100 Tage Coronavirus – so erlebte sie die Region Fulda.
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100 Tage Coronavirus – so erlebte sie die Region Fulda.

Eine Chronologie

Tote, Lockdown, Kurzarbeit, Autokino, Demos, Re-Start: 100 Tage Coronavirus – so erlebte sie die Region Fulda

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Hamsterkäufe, ein Pfarrer, der den Segen mit dem Fahrrad bringt, und 166 registrierte Verstöße gegen die Coronaregeln. Heute vor genau 100 Tagen wurden im Landkreis Fulda die ersten Corona-Fälle gemeldet. Eine Chronologie:

  • Am 9. März meldete das Gesundheitsamt Fulda die ersten laborbestätigten Corona-Fälle im Landkreis Fulda. Am 24. März gab es im Kreis den ersten Todesfall, der in Zusammenhang mit dem Coronavirus gebracht wurde.
  • Am 9. Mai versammelten sich auf dem Universitätsplatz in Fulda hunderte Menschen zu einer „Corona-Demo für Grundrechte und Freiheit“.
  • Weitere Lockerungen: Am 12. Juni gibt das Rosenbad in Fulda bekannt, dass es am 22. Juni wieder öffnen wird.

Tag 1 (9.03.): Erstmals haben sich zwei Bewohner des Landkreises Fulda mit dem Coronavirus infiziert. Die beiden Männer, 33 und 56 Jahre alt, waren kurz zuvor aus dem Skiurlaub in Südtirol zurückgekehrt. Der erste Coronafall in Deutschland war bereits am 27. Januar nachgewiesen worden.

Tag 4 (12.03.): Im Landkreis Fulda gibt es drei, im Vogelsbergkreis einen neuen Fall. Fuldas Landrat Bernd Woide (CDU) drängt darauf, größere Menschenansammlungen zu vermeiden. In einer E-Mail an alle Bürgermeister regt er „dringend an, kommunale und sonstige Veranstaltungen abzusagen“. Die Anregung gilt für jedes Event, egal, wie viele Besucher erwartet werden. In der Folge werden viele Osterbasare, Konzerte, Jahreshauptversammlungen usw. abgesagt. 

Hessischer Fußball-Verband stellt Spielbetrieb ein

Tag 5 (13.03.): Der Hessische Fußball-Verband reagiert auf die steigende Zahl der Neuerkrankungen und stellt landesweit den kompletten Spielbetrieb von der Hessenliga bis in die untersten Klassen ein.

Tag 6 (14.3.): Harte Einschnitte in immer mehr Lebensbereichen: Hessen schließt alle Schulen und Kitas. Sie bleiben lediglich für eine Notbetreuung geöffnet. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck empfiehlt die Absage von Gottesdiensten, und die Fußball-Bundesliga setzt ab sofort den Spielbetrieb aus. 

Landkreis Fulda mit den meisten Coronavirus-Fällen

Tag 7 (15.3): Im Landkreis Fulda ist das Virus bei insgesamt 29 Menschen nachgewiesen – damit verzeichnet Fulda zu diesem Zeitpunkt, gemessen an der Einwohnerzahl, den höchsten Wert von allen hessischen Landkreisen und Städten. Im Main-Kinzig-Kreis wurden bis zu diesem Tag 21 Fälle registriert, im Vogelsbergkreis 4. 

Tag 10 (18.3.): Der Lockdown nimmt seinen Lauf: Umfangreiche Corona-Beschränkungen treten in Kraft. Zahlreiche Geschäfte, Kneipen und Freizeitangebote müssen schließen. Geöffnet bleiben nur noch Läden, die Gegenstände des täglichen Bedarfs verkaufen. In Krankenhäusern und Altenheimen gelten Besuchsbeschränkungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht in einer Fernsehansprache von Maßnahmen, „die es so in unserem Lande noch nicht gegeben hat“. Die Prognosen des Robert-Koch-Instituts sind düster: Millionen könnten infiziert werden.

Erster Patient in Fulda stirbt am Coronavirus

Tag 14 (23.03.): Die Corona-Beschränkungen werden nochmals verschärft. Kontaktsperren treten in Kraft, Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur noch alleine oder mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person gestattet. Cafés, Restaurants und Kneipen müssen schließen, nur die Lieferung und das Abholen von Speisen sind gestattet. Auch Friseure müssen ihre Läden schließen. 

Tag 21 (30.03.): Erster Todesfall im Landkreis Fulda: Ein 81-jähriger Mann ist mit dem Coronavirus gestorben. Das Opfer hatte allerdings schwere Vorerkrankungen und war zunächst mit einem anderen Befund ins Klinikum gekommen. Der Mann aus Fulda starb nicht an, aber mit dem Coronavirus – trotzdem wird er als Corona-Toter an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Übliche Praxis in Deutschland. 

1500 Betriebe im Kreis Fulda planen Kurzarbeit

Tag 22 (31.03.): Das Virus trifft die Wirtschaft mit voller Wucht: Rund 1500 Betriebe im Kreis Fulda planen Kurzarbeit. „Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergeldes wird das Niveau der Finanzkrise 2008/09 weit übertreffen. Die Zahl der Betroffenen Beschäftigten wird sehr hoch sein“, betont Waldemar Dombrowski, Chef der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda. 

Tag 37 (15.04.): Der Kölner Damenmode-Filialist Appelrath Cüpper, seit 2017 Inhaber des Modehauses Erna Schneider in Fulda, hat für das gesamte Unternehmen Insolvenz angemeldet. Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) berichtet, er befinde sich bereits im Gespräch mit der Filialleitung. Er sei zuversichtlich, dass der Standort Fulda mit seinen Qualitäten auch in Zukunft überzeugen könne. Die Fuldaer Filiale sei gesund, heißt es.  

Erste Geschäfte in Osthessen dürfen wieder öffnen

Tag 42 (20.04.): Mit der Wiederöffnung vieler Läden kehrt auch in Osthessen ein Stück Alltag zurück. Pro 20 Quadratmeter Ladenfläche darf sich ein Kunde im Geschäft aufhalten. Der Andrang in der Stadt Fulda ist zum Start allerdings verhalten. 

Tag 59 (06.05.): „Die Lage im Landkreis Fulda entwickelt sich positiv. In den vergangenen Wochen gab es wenige Neuinfektionen. Der Landkreis Fulda ist inzwischen hessen- und bundesweit einer der am geringsten betroffenen Kreise. Deshalb halte ich es für medizinisch vertretbar und für volkswirtschaftlich geboten, weitere Lockerungen zu ermöglichen“, sagt Fuldas Vizelandrat Frederik Schmitt (CDU). 

Corona-Demo in Fulda auf dem Universitätsplatz

Tag 62 (09.05.): Der Widerstand gegen den strengen Lockdown wächst: Hunderte Menschen versammeln sich auf dem Universitätsplatz in Fulda zu einer „Corona-Demo für Grundrechte und Freiheit“. „Die Regierung prescht vor, ändert Gesetze, und niemand weiß, ob diese Änderungen dann zurückgenommen werden“, kritisiert Mitinitiator Alexander Braun. 

Tag 68 (15.05.): Restaurants und Gaststätten dürfen wieder öffnen. „Wirtschaftlich ist die Wiedereröffnung alles andere als rentabel. Für mich ist sie allerdings alternativlos“, betont Frank Götte, Inhaber der Windmühle. Allerdings öffnen nicht alle Kneipen. Und: Da sich die Wiedereröffnung wirtschaftlich nicht lohne, erheben viele Gastronomen eine Servicepauschale, die allerdings bei vielen Gästen auf Unverständnis stößt. 

Autokino in Fulda startet

Tag 73 (20.05.): Viele Deutsche planen ihren Urlaub dieses Jahr im Inland. Die Nachfrage nach Unterkünften in der Rhön ist groß. „Wir sind am Freitag und am Montag in der Tourist-Information überrannt worden“, sagt der Hilderser Bürgermeister Hubert Blum (SPD). In Fulda startet an diesem Tag das Autokino. 

Tag 85 (02.06): Kindergärten öffnen wieder. Die Gruppen sind aber nur halb so groß wie vor der Corona-Pandemie. Deshalb kann nicht jedes Kita-Kind an jedem Tag betreut werden. Doch für Eltern, die seit Beginn der Pandemie ihre Kinder betreuen mussten, immerhin ein Stück Entlastung.

Schützenfest in Fulda abgesagt, Rosenbad will wieder öffnen

Tag 89 (06.06.): Wieder Anlass zur Sorge? Deutschlandweit steht der Landkreis Fulda bei den Neuinfektionen binnen sieben Tagen (Inzidenzrate) auf Platz 13 unter den 400 Kreisen. „Der Großteil der Infektionen ist im Zusammenhang mit Freizeitaktivitäten, mit Feiern im Privaten und familiären Rahmen sowie mit Infektionen am Arbeitsplatz in Verbindung zu bringen“, erklärt eine Sprecherin. 

Tag 95 (12.06.): Freibad-Fans können aufatmen: Das Rosenbad in Fulda gibt bekannt, dass es am 22. Juni wieder öffnen wird. Zum Hygienekonzept gehören definierte Zeitfenster (9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr) für den Besuch und ein Online-Ticket-System. Damit sollen die direkten Kontakte reduziert werden. Zwischen den Zeitfenstern wird das Bad jeweils gereinigt und desinfiziert. Es können maximal 500 Gäste eingelassen werden, von denen 220 im Becken sein dürfen. 

Tag 100 (17.06.): Nach der Absage des Schützenfestes in Fulda ist klar: Auch auf Veranstaltungen in der Zukunft wird sich das Virus massiv auswirken. Wie der Hessentag 2021 in Fulda gestaltet wird, ist noch unklar. OB Heiko Wingenfeld (CDU) hat bereits angedeutet, dass wohl mit weniger großen Konzerten geplant werden muss. Für die Gastronomie und Hotellerie sei es bedauerlich, wenn die ganz großen Veranstaltungen ausfallen sollten, betont Steffen Ackermann, Dehoga Kreisvorsitzender. 

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