Leuchtende Bäume stehen in der Bahnhofstraße in Fulda.
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Leuchtende Bäume stehen in der Bahnhofstraße in Fulda.

Läden sind leer

Coronakrise: Fuldas Innenstadt kämpft um das Weihnachtsgeschäft

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Der erste Advent ist da. Vor einem Jahr um diese Zeit brummte die Innenstadt. Aber jetzt bekommt man problemlos einen Parkplatz. „An ein annähernd normales Weihnachtsgeschäft ist nicht zu denken“, sagt Reginald Bukel (47), Vorsitzender des City Marketing Fulda.

Fulda - Der von Bukel geführte Centhof am Bahnhof ist herrlich beleuchtet, auch die Einkaufsstraßen in Fuldas Innenstadt haben gestern Abend die Weihnachtsbeleuchtung eingeschaltet. Aber viele Menschen sind nicht unterwegs. „Eine solche Abnahme an Frequenz hat es noch nie gegeben – und jetzt ist für den Handel die wichtigste Zeit des Jahres.“

Als er am Mittwochabend nach der Ministerpräsidentenrunde von den neuen Höchstgrenzen für Kunden pro Quadratmeter Verkaufsfläche erfuhr, da musste er lächeln: „Die Höchstgrenzen werden bei Weitem nicht erreicht. Die neuen Regeln haben also keine praktischen Auswirkungen. Die Innenstädte sind leer – was ich verstehe, denn die Politik appelliert ja ständig: Bleiben Sie zuhause!“

Coronakrise: Auch Fuldas Innenstadt kämpft um das Weihnachtsgeschäft

Die Innenstadt leide nicht nur unter der allgemeinen, coronabedingten Zurückhaltung, das Haus zu verlassen. „Der Handel lebt von seiner Symbiose mit der Gastronomie: Nach dem Einkauf geht man in Ruhe einen Cappuccino oder eine Cola trinken. Aber die Lokale sind ja zu.“ Auch die Arbeitnehmer von außen, die in die Fuldaer Innenstadt pendelten und sich dort nach der Arbeit vielleicht nach einer neuen Hose umschauten, blieben weg, weil sie jetzt im Homeoffice sind – ebenso wie die Schüler, die jetzt direkt nach Schulschluss von ihren Eltern abgeholt werden.“

Dass der Handel – im Unterschied zur Gastronomie – jetzt nicht schließen muss, bringe keinen Rückenwind. „Was nutzt es, wenn geöffnet ist, aber niemand kommt. Mancher Händler hätte gern die Novemberhilfe in Höhe von 75 Prozent des Vorjahresumsatz, den ja die Gastronomie – verdientermaßen – erhält.“

„So schwierig wie nie“ - Corona stellt Handel vor Herausforderungen

„Die Situation ist so schwierig wie noch nie. Es ist kaum noch Frequenz in der Innenstadt“, sagt auch Torsten Rützel, Geschäftsleiter bei Herrenmode Köhler. „Aber wir können es nicht ändern. Es ist nun mal ein schwieriges Jahr – und auch, wie für fast jeden Händler in der City, ein schlechtes Jahr.“

Weil das Jahr so schlecht war, sind die Lager im Bekleidungshandel voll. „Nach Weihnachten kommt die nächste Ware – und muss bezahlt werden“, sagt Bukel.

Trotz der schwierigen Lage: Bukel bemüht sich um Optimismus. „Wir tun alles, um ein gutes Weihnachtsgeschäft hinzu bekommen. Seit Freitag sind die Adventsbeleuchtungen eingeschaltet. Das verbreitet Flair, auch wenn uns der Weihnachtsmarkt, der pandemiebedingt ausfällt, sehr fehlt – als Kundenmagnet und als Verbreiter schöner Atmosphäre.“ (Lesen Sie hier: Betreiber von Weihnachtsmartk-Ständen in Not)

Handel in der Krise - Bukel sieht Fuldaer Verbraucher gefordert

Jetzt komme es auf die Verbraucher in der Region an. „Sie können viel tun, um dem Handel durch die Krise zu helfen – nämlich, indem sie ihre Geschenke nicht im Internet einkaufen, sondern in den Geschäften vor Ort“, sagt Bukel.

In Lüneburg hilft die Stadt dem Handel, indem sie an den Adventssamstagen den öffentlichen Nahverkehr und die Parkplätze kostenlos anbietet. „Das wäre auch für Fulda vielleicht mal eine Idee“, sagt der Sprecher des Innenstadt-Handels. Er wünsche sich auch, dass das Land kurzfristig Verkaufssonntage erlaube. Das hatten die hessischen Industrie- und Handelskammern gefordert.

Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld: Menschen sollen lokalen Handel unterstützen

Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU).

Drei Fragen an Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU)

Wie sehen Sie die Lage des Innenstadt-Handels?

Die Lage hat sich in diesem Jahr zugespitzt. Der Trend zum Online-Shopping hat sich verstärkt. Der Lockdown im Frühjahr sowie aktuelle Beschränkungen setzen dem Handel weiter zu. Jetzt liegt es in der Hand der Menschen, den lokalen Handel zu unterstützen, indem sie vor Ort einkaufen. Wem eine lebendige, vielfältige Innenstadt am Herz liegt, der sollte dort einkaufen.

Wie kann die Stadt dem Handel helfen?

Die Stadt hat den Handel schon im Sommer mit vielfältigen Aktionen unterstützt. Auch der „Fuldaer Adventszauber“ sollte der City nach der Absage des Weihnachtsmarkts einen attraktiven Rahmen schaffen. Leider konnte dieses Konzept nicht verwirklicht werden. Die Stadt sorgt mit den Händlerinitiativen zur Adventszeit für festlichen Lichterglanz in den Einkaufsstraßen.

Könnte es an Samstagen nicht Gratis-Busse und Gratis-Parken geben?

Das Parken ist auf vielen Flächen günstig. Samstags sind die Plätze in der Boyneburgstraße und An Vierzehnheiligen gratis, die Tagestarife an der Weimarer Straße (1 Euro), an der Ochsenwiese und im Rosengarten (je 1,50 Euro) sind samstags überschaubar. Mit dem Schüler- oder Seniorenticket kommt man auch günstig in die Stadt. 

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