Kreativ: zwei der Corona-Laternen aus Petersberg.
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Kreativ: zwei der Corona-Laternen aus Petersberg.

„Ich geh mit meiner Laterne...“

St. Martin in Corona-Pandemie: Kindergarten in Osthessen bastelt Lampions – wie Kitas improvisieren und Spenden sammeln

  • Bernd Götte
    vonBernd Götte
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  • Hartmut Zimmermann
    Hartmut Zimmermann
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Laternenlieder, Laternenumzug, Geselligkeit am Lagerfeuer bei Punsch und traditionellem Gebäck – das gehört zur Tradition des Martinstags. Doch im Corona-Jahr 2020 müssen viele Kindergärten und die Kleinen neue Wege gehen – im übertragenen und im wörtlichen Sinn. 

Update vom 12. November, 17.18 Uhr: Weil die St-Martinsumzüge corona-bedingt vielerorts entfallen müssen, wurde im Stadtteil Südend nach Angaben der Stadt die Idee geboren, in der Woche vom 9. bis 15. November eine Lichteraktion unter dem Motto #fuldaleuchtet zu starten. Inzwischen hat die Idee viele Menschen in Fulda inspiriert und sich verbreitet, so dass man tatsächlicch sagen kann: Fulda leuchtet stadtweit.

„Jeden Abend bei Einbruch der Dunkelheit sind in Fenstern von Kitas, Wohngruppen, Privat-Wohnungen, Stadtteiltreffs und kirchlichen Einrichtungen die Lichter zu entdecken“, schreibt Stadtsprecher Johannes Heller. „Wie beim St. Martinsumzug sollen diese Lichter die Dunkelheit der herbstlichen Abende durchbrechen.“

Akteure des Stadtteilarbeitskreises Südend/Kohlhaus verbanden die Lichterwoche zusätzlich mit einer Spendenaktion. In der Kita Miteinander und der Kita St. Sturmius kochten die Kinder zusammen mit ihren Erzieherinnen über 150 Gläser Marmelade, die dann gegen Spende abgegeben wurden.

In der Heinrich-von-Bibra-Schule stellten Schüler und Schülerinnen „Tütchen zum Leuchten“ zusammen, für die auch eine Spende hinterlegt werden kann. Bäcker Katzer aus dem Südend und die Kath. Kirchengemeinde St. Sturmius unterstützen die Spendenaktion ebenso. Die Spenden kommen der DeutschenPalliativStiftung, die ihren Sitz in Fulda hat, zu Gute.

Erstmeldung vom 9. November, 20.12 Uhr: Fulda/Schlitz - Die insgesamt 93 Kinder des Kindergartens St. Peter in Petersberg gehen mit dem Martinstag in Zeiten der Pandemie in besonderer Weise um: Sie haben Lampions gebastelt, die genauso aussehen wie uns die Wissenschaftler das Coronavirus zeigen.

Coronavirus-Laternen – wie in der Kita beim Martinsumzug improvisiert wird

Es gehe nicht darum, das Virus und die damit verbundenen Gefahren auf die leichte Schulter zu nehmen, hebt Leiterin Christine Haustein hervor: „Die Kinder müssen ja Corona auch mit (er-)tragen, und so hat es seine eigene Bildkraft, wenn sie diese Lampions beim Laternenumzug tragen.“

Die Lampion-Idee stammt nicht aus den Weiten des Internets, – sondern aus Christine Hausteins Kopf. „Eines Nachts war sie einfach da“, berichtet die Erzieherin. Man brauche dazu lediglich einen Luftballon, Kleister und Transparentpapier und dann etwas Zeit zum Trocknen.

Ja, in Petersberg wird es einen Umzug geben: „Wir haben das Glück, ein ganz großes Freigelände zu haben und so können die beiden Gruppen der zwei Kindergartenhäuser jeweils auf dem Areal einen kleinen Laternenumzug veranstalten“, berichtet die Erzieherin.

Damit es – fast – so ist wie immer, gibt es als Ersatz fürs große Martinsfeuer einen Feuerkorb, und wenn den Kindern beim Umzug etwas kühl geworden ist, können sie sich bei Apfelpunsch wieder aufwärmen. Den Saft dafür hat das Team aus Obst aus dem Pfarrgarten gepresst. 

Video: Die Aktion „Laternen Fenster“: Ein Licht in dunklen Zeiten

Erst zum Abholen kommen die Eltern dazu. Für den Heimweg – natürlich mit Laterne – gibt es dann noch eine Brezel zum Teilen in der Familie, ein Blatt mit Texten von St.-Martins-Liedern und ein Gedicht, das Haustein zum Martinstag verfasst hat. Das Licht liefert eine kleine LED. Die „Corona-Pöppel“ sind aus Papp-Strohhalme gebastelt.

Der kleine katholische St. Matthäus-Kindergarten von Burghaun-Steinbach verzichtet hingegen auf den Martinsumzug. Die 40 Kinder treffen sich stattdessen mit je einem Elternteil in der Kirche. Mit einem Martinsspiel und einem Martinstanz wird an den Heiligen erinnert. Danach können die Kinder mit ihrer Begleitung einen privaten Laternengang nach Hause machen.

Kinder nehmen im Corona-Jahr an der „Lichterwoche“ teil

Im evangelischen Kindergarten von Oberkalbach. das Team erst mit den Kindern spielen und die Geschichte von Martin hören. Dank des Fördervereins gibt es für alle eine Hefe-Martinsgans. Nach dem Besuch einer Reiterin gehen die Kinder mit ihren Laternen nach Hause. Dort werden sie ein Licht oder ihre Laterne ins Fenster stellen und sich so an der „Lichterwoche“ beteiligen.

Im Maria-Ward-Kindergarten in Fulda geht das Betreuer-Team mit den Kindern unter die Gänse- und Brezelbäcker gehen. „Die geben wir dann den Kindern mit nach Hause, damit sie das Gebäck mit der Familie teilen können“, berichtet Erzieherin Anja Hohmann. Zuhause können die Kinder dann mit ihren selbstgebastelten Laternen an der AktionFulda leuchtet“ teilnehmen.

Kita in Schlitz dunkelt die Räume für Corona-Martinsfeier ab

Im katholischen Kindergarten in Schlitz wird es keinen abendlichen Umzug geben. In der Dunkelheit könnte man, da dann ja auch die Eltern dabeisein müssten, die Corona-Abstandsregeln nicht mehr kontrollieren, sagt die stellvertretende Leiterin Andrea Michel-Herbert. Stattdessen gibt es tagsüber kleine Martinsfeiern innerhalb der Gruppen

Auf Abendstimmung möchte man in der Kindertagesstätte in Schlitz-Queck nicht verzichten. Dazu wird bei den ebenfalls gruppeninternen Martinsfeiern der Raum abgedunkelt, dass die selbst gebastelten Laternen gut zur Geltung kommen, berichtet Leiterin Carmen Semmler. Die Lieder werden von CD abgespielt, und zum Abschluss gibt es Würstchen.

Hintergrund Martinsumzug

„Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Da oben leuchten die Sterne, hier unten da leuchten wir.“ – Dieses Lied singen Kinder und Erwachsene oft bei den Laternenumzügen rund um den Martinstag, den 11. November.

An diesem Tag wird das Fest des heiligen Martin von Tours gefeiert. Er war Soldat und soll vor ungefähr 1700 Jahren gelebt haben. Eine Legende erzählt, dass Martin, als er einem frierenden Bettler begegnete, seinen Mantel mit dem Schwert durchtrennte und ihn mit dem Mann teilte. Später wurde Martin Bischof.

Heute wird oft wird mit Laternenumzügen und Martinsfeuern an den Heiligen erinnert – vielleicht, weil das Teilen die Welt heller und wärmer macht. Weil in diesem Jahr viele Umzüge ausfallen müssen, wollen Aktionen wie die „Lichterwoche“ und „Fulda leuchtet“ mit Kerzen und Lichtern in den Fenstern gerade jetzt Zeichen der Verbundenheit setzen.

In den frühen Morgen, wenn es noch dunkel ist, haben die Erzieherinnen des Waldorfkindergartens Schlitz den Martinsumzug verlegt. Schon um 8 Uhr, berichtet Erzieherin Kerstin Haus, werden die beiden Gruppen der Kita einen kleinen Corona-Laternenumzug durch den Garten machen, zu einer Zeit, zu der man tatsächlich vielleicht noch den einen oder anderen Stern am Morgenhimmel sehen kann. Auch ein Puppenspiel soll es geben.

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