück, um das Auto mit neuen Paketen zu beladen. Durch die zahlreichen Retouren könne es jedoch vorkommen, dass sie das mehrmals am Tag machen muss. Darüber hinaus betont sie:„Es ist schwere körperliche Arbeit.“ Die schwersten Pakete würden rund 30 Kilogramm wiegen. „Am Ende des Tages weiß man, was man geleistet hat und je näher Weihnachten rückt, umso kaputter ist man am Ende des Tages.“

Weihnachten und Corona sorgen für Überstunden und Stress bei Postzustellern

Doch durch Corona hätten sich auch viele Dinge vereinfacht, wie Vogel berichtet. Etwa, dass es zu einer Vielzahl zusätzlicher Ablageverträge gekommen ist. Der Zusteller sei also dazu berechtigt, das Paket an einem zuvor vereinbarten Ort abzulegen – dadurch würden außerdem Kontakte zwischen Zusteller und Kunde reduziert und Ansteckungsrisiken minimiert werden. „Einmal klingeln sollte man aber trotzdem“, findet Vogel, die in ihrem Beruf vor allem den Kontakt zu Menschen schätzt. „Für viele ist der Postbote derzeit der einzige Kontakt zur Außenwelt.“

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Vogel hat zudem eine besondere Beobachtung seit Beginn der Pandemie gemacht. „Nicht nur die Menge an Bestellungen ist größer geworden, auch die Ware ist eine andere als noch vor Corona-Zeiten.“ So gebe es etwa eine Vielzahl an Baumarkt-Artikeln und Kleinmöbeln unter den Paketen. Selbst Brennholz und Zierkies kämen per Post. „Es wird jetzt einfach alles bestellt“, resümiert sie.

Doch auch eine traurige Beobachtung ist dabei: „Man sollte meinen, dass Weihnachtskarten sich zu dieser Zeit mehren. Das ist aber nicht so.“ Doch sie selbst bekomme nicht selten Weihnachtspost, mit der sich Menschen für ihre Arbeit bedankten und ihr schöne Feiertage wünschten. Allgemein nimmt die 53-Jährige eine große Dankbarkeit ihrer Kunden wahr. „Das freut mich“, sagt Vogel.

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