Peter Kinold (links) ist Messeveranstalter. Die Trend-Messe sollte im März 2020 im Zelt auf Fulda-Galerie stattfinden, fiel aber der Corona-Krise zum Opfer.
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Peter Kinold ist Messeveranstalter. Wegen der Corona-Krise musste er Insolvenz anmelden.

Nach insolvenz

Trend-Messe-Organisator Peter Kinold ist fassungslos

Jahrzehntelang hat Peter Kinold (61) aus Lindau mit Erfolg regionale Messen organisiert, darunter seit acht Jahren die trend-messe Fulda. Wegen der Corona-Pandemie musste er im März Messen in Fulda und Passau absagen. Jetzt ist seine Messegesellschaft insolvent. Hilfe des Staates für ihn und andere Messechefs gibt es nicht.

„Ich bin ein treuer Staatsbürger. Aber jetzt bin ich fassungslos“, sagt Kinold. „Staatliche Stellen sagen mir, dass ich Messen absagen muss. Aber mit den Folgen lässt der Staat mich absolut allein.“

Weil er mit der Frage nach finanzieller Hilfe in den Staatskanzleien Bayerns und Hessens abgeblitzt ist, hat er für seine Messegesellschaft Insolvenz angemeldet. „Aus München gab es gar keine Antwort, aus Wiesbaden bekam ich einen Brief, ich solle mich auf der Homepage des Wirtschaftsministeriums oder meiner zuständigen IHK informieren“, sagt Kinold bitter.

Der Unternehmer ließ einen Anwalt prüfen, ob er die Länder Hessen und Bayern, in denen seine Messen abgesagt wurden, auf Entschädigung verklagen könne. Einen solchen Schadensersatz sieht das Infektionsschutzgesetz im Prinzip vor. „Die Chancen sind gut. Aber meine Rechtsschutzversicherung will die Klage nicht abdecken, und bis eine Entschädigung fließt, vergehen zwei Instanzen und viele Jahre.“

Auch die Hilfsprogramme des Staates helfen ihm nicht. Er bekam eine Soforthilfe von 7500 Euro – aber die muss er zurückzahlen, wenn er es nicht schafft, die Firma durch die Krise zu führen. Ein KfW-Darlehen bekommt Kinold nicht, weil ganz offensichtlich keine positive Fortführungsprognose besteht. „Im Herbst wird es weiter keine Messen geben, und selbst für das Frühjahr 2021 bin ich skeptisch, denn Unternehmen haben jetzt andere Sorgen als eine Messe in zwölf Monaten – von der überdies niemand weiß, ob sie genehmigt würde, und der interessierte Aussteller nicht sicher sein kann, ob es sein Unternehmen dann noch gibt.“

Das Zögern der Aussteller, das hat er schon in den letzten Tagen vor der trend-messe Mitte März gespürt. „Normalerweise sind die Standmiete bezahlt, wenn die Messe losgeht. Diesmal waren drei Tage vor der Messe mehr als 100 000 Euro Standmiete offen – von guten Partnern, die sonst immer pünktlich bezahlten.“

Haben Aussteller Anspruch auf Rückzahlung?

Drei Tage vor dem Start musste Kinold auf dringende Empfehlung des Landkreises die Messe absagen. Insgesamt fehlten ihm 700.000 Euro an Einnahmen, während er die Ausgaben für die Messe zu 95 Prozent schon beglichen hatte – vom Zeltaufbau über die Plakatierung bis zu den Löhnen in den zehn Monaten Vorbereitung.

Zu den ungeklärten Fragen gehört, ob die knapp 300 Aussteller in Fulda einen Anspruch auf die Rückzahlung ihrer Standmieten haben. „Ich weiß, dass der Verlust der Standmiete einige kleine Aussteller hart getroffen hat“, sagt Kinold. Praktisch sei die Rückzahlung unmöglich, weil er die Mieten schon für die Organisation ausgegeben hat und sich sein Unternehmen jetzt in der Insolvenz befindet.

Noch nie Messe-Absagen wegen Pandemie

Juristisch sei die Frage völlig offen. „Es gibt drei Rechtsauffassungen: Der erste Jurist sagt, der Aussteller habe Anspruch auf die komplette Standmiete; der zweite Jurist sagt, von diesem Anspruch müsse man anteilig die Beträge abziehen, die für die Organisation schon ausgegeben wurden; der dritte Jurist sagt, es gebe keinen Anspruch, weil eine Viruspandemie wie höhere Gewalt anzusehen sei.“

Ein höchstrichterliches Urteil gebe es noch nicht, weil es noch nie Messeabsagen wegen einer Pandemie gab. Müsste er alle Standmieten erstatten, würde ihn das amtlich angeordnete Messe-Aus in Fulda und Passau in Summe 2,2 Millionen Euro kosten.

Wirtschaftlicher Totalschaden

Angesichts der finanziellen Lage seines Unternehmens und der düsteren Aussichten für Regionalmessen habe er Insolvenz anmelden müssen. „Dabei verliere ich privat die 500 000 Euro, die ich in den vergangenen Jahren in die Firma investiert habe.“ Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens bekomme er nun weder Insolvenzausfallgeld noch Arbeitslosengeld. Seine Frau Birgit Kinold (55), angestellte Geschäftsführerin, erhält immerhin Arbeitslosengeld.

Was ihn tröstet, auch wenn es keinen Euro in seine Kassen spült: Sein guter Ruf als Unternehmer hat unter dem wirtschaftlichen Totalschaden nicht gelitten, einen Totalschaden, für den er nicht das Geringste kann, aber dessen Folgen er nun ausbaden muss.

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