Wenn er in Debatten um Corona-Maßnahmen verwickelt wird, zückt Manfred Hohmann aus Hilders ein Glas mit Smarties.
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Wenn er in Debatten um Corona-Maßnahmen verwickelt wird, zückt Manfred Hohmann aus Hilders ein Glas mit Smarties.

Streit um Coronavirus-Maßnahmen

Ex-Covid-19-Patient Manfred Hohmann ist wütend – „Das Virus ist nicht harmlos“

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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„Das Coronavirus ist nicht harmlos“, sagt Manfred Hohmann. Wenn sich eine Diskussion um die Corona-Maßnahmen im Kampf gegen das Virus entwickelt, dann argumentiert der Friseurmeister aus Hilders mit Hilfe von bunten Schokolinsen.

  • Manfred Hohmann erkrankte schwer am Coronavirus. Er wurde 60 Tage auf der Intensivstation des Klinikums künstlich beatmet
  • Der 62-Jährige empört sich, wenn er hört, dass Covid-19 so eingestuft werden müsse wie eine normale Grippe.
  • Er sagt: „Lieber einen Lappen vor dem Mund im Laden als mit einem Zettel am Zeh auf einer Bahre im Kühlraum eines Krankenhauses.“

Hilders - Der Hilderser hat eine schwere Infektion mit dem Corona-Virus hinter sich, 68 Tage lag er auf der Intensivstation des Klinikums Fulda. Wenn in Diskussionen jetzt gefordert wird, der Staat müsse bei seinen Maßnahmen Covid-19 so behandeln wie eine Grippe, dann platzt ihm der Kragen.

Ex-Covid-19-Patient regt sich über Corona-Debatte auf – „Arroganz macht mich traurig“

„Wenn Menschen nicht bereit sind, Menschenleben zu retten, indem sie beim Einkauf oder beim Frisör einen Mundschutz zu tragen, dann ist das menschenverachtend.“ Dem setzt er entgegen: „Lieber einen Lappen vor dem Mund im Laden als mit einem Zettel am Zeh auf einer Bahre im Kühlraum eines Krankenhauses.“

Mit seinem Schokolinsen-Glas will er demonstrieren: Viele Kritiker der staatlichen Eingriffe halten eine Corona-Infektion für harmlos – harmlos wie eine Grippe. Deshalb seien aus deren Sicht behördliche Eingriffe wie die Pflicht zum Tragen des Mundschutzes übertrieben.

Doch das Virus sei nicht harmlos: Drei bis vier Prozent der Corona-Patienten in Deutschland sterben an ihm. Dafür stehen die tödlichen Smarties. Jeder fünfte Patient, der im Frühjahr mit dem Coronavirus in ein deutsches Krankenhaus kam, sei gestorben. Viele Corona-Patienten seien ihr Leben lang durch das Virus eingeschränkt – etwa weil sie Finger oder Füße verloren.

„Für mich ist es unfassbar: Kritiker wehren sich gegen harmlose Einschränkungen, obwohl sie damit Menschen in ihrer Umgebung – vielleicht einen Nachbarn, vielleicht einen Familienangehörigen – vor einer Corona-Infektion bewahren können. Am Anfang hat mich diese Diskussion wütend gemacht. Jetzt macht mich so viel Arroganz nur noch traurig.“

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So zivilisiert und gebildet, wie sich viele Menschen gebärdeten, seien sie gar nicht. Er frage sich, ob die Demonstranten, die gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße gehen, lieber Zustände wie in den USA oder Brasilien hätten. „Wer immer noch meint, die Corona-Maßnahmen des Staates seien übertrieben, der sollte sich auf einer Intensivstation die Menschen anschauen, die um ihre Gesundheit und ihr Leben kämpfen.“

Manfred Hohmann wurde auf der Intensivstation des Klinikums 60 Tage künstlich beatmet, lag 23 Tage im künstlichen Koma. Am 26. März war er mit hohem Fieber und starkem Husten in die Helios Klinik in Hünfeld eingeliefert und dann gleich nach Fulda überstellt worden.

Als Mann über 60 mit Übergewicht, Vorerkrankungen und Blutgruppe A wies er gleich fünf Risikofaktoren auf. Auch deshalb war an manchen Tagen offen, ob er überlebt oder nicht. 

Nach einer Reha ist er wieder auf dem Damm. Seit zwei Wochen kann er wieder Haare schneiden. „Aber ich brauche mehr Pausen als früher.“ Wo er sich ansteckte, das weiß er bis heute nicht. Aber es ist ihm auch nicht wichtig: „Wenn wir uns vernünftig verhalten, haben wir es in der Hand, Infektionen zu verhindern.“

Der Fuldaer Immunologe Prof. Dr. Peter M. Kern warnt übrigens vor einer zweiten Corona-Welle und stellt fest: „Offenbar sind wir bereit, eine gewisse Todesrate zu akzeptieren“. Zuletzt hatte auch Prof. Dr. Philipp Markart, Direktor der Pneumologie am Klinikum Fulda, klare Worte gefunden. Der Arzt aus Fulda gab eine erschütternde Prognose zum Coronavirus ab und sagte: „Das Virus ist unberechenbar.“

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