Die Busse sind morgens und mittags voll ausgelastet.
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Die Busse sind morgens und mittags voll ausgelastet.

Mit Maske unterwegs

Streit über Corona-Abstand in vollen Schulbussen: Eltern aus der Region Fulda beschweren sich

  • vonAlina Hoßfeld
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Seit knapp zwei Wochen gehen die Schülerinnen und Schüler auch in der Region Fulda wieder in die Schule. Vieles hat sich wegen Corona verändert. Was bei Eltern Besorgnis erregt: Die vollen Busse sind geblieben, obwohl das Abstandhalten in Zeiten der Corona-Pandemie große Bedeutung hat.

  • In der Region Fulda sind die Schulbusse trotz der Corona-Regeln nach wie vor voll.
  • Die Schulen erhalten viele Beschwerden besorgter Eltern, weil Abstandhalten in den Bussen nicht möglich ist.
  • Eine Lösung des Problems scheint allerdings nicht in Sicht zu sein

Fulda - Auf dem Pausenhof sowie in den Fluren der Schulen gilt die Maskenpflicht und auch das Abstandhalten gehört inzwischen zum Schulalltag. Die vollen Busse sorgen jedoch für Anspannung bei Eltern, Lehrern und Schülern.

Corona-Abstand in vollen Schulbussen? Eltern in der Region Fulda beschweren sich

„Wir haben bereits viele Elternbriefe bekommen. Leider können wir als Schule nichts an den Fahrzeiten und der Anzahl der eingesetzten Busse verändern“, sagt die Schulleiterin der Winfriedschule, Annette Albrecht. Die Eltern und Kinder würden sich unwohl mit der Situation in den Bussen fühlen.

„Es ist eine nicht zufriedenstellende und unsichere Situation. Vor allem, wenn man sich die Bilder am Busbahnhof anschaut. Dort warten die Kinder dicht an dicht auf ihren Bus. Der Abstand scheint egal zu sein“, befürchtet Albrecht. 

Auch an der Florenbergschule in Pilgerzell hat es bereits Beschwerden von besorgten Eltern gegeben. „Wir stehen mit dem Landkreis in Kontakt und haben unsere Stundenpläne geändert, damit die Busse nicht vollkommen überlastet sind“, sagt Schulleiterin Sonja Wollrath.

Einige Kinder würden aufgrund der vollen Busse von ihren Eltern mit dem Auto gefahren werden, nutzen das Fahrrad oder laufen zur Schule. Doch nicht nur in den Bussen gibt es Probleme, auch an den Haltestellen wird es eng. 

„Es gibt momentan einige Baustellen, und die Kinder müssen an anderen Haltestellen einsteigen. Dort ist es auch immer sehr voll“, erklärt Schulleiterin Wollrath und fügt an: „Eine Schülerin hat ihren Eltern erzählt, dass die Schule toll sei, aber sie Angst vor dem Busfahren habe. Das kann so nicht sein.“

Die Schulleiterin wünscht sich mehr Busse, die die Kinder zur Schule bringen und hofft, dass der Landkreis auf ihre Wünsche eingeht. Doch das sei schwierig, wie Leoni Rehnert, Pressesprecherin des Landkreises Fulda, erklärt: „Die Anzahl der Busse müsste verdreifacht oder sogar fast vervierfacht werden – je nachdem, ob man sich darauf beschränkt, nur die Stehplätze nicht zu nutzen oder die 1,50-Meter-Regel streng umzusetzen.“

Maskenpflicht gilt auch an den Bushaltestellen

Täglich seien schon jetzt rund 100 Schulbusse im Einsatz. Der Mindestabstand von 1,50 Meter ist in Bussen und Bahnen aber nicht verpflichtend. Das Land Hessen hat den öffentlichen Nahverkehr hier ausgenommen und dort das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes angeordnet – was auch an den Haltestellen gilt. 

Neben dem Landkreis Fulda ist auch die Stadt Fulda als Schulträger – und damit die RhönEnergie – für die Schülerbeförderung zuständig. „Unserer Erfahrung nach halten sich die Fahrgäste in unseren Bussen größtenteils sehr gut an die Schutzmaßnahmen“, heißt es auf Nachfrage bei der Pressestelle der RhönEnergie. 

Video: Was gilt zum Schulstart während Corona in Rheinland-Pfalz und Hessen?

„Auf die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung weisen Schilder und digitale Lautsprecherdurchsagen hin.“ Darüber hinaus würden die Busse regelmäßig gereinigt werden: „Dazu gehören die standardmäßige Reinigung mit Schwerpunkt auf Griff- und Kontaktflächen sowie der Einbau von Trennscheiben zwischen Fahrerplatz und Fahrgastbereich.“

Auch die Busse der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft (LNG), die im gesamten Landkreis Fulda fahren, würden regelmäßig gereinigt werden. Dass die Busse zu voll seien, sieht Daniel Vollmann, Geschäftsführer der LNG, jedoch nicht so: „Die Busse sind in der morgendlichen Verkehrsspitze und mittags nahezu voll ausgelastet, überfüllt jedoch keineswegs.“

Corona-Abstand in Schulbussen? Lösung nicht in Sichtweite

Die LNG plane bei einem Standardlinienbus mit 70 bis 75 Fahrgästen, zulässig seien meist knapp mehr als 100 Personen. „Bei Gelenkbussen wird mit 100 bis 110 Fahrgästen geplant, zulässig sind hier mehr als 160“, erklärt Vollmann. Die Anzahl der Busse einfach aufzustocken, sei kaum möglich: „Bei neuen Bussen muss mit Lieferzeiten von bis zu einem Jahr gerechnet werden.“ Außerdem würde es dann auch an Personal mangeln.

Der Landkreis Fulda schlägt eine andere Lösung vor: „Die zeitliche Entzerrung des Schulbeginns ist aus der Sicht des Kreises der einzig wirksame Hebel, um die Frequentierung der Schulbusse zu reduzieren. Das kann aber nicht allein auf regionaler Ebene geschehen. Darüber werden nun die Kommunalen Spitzenverbände mit dem Kultus- und dem Verkehrsministerium sowie mit den Verbünden – der RMV hat dazu ein Konzeptpapier – sprechen“, erklärt Rehnert.

Auch Landrat Bernd Woide (CDU) werde in seiner Funktion als Präsident des Hessischen Landkreistages darüber mit dem Land diskutieren. Eine solche Lösung müsse am Ende aber auch mit allen Schulen im Landkreis abgestimmt werden. 

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