Abstriche von Patienten mit Coronaverdacht nimmt Ralph Hönscher nur mit voller Schutzausrüstung.
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Abstriche von Patienten mit Coronaverdacht nimmt Ralph Hönscher nur mit voller Schutzausrüstung.

Mehr Impfstoff bestellt

Steigende Corona-Zahlen und beginnende Grippesaison: Hausärzte wappnen sich vor Ansturm – und stellen Heizpilze auf

  • Volker Nies
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Die Corona-Infektionszahlen steigen, und nun beginnt die Erkältungs- und Grippesaison: Auf Osthessens Hausärzte kommt jetzt vor dem Ansturm besonders viel Arbeit zu. Die Praxen müssen ihre Arbeit noch akribischer organisieren, um Personal und Patienten zu schützen.

Fulda - Schon vor der Eingangstür zur Praxis von Hausarzt Ralph Hönscher (46) in Petersberg wird der Besucher begrüßt – von einem mannshohen Pappkameraden mit einem großen roten Schild: „Bei Erkältungssymptomen wie Husten, Halsweh, Schnupfen usw. nicht die Praxis betreten! Vorher telefonisch anmelden“, fordert der Mann aus Pappe in der Coronavirus-Pandemie.

Coronavirus: Hausärzte bereiten sich vor Grippesaison auf Ansturm vor

„Fast alle Patienten halten sich an diese Bitte“, berichtet Hönscher. Der Hausarzt ist Vorsitzender des Ärzteverbunds „Gesundheitsnetz Osthessen“ (GNO). Mit Hilfe der telefonischen Anmeldung will Hönschers Praxis die Patienten in Corona-Zeiten noch besser voneinander trennen.

Das Wartezimmer bleibt deshalb meist leer. Damit Besucher in der kalten Jahreszeit notfalls problemlos auch vor der Tür warten können, will Hönscher dort zwei Heizpilze aufstellen lassen. Eine Praxis in Fulda hat für ihre Patienten während der Corona-Krise ein Zelt vor der Praxis aufgestellt. 

Bei der telefonischen Anmeldung werden die Patienten genau nach ihren Symptomen gefragt. Kranke, bei denen der Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion besteht, bekommen einen Termin in der Infektsprechstunde. Eine solche Sprechstunde bieten mittlerweile viele Hausärzte in der Region an.

Patienten mit Grippe- oder Erkältungssymptomen – die oft wie Hinweise auf eine Erkrankung mit dem Coronavirus aussehen – werden in eigenen Sprechstunden behandelt, vor und während denen sie im Idealfall keinem anderen Patienten begegnen.

Coronavirus: Schutzhandschuhe werden bei einigen Ärzten knapp

Generell gilt in hessischen Arztpraxen Maskenpflicht, an die sich Angestellten von Hönschers Praxis penibel halten. Mitarbeiter mit Patientenkontakt tragen eine FFP2-Maske und ein Plastikschild vor dem Gesicht. „Für meine Mitarbeiter, meine Patienten und mich selbst ist es wichtig, jede mögliche Schutzmöglichkeit zu nutzen“, sagt Hönscher

Diese Vorsicht sei schon deshalb notwendig, weil auch Patienten ohne Corona-Symptome doch den Coronavirus in sich trügen: „Wir hatten schon Patienten, die mit Bauch- oder Rückenschmerzen kamen, bei denen sich dann aber zeigte, dass sie das Corona-Virus in sich hatten.“ 

Video: Corona oder nur erkältet: Wie unterscheidet man die Symptome?

In Hönschers Infektsprechstunden tragen der Arzt und seine Helferinnen besondere Schutzkleidung: „Ich untersuche jeden Grippepatienten so, als wäre er ein Coronapatient“, sagt Hönscher. Weil viele Ärzte ähnlich verfahren, sind Schutzhandschuhe knapp geworden. Hönscher berichtet, dass er die Symptome jetzt noch genauer prüfe als früher.

„Dort, wo sich ein Corona-Verdacht ergibt, nehmen wir einen Abstrich im Rachen – mit Visier und Schutzanzug.“  Viele Praxen verfahren ähnlich. „Kollegen, bei denen das Abstrich-Nehmen nicht in die Abläufe passt, schicken Corona-Verdachtsfälle in eine Schwerpunktpraxis. Dort liegen die Befunde oft auch schneller vor“, sagt Hönscher. Auch offenkundig schwere Fälle werden von den Hausärzten in der Regel schnell in eine Schwerpunktpraxis geschickt.

„Dank der Vernetzung über das Gesundheitsnetz klappt die Überweisung schnell und problemlos“, sagt Hönscher. Insgesamt haben die Hausärzte jetzt in der Coronavirus-Pandemie etwas mehr zu tun als im Vorjahr – was auch daran liegt, dass sich deutlich mehr Menschen gegen Grippe impfen lassen.

Die Impfung wird insbesondere Menschen über 60, Schwangeren, chronisch Kranken und Beschäftigten in Gesundheitsberufen empfohlen. „Es kommen jetzt mehr Menschen zur Impfung als in den Vorjahren, weil das Gesundheitsbewusstsein gewachsen ist. Die osthessischen Ärzte haben deshalb auch deutlich mehr Grippe-Impfstoff bestellt“, erläutert Hönscher.

Für die Impfung gibt es ebenfalls spezielle Sprechstunden, um die Patientenströme voneinander zu trennen. Auch hier sendet Hönscher das Signal: Wenn man noch genauer plant und sich alle Beteiligten an die Hygieneregeln halten, ist auch dieser Ansturm zu bewältigen.

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