Viele Menschen auf der Tanzfläche des Fuldaer S-Clubs
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Vor der Corona-Krise war im S-Club jedes Wochenende viel los.

Coronavirus vs. Partyszene

Fuldaer S-Club: „Wir kommen wieder, keine Frage!“

  • Bernd Loskant
    vonBernd Loskant
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Während Deutschland aus dem Lockdown erwacht, steht in Clubs und Diskos weiter alles still. Denn für das Virus sind Gäste dort leichte Beute. Viele Betreiber bangen um die Existenz, doch aufgeben will niemand. Es gibt Ideen, die Krise zu überstehen. Der Fuldaer S-Club plant bereits für 2021.

  • Die Fuldas Partyszene ist mit dem S-Club Fulda und anderen Clubs stark von der Corona-Krise betroffen
  • Die Betreiber haben Kurzarbeitergeld anmelden müssen, um die Existenz den Clubs zu sichern
  • Dennoch richtete der S-Club den Blick nach vorne und plant bereits für das Jahr 2021

Fulda - Samstag, 7. März: Im S-Club, Fuldas Treffpunkt für feierwütige Youngsters, läuft die regelmäßige Partyreihe mit dem Namen „Nachtresidenz“. Unter einem monströsen Kronleuchter und viel buntem Licht zappelt eine Hundertschaft junger Leute im Takt angesagter House-Beats. Es wird für längere Zeit die letzte Party in Fuldas erfolgreichstem Club sein.

Einige Tage später, noch vor dem offiziell angeordneten Lockdown, entscheiden die Betreiber Jens-Ole Bolik und Clemens Neidert, die für den 14. März geplante, bereits ausverkaufte „Nightwash“-Comedyshow abzusagen. „Wir haben gespürt, dass da was Schlimmes auf uns zukommt“, sagt Neidert. „Zum Schutz unserer Mitarbeiter und Gäste haben wir sofort reagiert.“

Zu diesem Zeitpunkt glauben die beiden Gastronomen aber noch, das Virus werde schnell übers Land hinwegziehen. In einem Facebook-Eintrag vom 13. März heißt es: „Der S-Club bleibt bis Ende März 2020 geschlossen.“

Coronavirus verbreitet sich in Clubs schnell

Der abgesagte Comedy-Abend wird auf Juni verlegt. „In unserem Worst-Case-Szenario gingen wir davon aus, dass es Ende August wird, bis wir wieder starten können“, sagen die beiden. Jetzt ist für die Comedy-Veranstaltung ein Abend im Mai des Jahres 2021 anvisiert – vorläufig. Denn ob der S-Club bis dahin wieder geöffnet ist, kann niemand vorhersagen.

Die Clubs waren die ersten, die ihre Tore schlossen, als das Virus ausbrach – und sie werden wohl die letzten sein, die öffnen, wenn aus der globalen Pandemie eine beherrschbare Grippe geworden ist. Bolik sagt: „Realistischerweise müssen wir davon ausgehen, dass die Clubs, so wie sie waren, erst wieder öffnen können, wenn es einen Impfstoff gibt.“

Vollstes Verständnis für Corona-Maßnahmen

Denn gerade in Clubs und Diskos findet das Coronavirus perfekte Bedingungen für eine schnelle Verbreitung. Es ist eng, man schwitzt, schreit einander ins Ohr: „Das ist genau dieses Szenario, bei denen es in anderen Ländern bereits zu massenhaften Ansteckungen gekommen ist. Das sind die Viren-Hotspots“, sagte kürzlich der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Eine Einschätzung, die Neidert und Bolik uneingeschränkt teilen: „Unser Geschäftsmodell besteht darin, dass wir Menschen eng zusammenbringen, nicht auf Abstand halten“, sagt Neidert. Sein Geschäftspartner ergänzt: „Bei uns wird gefeiert, getrunken, geflirtet, geschwitzt. Selbst wenn es Regeln gäbe, unter denen wir wieder öffnen dürften, könnten wir nicht garantieren, dass unsere jungen Gäste diese auch einhalten.“ Insofern habe man auch für die von den politischen Entscheidungsträgern angeordneten rigiden Maßnahmen vollstes Verständnis.

Einzige Option für den S-Club Fulda: Kurzarbeit anmelden

Von Hundert Veranstaltungen im Jahr mit Zehntausenden Gästen also auf Null. Und null Einnahmen. Sofort muss gehandelt werden: 45 Mitarbeiter gehen in Kurzarbeit oder werden als geringfügig Beschäftigte erstmal abgemeldet. Soforthilfe wird beantragt, Darlehen werden aufgenommen, Steuervorauszahlungen zurückgefordert. Auch im Privaten kommt so einiges auf den Prüfstand, der Urlaub sowieso.

Wie lange es dauert, bis es im S-Club wieder voll wird, weiß aktuell niemand.

Auch die Altersvorsorge wird ausgesetzt. Als selbstständige Unternehmer profitieren Bolik und Neidert von Kurzarbeitergeld und anderen Hilfen nicht, ihr Einkommen ist jetzt auch null. „Es geht um die nackte Existenz, da bekommst du es mit der Angst zu tun, wenn du realisierst, dass dies wohl bis mindestens Jahresende so bleiben wird“, so Neidert.

Betreiber freuen sich aufs Partymachen nach der Corona-Krise

Einen fünfstelligen Betrag verschlingt der S-Club Monat für Monat, die Fixkosten bleiben auch, wenn die Tore des 500 Quadratmeter großen Clubs im Fuldaer Von-Schildeck-Center geschlossen sind. Immerhin: Ein Teil der Miete wird gestundet. „Da haben wir Glück mit unserem Vermieter, der uns seit 15 Jahren ein fairer Partner ist“, sagt Neidert.

Bei allem Ernst der Lage für ihr Unternehmen bleiben die beiden Club-Betreiber optimistisch: „Wir werden durchhalten – egal wie“, so Bolik, der sich sicher ist: „Auch nach der Krise wird es wieder einen Bedarf geben. Junge Leute, die zum ersten Mal weggehen und Party machen wollen, wird es immer geben. Und genau für diese Leute ist ja der S-Club gemacht.“ Neidert verabschiedet sich mit den Worten, frei nach Paulchen Panther: „Wir kommen wieder, keine Frage!“

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