Aus Angst vor Ansteckung spenden viele Menschen in der Corona-Krise kein Blut mehr.
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Aus Angst vor Ansteckung spenden viele Menschen in der Corona-Krise kein Blut mehr.

„Leben von der Hand in den Mund“

Zu wenig Blutspenden in der Corona-Krise: DRK beklagt Engpass bei Blutkonserven - Lage ist „sehr angespannt“

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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Die Blutkonserven sind aktuell knapp, auch in der Region, berichtet der Deutsche Blutspendedienst. In einer Übersicht beantwortet unsere Zeitung einige Fragen.

Blutspende trotz Coronavirus: Wie ist die Situation in Hessen?

Weil zurzeit viele Operationen nachgeholt werden, die zu Beginn der Corona-Pandemie zurückgestellt worden waren, herrscht ein Engpass bei der Blutversorgung. Als „sehr angespannt“ bezeichnete Eberhard Weck, Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Hessen, die Situation. Die Nachfrage sei sprunghaft gestiegen, das Angebot aber zugleich um etwa zehn Prozent zurückgegangen. Zu Zeiten der Corona-Beschränkungen war die Spendenbereitschaft dem DRK zufolge sehr groß. Dies habe sich seit den Lockerungen und dem heißen Wetter aber geändert.

Blut spenden in Corona-Zeiten: Für wie lange reichen aktuell die Vorräte beim DRK?

Statt für normalerweise etwa vier hat das DRK in Corona-Zeiten Vorräte für eineinhalb bis zwei Tage. Weitere Vorräte aufzubauen sei nicht möglich. „Wir leben zurzeit von der Hand in den Mund“, sagte Weck. Problematisch ist die Haltbarkeit von Blutspenden: So halten sich Blutkonserven etwa 42 Tage, Blutplättchen, die zum Beispiel für Chemotherapie-Patienten benötigt werden, aber nur vier bis fünf Tage. Hoffnung macht ein Radioaufruf bei FFH, auf den sich viele für Spenden anmeldeten.

ist in den Krankenhäusern in der Corona-Pandemie genug Blut vorrätig?

Die Krankenhäuser haben aktuell noch ausreichend Zugriff auf Blutreserven, allerdings unter erschwerten Bedingungen. „Das Klinikum Fulda verfügt seit Jahren über ein striktes internes Blutversorgungsmanagement, das einen sehr sparsamen Umgang mit Blutkonserven sicherstellt“, berichtet eine Sprecherin. „Derzeit verfügen wir über ausreichende Kapazitäten, die innerhalb des festgelegten Mindestbestandes liegen.“ Das bestätigt auch das Herz-Jesu-Krankenhaus. Allerdings würden seit geraumer Zeit in der Corona-Pandemie Bestellungen beim DRK-Blutspendedienst nur reduziert beliefert. „Die Situation ist derzeit angespannt, aber noch nicht kritisch“, sagt die Sprecherin. Man hoffe auf eine wieder steigende Spendenbereitschaft in der Bevölkerung.

Was muss ich wegen Corona beim Blutspenden beachten?

Spenden ist weiterhin möglich, bei den Terminen wird auf das Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln geachtet. Sowohl die Spender als auch das Personal des Blutspendedienstes tragen Mund-Nasen-Schutz. Bei jedem Spender wird an der Aufnahme die Körpertemperatur gemessen. Wer Krankheitssymptome aufweist, sich in den vergangenen vier Wochen in einem Risikogebiet aufgehalten hat oder Kontakt zu Corona-Infizierten oder in Quarantäne befindlichen Personen gestanden hat, darf keine Blutspende abgeben.

Das Blut wird nicht auf das Coronavirus hin untersucht, da eine Übertragung über Blut nicht bekannt ist. Wer Blut spenden will, muss aktuell ohne Begleitpersonen erscheinen, auch eigene Kinder dürfen den DRK-Bereich nicht gemeinsam mit ihren spendenden Eltern betreten. Außerdem muss man sich vorher für einen Termin unter terminreservierung.blutspende.de anmelden.

Video: Wegen Corona: Krankenhäusern geht das Blut aus

Wer darf wie oft Blut spenden?

Jeder gesunde Mensch ab dem 18. bis zum 73. Geburtstag darf in Deutschland Blut spenden. Ein Erstspender darf aber höchstens seinen 68. Geburtstag erreicht haben. Vor Ort entscheidet ein Arzt nach der Anamnese, ob ein Spender in der körperlichen Verfassung für eine Blutspende ist. Abweisungen erfolgen zum Beispiel bei Eisenmangel. Kein Blut spenden dürfen Menschen, die Infektionskrankheiten übertragen können oder mit Menschen in einem Haushalt leben, die an einer Erkrankung wie Aids leiden. Wer frisch operiert, tätowiert oder gepierct wurde, darf erst vier Monate später wieder Blut spenden. Männer dürfen sechs Mal im Jahr spenden, Frauen bis zu vier Mal.

Dürfen Homosexuelle Blut spenden?

Umstrittene Beschränkungen beim Blutspenden für homosexuelle Männer sollen überprüft werden. Für den 3. November ist dafür eine erste vorbereitende Sitzung der zuständigen Arbeitsgruppe vorgesehen, wie das Bundesgesundheitsministerium auf eine Frage des FDP-Abgeordneten Jens Brandenburg antwortete. Konkret geht es um eine Neubewertung der Vorgabe, dass Männer zwölf Monate nach dem letzten Sexualverkehr mit Männern von Blutspenden zurückgestellt werden. Geprüft werden soll nun, diese Frist auf vier Monate zu verkürzen. Dies sei laut Brandenburg ein Schritt in die richtige Richtung, aber immer noch ein diskriminierendes Pauschalurteil.

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