Vor einer stationären Aufnahme wird in den Fuldaer Kliniken standardmäßig auf das Coronavirus getestet.
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Vor einer stationären Aufnahme wird in den Fuldaer Kliniken standardmäßig auf das Coronavirus getestet.

Vor stationärer Aufnahme

Fulda: Coronatests gehören in Krankenhäusern nun zum Standard

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Die Krankenhäuser in der Region gehen inzwischen mehr und mehr wieder zurück zum Regelbetrieb. Eines ist aber neu: Wer als Patient stationär aufgenommen wird – zum Beispiel, weil eine Operation geplant ist –, der muss in den meisten Fällen einen Coronatest machen.

  • In den Krankenhäusern der Region Fulda wird standardmäßig ein Coronatest durchgeführt.
  • Im Klinikum Fulda fielen zwei von 8000 Tests positiv aus.
  • Die Angst vor einer Ansteckung ist bei den Patienten in den Kliniken allerdings hoch.

Fulda - Einer der ersten, der in seiner Klinik standardmäßig Coronatests hat durchführen lassen, war Dr. Samir Al-Hami, der im Münsterfeld das Neuro Spine Center betreibt. „Wir haben bereits Anfang Mai die Tests bei jedem unserer Patienten gemacht. Dabei haben wir interessante Erkenntnisse gewonnen“, sagt der 64-Jährige.

Von 150 getesteten Personen waren zehn positiv, die kaum Symptome hatten. Vergleichsweise ist das eine recht hohe Zahl. Al-Hami ist jedoch sicher, dass in seiner Klinik richtig getestet wurde: Das Labor, das seine Tests untersuche, mache einen Screeningtest und eine Bestätigungsuntersuchung auf ein zweites Gen.

Coronatests in Fulda: Patienten werden in den meisten Kliniken vor der stationären Aufnahme getestet

„Darüber hinaus schauen wir nicht nur nach dem Erreger, sondern auch nach Antikörpern. Es wird ein Abstrich im Rachen gemacht und ein Bluttest“, stellt er heraus. Es gebe einige Möglichkeiten, den Test falsch zu machen: „Wenn der Patient zum Beispiel schnell würgt und man den Tupfer nicht tief genug in den Rachen stecken kann.“ Auch gebe es Patienten, die mit einer starken Mund-Rachen-Hygiene dafür sorgen, dass das Ergebnis verfälscht wird. So werde falsch negativ getestet.

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Dass auch falsch positiv getestet werden kann, zeigt das Beispiel aus dem Vogelsbergkreis: Dort liefen mindestens 14 Coronatests auf, die zunächst ein positives Ergebnis aufzeigten. Im Nachhinein stellte sich das aber als falsch heraus. Das Problem: Das Labor in Mainz, das die Proben untersuchte, analysierte nicht spezifisch auf mindestens zwei Covid-19-Gene.

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Tests auf das Coronavirus: 7314 Abstriche für den Landkreis Fulda

„Das RKI gibt vor, dass die Testung aus dem Nachweis eines bestimmten Genabschnitts besteht und zusätzlich aus einem Bestätigungstest, der einen anderen Genabschnitt untersucht. Dadurch soll vermieden werden, dass andere Coronaviren ebenfalls zu positiven Testungen führen“, erklärt Lisa Laibach von der Pressestelle des Landkreises Fulda. Für das Gesundheitsamt des Landkreises sind bislang – Stand Ende Juli – 7314 Abstriche entnommen worden. Dabei seien auch Mehrfachabstriche in der Zahl mit erfasst.

Die Krankenhäuser testen extra und müssen die positiven Fälle dem Gesundheitsamt melden. Das Klinikum hat zum Beispiel bisher rund 8000 Coronatests durchgeführt. Auch der Maximalversorger lässt seit Anfang Mai jeden Patienten, der stationär aufgenommen wird, auf das Virus testen.

Klinikum Fulda: Zwei positive Coronavirus-Tests auf 8000 Getestete

„Wir möchten unbedingt verhindern, dass ein Patient unbemerkt das Virus einträgt. Das Ergebnis kommt recht schnell. Wir arbeiten mit einem externen Partner zusammen, der uns das zwischen 24 und 48 Stunden liefert“, sagt Dr. Thomas Menzel, Vorstandssprecher des Klinikums. Von den 8000 Getesteten seien nur zwei positive Tests dabei gewesen. „Aufgrund der Prävalenz ist das genau die Anzahl, die wir auch erwarten würden.“

Standardmäßig durchgeführt werden die Coronatests auch in der Helios-Klinik St. Elisabeth in Hünfeld. „Seit dem 6. Juli werden bei allen stationären Patienten Abstrich-Tests gemacht“, erklärt Pressesprecherin Gudrun Käsmann. Die Entscheidung, alle Personen zu testen, die stationär aufgenommen werden, ist auch das Ergebnis einer Befragung des Klinikbetreibers.

Patienten fürchten bei Krankenhaus-Besuch Ansteckung mit dem Coronavirus

Das Ergebnis: Die Angst vor einer Ansteckung durch Mitpatienten oder durch das Klinikpersonal ist hoch. Ein Drittel der Befragten macht sich heute mehr Sorgen als früher. Und: Jeder Fünfte begibt sich nur bei Lebensgefahr in die Notaufnahme. Mit den Coronatests möchte Helios stärker auf „Patientensicherheit“ setzen, wie es in einem Sicherheitskonzept heißt. Wie viele Coronatests im Hünfelder Krankenhaus bereits gemacht wurden, kann Käsmann nicht sagen.

Im Herz-Jesu-Krankenhaus in Fulda sind es 1000, davon waren 18 Tests positiv. Dort werden Patienten dann auf Sars-Cov-2 getestet, wenn der „geringste Verdacht“ einer Infektion vorliegt. „Alle Patienten werden einem differenzierten Gesundheitsscreening unterzogen und zu Symptomen befragt, um eine Infektion auszuschließen“, erklärt Professor Dr. Bernd Kronenberger, Chefarzt am Herz-Jesu-Krankenhaus.

Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda: Auch Abstriche in Kinder- und Jugenpsychatrie

Geriatrische Patienten werden „aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe“ standardmäßig getestet – auch vor einer Verlegung. „Ebenso getestet werden Personen, die Symptome eines grippalen Infekts zeigen, zu Risikogruppen gehören, schwere Vorerkrankungen haben und sich größeren Eingriffen unterziehen müssen“, erklärt Kronenberger. Auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie würden alle aufzunehmenden Patienten abgestrichen werden, ebenso wie Notfälle. „Dabei erfolgt, wie bei einem allgemeinen Verdachtsfall, eine vorläufige Isolierung“, erklärt der Chefarzt.

Die Kosten für die Coronatests berechnen die Krankenhäuser den Krankenkassen. Hierfür hat eine Schiedsstelle ab dem 16. Juni einen Betrag von 52,50 Euro pro Test festgelegt.

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