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Coronavirus: Gift für die regionale Wirtschaftskonjunktur in Osthessen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Fallende Börsen, Ausfälle im Flug-, Bahn- und Schiffsverkehr, Produktionsausfälle, Verschiebungen von Kongressen, Messen und Großveranstaltungen sowie Ex- und Importbeschränkungen – die Corona-Epidemie trifft die deutsche Wirtschaft massiv. Auch in Osthessen.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

„Die nachlassende Konjunktur und die Auswirkungen des Coronavirus treffen die Wirtschaft auch in unserer Region gleichzeitig – und verstärken sich gegenseitig. Nahezu alle Branchen sind betroffen“, berichtet Stefan Schunck, Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda. 50 Prozent der befragten Unternehmen im Kreis erwarten einen Umsatzrückgang.

Konkrete Auswirkungen auf die Geschäfte verspüren bereits mehr als die Hälfte. „Diese betreffen Absagen von Messen und Veranstaltungen, Reiseeinschränkungen und rückläufige Nachfrage nach Produkten und angebotenen Dienstleistungen. Aufgrund der engen Produktionsverflechtungen sind Automobilzulieferer besonders betroffen, die einerseits den rückläufigen Absatz von Kraftfahrzeugen in China und anderen asiatischen Ländern spüren und zum anderen Vorprodukte nicht mehr bekommen.“

Inlandsreisen nur mit dem Auto

Zu den Unternehmen mit starker China-Präsenz gehört JUMO. In ihrer chinesischen Tochtergesellschaft in Dalian – 1500 Kilometer von Wuhan entfernt – gibt es aktuell keine Infektionen, berichtet Unternehmer Bernhard Juchheim.

Zur Vorsicht wird dennoch bei jedem Mitarbeiter zweimal am Tag die Temperatur gemessen. JUMO hat alle Dienstreisen von und nach Asien ausgesetzt und alle internen Schulungen mit ausländischen Kollegen vorerst abgesagt. Zwei für März geplante Großveranstaltungen in Fulda mit Gästen aus allen Tochtergesellschaften wurden ebenfalls abgesagt.

Inlandsreisen dürfen nur mit dem Pkw erfolgen. Waren, die per Luftfracht aus China kommen, behandelt JUMO gesondert. „Die Liefersituation aus China verschärft sich bereits seit einigen Wochen – vor allem wegen der Transportsituation. Allerdings ist die Geschäftstätigkeit der JUMO derzeit nicht eingeschränkt“, betont Juchheim.

Digitale Medien für Kommunikation

Auch FFT hat alle geschäftlichen Reisen nach China gestoppt, berichtet Geschäftsführer Manfred Hahl. Er selbst reist eigentlich alle sechs bis acht Wochen nach China. „Aktuell nutzen wir die digitalen Medien für die Kommunikation“, berichtet Hahl. Die Produktionen in China hätten während der Corona-Krise für zweieinhalb Wochen stillgestanden, nun laufen sie beispielsweise bei VW und BMW wieder an. Aber noch nicht überall zu hundert Prozent.

„Die EDAG Group ist als Entwicklungsunternehmen per se nicht von den aktuell auftretenden Unterbrechungen von Lieferketten betroffen“, sagt Christoph Horvath, Sprecher der EDAG Group. Dennoch verspüre EDAG aktuell auch unmittelbare negative wirtschaftliche Konsequenzen, insbesondere bei deren Tochtergesellschaft in China mit circa 330 Mitarbeitern vor Ort.

Das Problem: Unsicherheit der Situation

„Hier ist aufgrund der angeordneten Quarantänen nur ein Teil der Mannschaft am Start, so dass die Produktivitätszahlen im Februar niedrig waren und naturgemäß zu lokalen Umsatzeinbußen führen. Wir hoffen, dass wir im Laufe des Monats März auch an unserem Standort in China wieder zur Normalität kommen.“ EDAG hat Geschäftsreisen von und nach China, Korea und in die betroffenen Regionen in Italien ausgesetzt und durch Webex/Videokonferenzen ersetzt.

„Es ist noch zu früh, die Folgen der Pandemie auch nur zu skizzieren. Es könnte sein, dass derzeit vieles aufgebauscht wird, was sich im Nachhinein als übertrieben herausstellt. Doch das wissen wir in Ansätzen erst im Juni, wenn die nächste IHK-Konjunkturumfrage belastbare Einschätzungen liefern kann“, sagt Dr. Achim Knips, Abteilungsleiter der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern.

Ein großes Problem sei die Unsicherheit der aktuellen Situation. Die Unternehmen seien insgesamt vorsichtig zuversichtlich über eine baldige Geschäftserholung.

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