Bummeln um die Weihnachtsmarkt-Stände wird in diesem Jahr nicht möglich sein.
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Bummeln um die Weihnachtsmarkt-Stände wird in diesem Jahr nicht möglich sein.

Betreiberin berichtet

Ausgefallene Weihnachtsmärkte wegen Corona: Standbetreiber in großer Not - Nur einzelne Buden erlaubt

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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An diesem Wochenende hätten viele Weihnachtsmärkte begonnen, doch unlängst hat die Realität alle eingeholt: kein Weihnachtsmarkt, kein Adventszauber und auch keine abgemilderte Form. Vor allem Budenbesitzer leiden. 

Fulda - Erstmals seit 40 Jahren ist Angelika Wagner in der Weihnachtszeit nicht in Fulda zugegen. Mit ihrem Süßwarenstand Knusperhäuschen ist sie quasi in der Barockstadt aufgewachsen. Seit dem 23. Dezember 2019 aber ist ihr ganzes Geschäft stillgelegt. Keine Feste, keine Einnahmen, kaum Hilfen. Der Grund: Corona – natürlich.

„Ich versuche, die Sache nicht negativ zu sehen, raffe mich jeden Tag auf und mache weiter.“ Immer wieder betont die 64-Jährige, eine stets positiv gestimmte Frau, dass auch dieser Artikel keinen negativen Touch bekommen soll. Die nackten Zahlen aber sehen anders aus. „Ich habe alles auf null gesetzt und auch die nicht notwendigen Versicherungen gekündigt.“ Die aktuelle Zeit überbrücke sie mit Rücklagen, die eigentlich für die Rente gedacht waren.

Ausgefallene Weihnachtsmärkte wie in Fulda bringen Standbetreiber in Not

„Viele können sich gar nicht vorstellen, welche Schicksale an diesen Geschäften hängen“, erläutert Wagner. Fast alle Betreiber sind in den Ständen aufgewachsen und machen seit Kindesbeinen nichts anderes. Einen Job für die jetzige Zeit zu finden sei daher schwierig. Auch ist es keine Option, vor Supermärkten zu verkaufen. Der Aufwand anderer Standbetreiber, wie die 64-Jährige berichtet, habe sich nicht gerechnet. „Möchten Sie beim Einkauf gebrannte Mandeln kaufen? Wohl kaum! Unsere Stände leben einfach von der Atmosphäre.“

Fast hätte diese Atmosphäre auch mit dem Adventszauber stattfinden können, doch die Entwicklungen haben dies nicht zugelassen und eine Absage unumgänglich gemacht. „Daher ein riesen Kompliment an die Stadt Fulda, die uns bis zuletzt die Hoffnung gegeben und für uns Standbesitzer gekämpft hat“, lobt die Kasslerin. Auch ein Sprecher der Stadt Fulda betont, dass die Stadt „sich sehr große Mühe gegeben hatte, mit dem Adventszauber ein Konzept vorzulegen, das – nicht zuletzt zur Unterstützung des Einzelhandels und der Gastronomie“ – dienen sollte. Bei dieser Planung habe es sich allerdings lediglich um ein unverbindliches Konzept gehandelt.

Hoffnung der Standbesitzer auf eine Zeit nach Corona

Trotz der abgesagten Weihnachtsmärkte sind einzelne Buden in der Region zu finden. So auch vier vor dem Emaillierwerk. Der Verkauf ist erlaubt, da dort kein Markt stattfindet. „Es handelt sich hier um Verkaufsstätten“, verdeutlicht der Sprecher der Stadt. Solche können in Betrieb gehen, wenn eine Sondernutzungsgenehmigung der Stadt Fulda vorliegt. „Veranstaltungsformate hingegen sind derzeit nur bei besonderem öffentlichem Interesse und mit Genehmigung des Gesundheitsamts möglich.“

Bereits vor sechs Jahren verkaufte Reinhard Held seine erzgebirgische Volkskunst, die von Räuchermännchen bis Baumschmuck reicht, vor dem Emaillierwerk. Grund: Er bewarb sich für den Weihnachtsmarkt zu spät. „Deswegen bin ich auf die Idee gekommen, in diesem Jahr erneut beim Emaillierwerk anzufragen.“ Held habe viele Stammkunden in Fulda und war daher lange auf der Suche nach einer geeigneten Alternative. Mit Erfolg, um wenigstens für ein bisschen Schadensbegrenzung zu sorgen, wie der Verkäufer betont.

Die Hoffnung also liegt auf 2021, die von Wagner angesprochene Atmosphäre wieder aufleben zu lassen. Daher der Appell: „Es muss in Zukunft wieder Feste geben, schließlich müssen wir lernen, mit dem Virus zu leben. Wenn nicht, wird es das Kinderlachen an den zahlreichen Buden nicht mehr geben. Und damit würde auch ein Stück Kultur verloren gehen.“

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