In Osthessen erwarten die Experten einen nicht so starken Rückgang der Preise für Wohnhäuser und Eigentumswohnungen.
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In Osthessen erwarten die Experten einen nicht so starken Rückgang der Preise für Wohnhäuser und Eigentumswohnungen.

Experten äußern sich

Betongold und Unwägbarkeiten – wie entwickelt sich in Corona-Zeiten der Immobilienmarkt in Osthessen?

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Wird es corona-bedingt Zwangsverkäufe von Immobilien geben? Wie entwickelt sich der Markt für eigengenutzte, wie der für Gewerbeimmobilien, wie der für Anlage-Objekte? Osthessen ist vergleichsweise gut aufgestellt. Doch es gibt viele Unwägbarkeiten.

In einem Punkt sind sich die befragten Fachleute einig: Bei allen Prognosen ist auch ein Stück „Blick in die Glaskugel“ dabei: Die Corona-Pandemie wird Belastungen nach sich ziehen, für die es bislang keine Vergleichsmöglichkeiten gibt. Das betrifft viele Lebensbereiche, die gesamte Wirtschaft und damit auch die Frage, wie viel man in den kommenden Monaten ausgeben muss, wenn man eine Wohnung oder ein Haus kaufen will.

„Die richtige Zeit für einen Verkauf ist jetzt“, steht in einem Handzettel, den Pascal Weß, Geschäftsführer der Immobiliengesellschaften der Genossenschaftsbanken in der Region, vor wenigen Tagen hat verteilen lassen. Und er bleibt dabei: „Wer verkaufen will, der sollte das jetzt tun“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Nach einer kleinen Delle im Februar seien nämlich die Preise aktuell auf Vor-Corona-Niveau.

Preis-Delle wirkt sich auf Bauträger aus

Weß bezweifelt, dass das so bleiben wird. Aus heutiger Perspektive erwartet er in den nächsten drei bis sechs Monaten einen Rückgang der Preise für Wohnhäuser und Eigentumswohnungen. Der könnte im Fuldaer Raum zwischen 5 und 15 Prozent liegen, schätzt er.

Ein stärkerer Rückgang sei unwahrscheinlich, weil Wohneigentum im Raum Fulda zuvor „realistisch“ bewertet und nicht überteuert gewesen sei, urteilt Weß. Doch die absehbare Wirtschaftskrise könne dazu führen, dass – eher vereinzelt – Häuser zum Verkauf kämen: „Wer zwei Gehälter fest eingeplant hat und nun mit Kurzarbeit oder gar mit Arbeitslosigkeit konfrontiert ist, der muss reagieren.“

Nach Weß‘ Einschätzung sind jedoch die meisten Immobilien in der Region eher belastbar und konservativ finanziert. Auswirkungen könne eine Preis-Delle auch auf Bauträger haben: „Wer dort so kalkuliert hat, dass er Höchstpreise erzielen muss, der kann ein Problem bekommen.“

Sparkasse Fulda: Nachfrage ungebrochen.

Auf die Stabilität des regionalen Immobilienmarkts setzt auch Franz Heimann, der Immobilien-Spezialist der Sparkasse Fulda. Er betont, die Nachfrage sei ungebrochen. „Gerade in den vergangenen Wochen habe es ein immenses Interesse an Objekten in der Preislage bis rund 250.000 Euro gegeben.“

Da seien viele junge Familien aktiv gewesen, die auch eine Portion Eigenleistung mit einbringen wollten. Weiter steigende Preise hält er für unrealistisch, aber er erwartet auch keine „Delle“ bei Objekten in guten Lagen. Rückgänge könne es in Randbereichen geben, der Fuldaer Markt sei aber von einer starken Nachfrage geprägt.

Auswirkungen von Homeoffice-Arbeit

Das gelte auch für Eigentumswohnungen, wo sich eben auch moderne, energieeffiziente Objekte mittelfristig gut rechneten. Da wirke sich auch die Sozialstruktur mit vielen Beamten und Menschen aus, die nicht zwingend in Sorge um ihre Arbeitsstelle seien – „von der Polizei über die Verwaltung bis zum Gesundheitswesen“.

In Zeiten, in denen Deutschland Homeoffice lerne, bekomme auch die Nachfrage aus dem Rhein-Main-Raum nochmals ihr eigenes Gewicht für die Region entlang der Bahnstrecke und der A 66. Das Stichwort Homeoffice bringt auch der Fuldaer Immobilienmakler Ralf Fladung ins Spiel – mit Blick auf die Vermietbarkeit von Bürogebäuden. Hier müssten die Anbieter die Veränderungen im Blick haben.

Bleibt „Betongold“ eine Anlage-Option?

Den Fuldaer Raum sieht er im Immobilienbereich zwar „vor einer Herausforderung“, aber viel besser aufgestellt als andere, strukturschwächere Regionen. Und auch wenn damit zu rechnen sei, dass das eine oder andere selbst genutzte Haus wegen Finanzierungsproblemen zum Verkauf komme, sei die regionale Nachfrage so stark, dass sie dies zeitnah ausgleichen werde.

Auch wenn Immobilien tagesaktuell gerade etwas weniger gesucht seien: Er erwarte keinen starken Preisverfall. Auch künftig werde es großes Interesse von Anlegern an Immobilien geben: Sachwerte seien auch in und nach Corona-Zeiten gefragt. „Betongold“ bleibt laut Fladung eine Anlage-Option.

Mietstundungen sind keine Dauerlösungen

Unwägbarkeiten sieht er beim Blick auf Gewerbeimmobilien. Hier hänge viel von den Entwicklungen in der jeweiligen Branche ab. „Gerade wenn ich auf die Gastronomie und auf die Textilanbieter schaue, denen gerade eine ganze Saison wegbricht, dann sehe ich, dass massive Probleme auf die Unternehmen zukommen.“

Wer da im abbezahlten Eigentum arbeite, der habe mehr „Luft“, wer aber bei „Null Umsatz“ hohe Mieten auf den Tisch legen müsse, der gerate rasch an seine Grenzen. Und man müsse auch verstehen, dass für Vermieter Mietstundungen keine Dauerlösungen seien: Auch hier gehe es um Existenzen. Das Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden hänge direkt davon ab, wie lange der Lockdown beispielsweise im Hotel- und Gastgewerbe andauere.

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