Viele Geschäfte – auch Läden in Einkaufszentren wie den Kaiserwiesen in Fulda – dürfen ab heute wieder öffnen.
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Viele Geschäfte – auch Läden in Einkaufszentren wie den Kaiserwiesen in Fulda – dürfen ab heute wieder öffnen.

Nächste Corona-Phase beginnt

Teilflächen in großen Geschäften geöffnet

Größere Geschäfte profitieren in Hessen jetzt doch von den Lockerungen der Corana-Beschränkungen für den Einzelhandel. Mode-, Kauf- und Möbelhäuser und andere Anbieter mit großen Flächen dürfen ab heute auf einer Teilfläche von 800 Quadratmetern öffnen.

Bis Samstagmorgen galt die Festlegung der Landesregierung, dass nur Geschäfte mit bis zu 800 Quadratmeter öffnen dürfen. Das Argument des Landes: Wenn große Anbieter öffnen, könnten größere Menschenansammlungen entstehen. Unabhängig von der Fläche dürfen Autohäuser, Buch- und Fahrradhändler ab heute wieder verkaufen.

Am Wochenende hat die Landesregierung ihren Kurs korrigiert: Große Geschäfte dürfen öffnen, wenn sie ihre genutzte Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter reduzieren, „und zwar so, dass die Abtrennung unmissverständlich und klar ist und auch durchgesetzt wird“, wie es in „Auslegungshinweisen zur Vierten Verordnung zur Bekämpfung des Coronavirus“ des Landes heißt.

IHK Fulda für Änderung eingesetzt

Das Wirtschaftsministerium begründet die Kurskorrektur damit, „dass sich die Mehrzahl der Nachbarländer für diesen Weg entschieden hat.“ Auch Geschäfte mit weniger als 800 Quadratmetern in Einkaufszentren dürfen öffnen. Im Geschäft darf maximal ein Kunde pro 20 Quadratmeter sein, der Mindestabstand von eineinhalb Metern zwischen den Menschen muss eingehalten werden.

Die IHK Fulda hatte sich für die Änderung eingesetzt – auch gegenüber den osthessischen Landtagsabgeordneten. „Es wäre nicht einsichtig gewesen, wenn die großen Geschäfte komplett hätten geschlossen bleiben müssen. Das wäre eine ungerechte Ungleichbehandlung gewesen“, sagt IHK-Präsident Dr. Christian Gebhardt. Auch die größeren Unternehmen brauchten den Umsatz.

Ladenschließung tut weh

Udo Müller, Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft Kohlhäuser Feld und Mitinhaber des Elektro-Fachgeschäfts Euronics XXL EFM, ist erleichtert: „Das ist eine gute Entscheidung. Vier Wochen Ladenschließung – das tut jedem Händler richtig weh.“

Wichtig sei, dass Geschäfte und Kunden sich an die Hygieneregeln halten. Er will heute morgen Trennwände einbauen lassen, um 800 Quadratmeter abzugrenzen. „Sobald das Ordnungsamt der Stadt grünes Licht gibt, öffnen wir wieder.“

Länder haben Spielraum

Bund und Länder hatten sich darauf verständigt, dass Geschäfte mit einer Fläche von bis zu 800 Quadratmetern ab Montag wieder öffnen dürfen. Die Länder haben aber Spielraum. So gab Nordrhein-Westfalen allen Möbelhäusern grünes Licht, was Möbelhändler in Osthessen ärgerte. Die Möbelhändler in Hessen dürfen jetzt immerhin Teilflächen öffnen.

Aus den Kommunen hatte es massive Proteste gegen die restriktive Linie gegeben. Auch Dr. Jens Mischak (CDU), Vizelandrat des Vogelsbergkreises, intervenierte in Wiesbaden: „Natürlich ist jede weitere Ausweitung risikobehaftet. Aber es geht darum, dass die Menschen ihre Einkäufe vor Ort erledigen können. Deswegen begrüße ich die Möglichkeit der Öffnung auch für den Facheinzelhandel mit größeren Verkaufsflächen.“

Neue Möglichkeiten vorsichtig nutzen

Weiter erklärte er: „Nicht nachzuvollziehen wäre es gewesen, wenn zwar die großen Einkaufspassagen hätten öffnen dürfen, in den Mittelzentren aber eine Öffnung ausgeschlossen gewesen wäre mit der Folge, dass ein Einkaufstourismus eingesetzt hätte.“

Er sei dankbar, dass die Landesregierung ihre Position überdacht habe, Mischak bittet aber die Bürger, die neuen Möglichkeiten vorsichtig zu nutzen: „Die Lage mag etwas mehr unter Kontrolle gebracht worden sein, aber die Lockerungen bedeuten keine Sicherheit. Wir müssen die Lage weiter ernst nehmen.“

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