Fotos: dpa, Andre Druschel

Die Coronavirus-Maßnahmen sind unumgehbar – die Solidargesellschaft ist gefragt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Es gibt keine Alternative zu Absagen und Schließungen, meint Daniel Krenzer zum Thema Coronavirus und seine Folgen in seinem aktuellen Kommentar für die Fuldaer Zeitung.

Schulen und Kindertagesstätten schließen, Veranstaltungen und Gottesdienste werden abgesagt, die Bundesligasaison unterbrochen: Die Coronakrise trifft unsere Gesellschaft massiv in ihrem Alltag und ihren Gewohnheiten. Das ist ungewohnt, ärgerlich und extrem unangenehm, aber unumgehbar.

Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass nur der Abbruch möglichst vieler sozialer Kontakte die Durchseuchung im Land noch bremsen kann – und dass dabei schon ein Tag Verzögerung in der Endabrechnung 40 Prozent mehr Infizierte und Tote bedeuten kann. Wer das berücksichtigt, darf nicht zögerlich sein.

Solch drastische Maßnahmen verursachen allerdings neben all den damit einhergehenden wirtschaftlichen, freiheitlichen und praktischen Einschränkungen zudem ein unbehagliches Gefühl. Doch Panik ist genauso wenig angebracht wie ein leichtsinniger Umgang mit der Situation.

Viele, die sich infizieren, merken davon wenig. Ein bisschen Husten und Fieber, nach ein paar Tagen ist in der Regel alles wieder gut. Ist das dann die große Krise, von der alle reden? All diejenigen, die sich glücklich schätzen dürfen, nicht zu den Risikogruppen zu gehören, müssen persönlich keine Angst vor einer Erkrankung haben.

Aber wer möchte aus Unachtsamkeit dafür verantwortlich sein, andere – am Ende noch aus dem persönlichen Umfeld – mit Covid-19 infiziert zu haben, deren Immunsystem mit dem Erreger nicht zurecht kommt? Wer möchte allen Ernstes das Ableben von Menschen mit Vorerkrankungen wie Asthma oder Herzleiden aufgrund von Covid-19 als Kollateralschaden abtun?

Hier ist eine Solidargesellschaft gefragt. Jeder heute junge, gesunde Mensch würde es in einigen Jahrzehnten begrüßen, in einer ähnlichen Situation ebenfalls nicht im Stich gelassen zu werden.

Geboten ist ein besonnener, aber konsequenter Umgang mit der Krise. Und da ist es in der aktuellen Situation unausweichlich, das öffentliche Leben in sensiblen Bereichen auf Eis zu legen. Nur dann lässt sich eine chaotische Situation wie in Italien vielleicht noch vermeiden, wo das Gesundheitssystem mit der gigantischen Fallzahl absolut überfordert ist und todkranke Menschen an Kliniken abgewiesen werden müssen.

Dass auf die Gesundheitskrise eine Wirtschaftskrise folgt, scheint unausweichlich. Die Bundesregierung stellt für Unternehmen Milliardenhilfen und zinsfreie Kredite in Aussicht – also ruhig Blut. Und eines nach dem anderen.

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