Symbolabbildung der App
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Mit der App MyBodyPass lassen sich Infektionsketten innerhalb einer Gruppe von Menschen zurückverfolgen.

In Osthessen entwickelt

Coronavirus: Infektionsketten per App datenschutzsicher zurückverfolgen

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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MyBodyPass ist eine Corona-App aus Osthessen, die Infektionsketten zurückverfolgt, Kunden und Besucher zählt, um Zutritte zu regulieren, und den Fokus auf den Datenschutz legt. All diese Informationen können zudem ohne mobiles Endgerät erfasst werden, weshalb sich das Programm auch für Kitas eignet.

Die Idee

Die Initiatoren Daniel Auerbach (Eichenzell, Geschäftsführer der Firma A & S Engineering), Dr. Bernd Hölper (Künzell) und Dr. Michael Eichler (Fulda, beide Neurochirurg) haben bereits zusammen den sogenannten Implantatenpass entwickelt, der zur Verbesserung der Patientensicherheit beim Einsatz von Implantaten dient. „Uns ist aufgefallen, dass wir viele Ideen und Algorithmen für eine Corona-App verwenden können“, erklärt Hölper. Das Team hat daraufhin weitere Bausteine in die vorhandenen Strukturen eingebaut und schließlich die MyBodyPass-App entwickelt. Ein Patent für die Idee ist bereits eingereicht.

Was kann die App?

Der MyBodyPass stellt fest, ob eine Person mit einer anderen im selben Geschäft oder einem Raum zusammen war, bei der darauffolgend das Coronavirus festgestellt wurde. Zudem kann mit der App gemessen werden, wie viele Kunden sich in einem Supermarkt oder in einem Geschäft aufhalten. Somit kann der Zugang in den Laden reguliert werden. Der Vorteil der App laut Entwickler: Die Übermittlung der Daten ist komplett sicher. Auch können Gastronomen und Friseure benötigte Daten wie Name und Adresse der Kunden über die MyBodyPass-App datenschutzssicher sammeln.

Brauche ich ein Handy?

Nein! Auch ohne Handy und nur mit Hilfe einer QR-Card im Wert von zwei Euro kann jeder helfen, Infektionsketten zu erkennen und die Weiterverbreitung des Virus zu stoppen. Wer nur die Karte hat, hält diese zum kurzen Scan an die aufgestellten Tablets. Über die Webseite kann man sich mit der Karte registrieren. Sollte sich eine Person mit einem Infizierten im gleichen Laden aufgehalten haben, wird diese per Mail informiert. Hat der Kunde Ware gekauft oder eine Dienstleistung in Anspruch genommen, kann die Karte wie eine Parkkarte in einigen Läden mit dem Einkauf verrechnet werden.

Wie funktioniert die App?

Herzstück der Software und App sind QR-Codes und Tablets, die zum Beispiel in Geschäften aufgehängt beziehungsweise aufgestellt werden. Wer als Kunde ein Geschäft betritt, meldet sich über den QR-Code oder über das Tablet an und beim Verlassen wieder ab. So kann der Ladenbesitzer auch feststellen, ob noch Kunden wegen der Zugangsbeschränkung das Geschäft betreten können. Wer die App auf dem Handy hat, kann mit seinem Gerät einfach den am Geschäft hängenden QR-Code einscannen

Unterschiede zur BUNDES-APP

„Wir wollen keine Konkurrenz zur Bundes-App sein. Was diese kann, müssen wir nicht kopieren“, betont Hölper, der von einer Ergänzung spricht. Der Schwerpunkt bei der MyBodyPass-App liege auf dem Datenschutz, der Personenzahl in einem Raum und das Arbeiten ohne mobiles Endgerät. Bei der App vom Robert-Koch-Institut verbinden sich nämlich Smartphones per Bluetooth und geben im Nachhinein Auskunft, ob sich der Nutzer in der Nähe eines Infizierten aufgehalten hat.

Was ist, wenn jemand infiziert ist?

Alle Nutzer werden per Push-Nachricht über das Handy oder per Mail gewarnt, wenn sich später herausstellt, dass zeitgleich jemand im Laden war, der positiv auf Corona getestet wurde. Somit können Infektionsketten verfolgt und unterbrochen werden. „Die Daten bleiben aber alle anonym, sodass der Name des Infizierten nicht publik gemacht wird und er deswegen keine Nachteile hat“, erläutert der Neurochirurg Hölper. Nach Angaben Hölpers ist es allerdings kein Grund, sich sofort testen zu lassen, sollte sich ein Infizierter im selben Raum aufgehalten haben. „Ist dies der Fall, sollte man sich beim Gesundheitsamt melden und muss dessen Anweisungen abwarten“, sagt er.

Sind meine Daten sicher?

Kein Dritter erfährt, wo sich der Nutzer aufgehalten hat. Die Teilnehmer bleiben auf Wunsch anonym. Die gesammelten Daten werden 14 Tage auf einem in Deutschland laufenden Server anonym aufbewahrt und danach gelöscht.

Potenzial des Programms

„Die datenschutzsichere Übermittlung von Daten, die wir gewährleisten können, wird ein bundesweites Thema werden. Auch ist das Erfassen von Infektionsketten ohne mobile Endgeräte ein sehr interessantes Thema mit Blick auf Kinder und Senioren“, betont Hölper.

MyBodyPass in ...

Kitas

Die Eltern können den QR-Code der MyBodyPass-Card ihres Kindes in der App einlesen und so einen Verbund mit anderen Kita-Kindern anlegen. Hierüber ist es möglich, den Eltern eine Statusmeldung für ihr Kind zu senden. Mit der QR-Card checkt sich jedes Kind täglich in die eigene Gruppe ein. Dadurch bilden die Kinder zusammen einen Verbund. Wird in der Gruppe eine Corona-Infektion festgestellt, werden alle anderen Kinder, der Familienverbund sowie die Betreuerinnen informiert.

Der Gastronomie und beim Friseur

„Ein großes Problem in der Gastronomie und bei Friseuren ist aktuell, die Daten der Kunden datenschutzsicher zu archivieren“, betont Hölper. Mit Hilfe der App können Daten verschlüsselt an den Gastronom oder Friseur übertragen werden. Sollte das Gesundheitsamt im Nachhinein Daten von Kunden wegen einer infizierten Person brauchen, können die Daten von MyBodyPass wieder entschlüsselt werden.

Geschäfte

Oft ist für den Inhaber entscheidend, wie viele Personen sich im Laden befinden und ob weitere diesen betreten dürfen. „Dies kann durch das Ein- und Ausloggen mit Hilfe der App oder der QR-Card reguliert werden“, sagt Hölper. „Sollte der Laden mehrere Eingänge haben, können die Tabletts und die Software über das W-Lan verbunden werden, sodass die Kundenzahl an allen Eingängen reguliert werden kann“, erklärt Hölper. Eine Erfassung per Lichtschranke ist in Vorbereitung.

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