Corona-Schnelltests sollen nun auch verstärkt in Unternehmen eingesetzt werden. (Symbolfoto)
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Corona-Schnelltests sollen nun auch verstärkt in Unternehmen eingesetzt werden. (Symbolfoto)

Kampf gegen Corona

In Betrieben bald Testpflicht? - Regionale Firmen wie Baumgarten in Weyhers setzen Strategie bereits um

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Der Einsatz von Schnelltests ist in Unternehmen bisher die Ausnahme. Dies soll sich nach Vorstellungen der Politik ändern. Baumgarten ist bereits einen Schritt weiter. Die Holzbaufirma bietet ihren Mitarbeitern einen Test die Woche an. 

Weyhers - Testen, testen, testen - diese Strategie beschwört die Bundesregierung neben dem Impfen. Auch Betriebe sind in den Fokus der Politik geraten. Problem: Ob das Testen in Unternehmen umgesetzt werden muss, steht weiterhin in den Sternen. Angela Merkel bläst jetzt zum Angriff und fordert Unternehmen auf, Beschäftigten Corona-Tests anzubieten. „Wenn nicht der überwiegende Teil der deutschen Wirtschaft Tests seinen Mitarbeitern anbietet, dann werden wir mit regulatorischen Maßnahmen in der Arbeitsschutzverordnung dazu vorgehen.“

Einen Schritt weiter in der Causa Schnelltests ist die Firma Baumgarten aus Weyhers-Ebersburg. „Viele unserer Mitarbeiter können nicht ins Homeoffice und sind auf Baustellen aktiv. Ein Corona-Fall könnte schwerwiegende Folgen haben - gesundheitlich für die Mitarbeiter wie wirtschaftlich für die Firma“, sagt Prokurist Holger Fröhlich. Mit Beginn der Testkampagne des Landes kam dem 55-Jährigen dann die Idee: „Warum nicht den kostenlosen Test in der Firma ermöglichen?“ Dies spare Zeit, bringe Sicherheit und sei ein zusätzlicher Service für die Mitarbeiter. (Bleiben Sie hier mit unserem Corona-Ticker in Fulda auf dem Laufenden).

Corona: In Betrieben bald Testpflicht? - Regionale Firmen wie Baumgarten setzen Strategie bereits um

Gesagt, getan. Nach Rücksprache mit dem Geschäftsführer Volker Baumgarten entwickelte ein ins Leben gerufene Anti-Corona-Team auf eigene Faust ein Konzept. Jeden Freitag wird nun getestet. Der Ablauf dauert weniger als drei Minuten. Jeder angemeldete Mitarbeiter bekommt einen Termin zugewiesen. Stäbchen in die Nase. Warten. Weiterarbeiten. Von der 100-köpfigen Belegschaft haben sich 55 Mitarbeiter testen lassen. Alle Tests waren negativ.

Knapp jedes fünfte Unternehmen in Deutschland bietet seiner Belegschaft regelmäßig Corona-Tests an. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Rund die Hälfte aller Betriebe haben noch keinen konkreten Plan für eine Teststrategie. In diesem Fall rät der Landkreis Fulda, sich als Unternehmen an den Betriebsarzt zu wenden. „Dieser kann Empfehlungen oder Tipps geben. Auch kann das Gespräch mit Teststationen für eine mögliche Kooperation gesucht werden“, sagt Pressesprecherin Lisa Laibach. (Lesen Sie hier: Corona-Schnelltestzentrum am Klinikum Fulda eröffnet - Vorstand Bingel: Ein Weg zurück in die Normalität).

Video: Bei Aldi und Lidl erhältlich: Wie zuverlässig sind Corona-Schnelltests?

Statt selbst einen Mitarbeiter für das Testen ausbilden zu lassen, setzt die Holzbaufirma Baumgarten auf professionelle Hilfe. „Es ist ein Unterschied, ob eine Fachkraft oder ein Mitarbeiter, der eine einstündige Ausbildung genossen hat, testet“, betont Timo Glöckner als Mitglied des Anti-Corona-Teams.

Und so trägt die professionelle Hilfe bei Baumgarten einen Namen: Bastian Zellmer von der Apotheke Schmalnau. „Es ist leichter, vor Ort zu testen, als dass alle Mitarbeiter in die Apotheke kommen“, erklärt er. Generell sieht der Apotheker diese Methode als Modell mit Zukunft. „Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird vieles vereinfacht.“ Mehr als ein Betrieb könne er aber mit seinen Mitarbeitern nicht betreuen.

Holger Fröhlich: Viele unserer Mitarbeiter können nicht ins Homeoffice und sind auf Baustellen aktiv

„Wir sind von der Teststrategie überzeugt. Dies ist unser Beitrag im Kampf gegen Corona“, sagt Fröhlich. Neben der Test-Gewissheit hat die Strategie noch ein weiter positiver Aspekt: die Aufklärung. „Einige Mitarbeiter stellen Fragen über die Corona-Impfung oder die Schnelltests“, sagt Zellmer. Nach einem kurzen Gespräch werden Fragen beantwortet und Ängste genommen. Und das alles wenige Meter neben dem eigenen Arbeitsplatz.

Auch das Unternehmen Tegut möchte seine Mitarbeiter vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen: „Auch uns ist der Schutz unserer Mitarbeiter vor Infektionen wichtig, sodass wir ein umfangreiches Schutzpaket erarbeitet haben“, sagt Pressesprecher Matthias Pusch. Hierzu gehören kostenlose Selbsttests, die alle Mitarbeitenden in den Zentralen Diensten und den Filialen in Anspruch nehmen können. „Zum anderen gibt es in den Gebäuden der Zentralen Dienste und der Logistik auf den Bewegungskorridoren eine FFP2-Maskenpflicht und ein ausgearbeitetes Wegekonzept, das die Bewegungsströme kanalisiert“, erklärt Pusch. Darüber hinaus arbeiten Mitarbeiter, für deren Aufgaben es keine Präsenzpflicht gibt, überwiegend aus dem Homeoffice heraus. Wie andere Unternehmen ihre Mitarbeiter schützen, lesen Sie in der Ausgabe unserer Zeitung oder im E-Paper.

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