Wegen Reisewarnungen stellen sich Fernreisen weiterhin schwierig dar. Alternativen bieten deutsche Urlaubsgebiete wie die Ostseeinsel Usedom.
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Wegen Reisewarnungen stellen sich Fernreisen weiterhin schwierig dar. Alternativen bieten deutsche Urlaubsgebiete wie die Ostseeinsel Usedom.

Ein Plädoyer für Reisen in Corona-Zeiten

Reisewelt Neuhof-Geschäftsführer Dennis Krug: „Es gibt keine Verpflichtung, einen Urlaub zu stornieren“

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Vor den Herbstferien in Hessen hat die Bundesregierung mit Belgien ein weiteres Nachbarland komplett zum Corona-Risikogebiet erklärt. Die möglichen Urlaubsziele im Ausland schwinden weiter. 

Berlin - Die Bundesregierung hat Belgien, Island und einzelne Regionen in neun weiteren europäischen Ländern wegen steigender Infektionszahlen zu Corona-Risikogebieten erklärt. Das Robert Koch-Institut aktualisierte seine Risikoliste, auf der nun mit Wales und Nordirland auch Gebiete Großbritanniens stehen. In Frankreich kamen die Regionen Pays de la Loire und Burgund hinzu.

In Belgien wurde zuletzt nur die Hauptstadt Brüssel als Risikogebiet geführt. Die Ausweitung auf das ganze Land betrifft auch Grenzregionen zu Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Außerdem kamen Regionen in Litauen, Estland, Irland, Kroatien, Slowenien, Ungarn und Rumänien hinzu.

Reisewelt Neuhof-Geschäftsführer Dennis Krug mit Plädoyer für Reisen in Zeiten von Corona

Der Geschäftsführer der Reisewelt Neuhof, Dennis Krug, spricht sich für Reisen in Zeiten von Corona aus.

Die regionale Stimme

„Viele Leute wissen nicht, welche Art Urlaub sie versäumen. So leer und idyllisch werden sie viele Hotspots – wie die kroatischen Nationalparks – wohl nicht mehr erleben können. Wo sonst hunderte Menschen stehen und fotografieren, waren wir ganz allein“, spricht Dennis Krug ein Plädoyer für Reisen in Zeiten von Corona. Der Geschäftsführer der Reisewelt Neuhof greift auf seine Erfahrung aus dem Urlaub im September in der kroatischen Provinz Šibenik-Knin zurück, die als Risikogebiet eingestuft war und für die eine Reisewarnung galt.

„Es gibt keine gesetzliche oder moralische Verpflichtung deswegen einen Urlaub zu stornieren. Šibenik-Knin hatte zum Reisezeitpunkt aktive Fälle im sehr niedrigen zweistelligen Bereich. Man kann objektiv eine solche Reisewarnung nicht mehr mit einer vor einem Jahr vergleichen. Damals wurden sie vor allem bei Krieg, Terror oder Naturkatastrophen ausgesprochen“, betont Krug. Verbunden mit der Rückkehr aus einem Risikogebiet ist eine vorbeugende Quarantäne: „Wir sind direkt zum Test und hatten 30 Stunden später das Ergebnis. Das funktioniert sehr gut.“

„Die Leute reisen auf jeden Fall. Bei uns sind auch einige Flugreisen unterwegs. Das Thema Corona wird uns noch relativ lange verfolgen.“ Große Veranstalter wie alltours, FTI und TUI seien dazu übergegangen, bei Reisewarnungen nicht mehr generell zu stornieren, sondern die Entscheidung dem Kunden zu überlassen: „Man sollte die Entwicklung in seiner Urlaubsregion beobachten und Rücksprache mit seinem Reisebüro oder dem Reiseveranstalter halten. Die Lage ist aktuell sehr dynamisch.“

Auch Busreisen würden von den Kunden angenommen. Die Maskenpflicht entfalle, sofern die Abstände eingehalten werden können und „mit dem Hygienekonzept funktioniert das viel besser als gedacht“.

Für alle Risikogebiete sprach das Auswärtige Amt Reisewarnungen für Touristen aus, die pauschale Reisewarnung für mehr als 160 Länder außerhalb der EU und des Schengen-Raums aufgehoben. Damit wird nun jedes Land der Welt einzeln bewertet.

Lesen Sie hier: Unsere Redakteurin Daniel Petersen war in Corona-Zeiten für Sie auf Reisen. Sie besuchte unter anderem Mallorca, Zypern und auch regional die Volkacher Mainschleife.

Wer glaubt, dass damit Fernreisen einfacher werden, täuscht sich. Der Grund:Eine Reisewarnung gilt aktuell für 123 Länder. Für etwa 50 weitere Länder wird von Reisen abgeraten, weil dort noch Einreisebeschränkungen oder eine Ausreisesperre in die EU gelten. Das gilt etwa für Thailand, wo es kaum Corona-Infektionen gibt, aber ausländische Touristen auch draußen bleiben müssen.

Unter dem Strich bleiben nicht viele Länder übrig. So sind in der EU nur noch neun Länder ganz ohne Risikogebiet. Immerhin sind beliebte Urlaubsziele dabei: Italien, Griechenland, Zypern und Malta. Außerhalb Europas sind es nur Georgien und Tunesien. Zudem gibt es für die türkischen Urlaubsgebiete am Mittelmeer eine Ausnahmeregelung.

Als weitere Alternativen bieten sich zahlreiche inländische Urlaubsziele zwischen Allgäu und Usedom an. Waren diese in den Sommermonaten zum Teil überlaufen, hat sich dies in den vergangenen Wochen deutlich verändert.

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