Der Circus Salto ist von Rommerz auf den Hauswurzer Festplatz umgezogen.
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Der Circus Salto ist von Rommerz auf den Hauswurzer Festplatz umgezogen.

Keine Auftritte möglich

Wegen Corona-Pandemie: Circus Salto harrt auf Festplatz in Hauswurz aus

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Normalerweise zieht Familie Köllner mit ihrem Zirkus nahezu im Wochenrhythmus um an einen neuen Spielort. Wegen der Corona-Pandemie hängen Mensch und Tier nun seit Monaten in Neuhof fest. 

  • Der Circus Salto hat hat durch die Corona-Pandemie aktuell keine Auftritte.
  • Wegen der Corona-Pandemie hängt der Circus Salto seit Monaten in Neuhof fest.
  • Nun ist die Zirkusfamilie vom Circus Salto von Rommerz auf den Hauswurzer Festplatz umgezogen.

Hauswurz - Es dürfte eine kleine Abwechslung im ansonsten eher zermürbenden Alltag der Zirkusfamilie gewesen sein: Das Ensemble hat seine Sachen gepackt und ist samt ihren Tieren umgezogen. Weil auf der Wiese in Rommerz, wo der Circus Salto im März wegen der Coronavirus-Pandemie gestrandet war, Bauarbeiten begonnen haben, zog er auf Vermittlung der Gemeindeverwaltung ein Dorf weiter. Auf dem Hauswurzer Festplatz haben die Köllners nun ihre Herberge aufgeschlagen. Es wird wohl für Monate ihre neue Heimat sein.

GemeindeNeuhof
Fläche 90,28 km²
Postleitzahl36119
Bevölkerung10.994 (30. Juni 2009)
BürgermeisterHeiko Stolz

In der Corona-Pandemie: Beim Circus Salto ist an Auftritte nicht zu denken - Kostenlose Zuflucht in Neuhof

Eigentlich baut der Circus Salto beinahe jede Woche an einem anderen Ort im Bundesgebiet sein Zelt auf. So war es bis Mitte März, als die Tour durch Süddeutschland führte. Dann kam das Coronavirus – und an Auftritte war von da an nicht mehr zu denken. Wie viele kleinere Zirkus-Firmen, wie der Circus Baldoni, verfügt Familie Köllner nicht über ein Winterquartier, in das sie ausweichen könnte.

Die Zirkusfamilie bangt auch nach ihrem Umzug von Rommerz auf den Hauswurzer Festplatz um ihre wirtschaftliche Existenz.

Sie fand stattdessen in Neuhof Zuflucht, wo sie vor Jahren einmal auftrat – und sich erinnerte, gastfreundlich empfangen worden zu sein. Die ersten Wochen durften sie in Rommerz bleiben; nun leben sie in Hauswurz. Die Gemeinde stellt die Fläche kostenfrei zur Verfügung. „Da sind wir sehr dankbar drüber“, sagt Köllner lobend.

Seit Corona-Lockdown ohne Einnahmen: Bernhard Köllner vom Circus Salto ist um Existenz besorgt

Dennoch ist er besorgt: „Wir haben Angst, wir gehen vor die Hunde“, erzählt Bernhard Köllner. Denn seit dem bundesweiten Lockdown Mitte März ist der Familienbetrieb aus Burg bei Magdeburg quasi ohne Einnahmen – und in Existenznot. Denn es gebe derzeit keine Perspektive – und die Kosten liefen unaufhaltsam weiter; etwa für das Futter für die 50 Tiere, die Versicherungen und den Fuhrpark aus vier Lkws und 17 Anhängern. Der 56-Jährige sorgt sich inzwischen, dass seine Fahrzeuge nicht mehr durch den nächsten Tüv kommen oder er die nötigen Reparaturen nicht bezahlen kann.

Hartz-IV-Bezüge sollen zumindest die Existenz sichern, und Spenden helfen über die schwere Zeit. In den zurückliegenden Wochen hatten Anwohner, Firmen, Landwirte und der Rommerzer Bürgerladen den Gestrandeten mit Geld- und Sachspenden anfangs unter die Arme gegriffen, wofür die sachsen-anhaltinische Familie sehr dankbar ist. Doch diese seien so gut wie aufgebraucht.

Wegen Corona-Regeln: Für Circus Salto lohnt es sich nicht, das Zelt aufzubauen

Sich den Lebensunterhalt selbst zu verdienen, können die Köllners weiterhin nicht. Denn sie haben schlicht keine Austrittsmöglichkeiten, auch wenn Zirkusveranstaltungen in Hessen inzwischen wieder erlaubt sind. „Wir haben uns bemüht“, sagt der Zirkusdirektor. Kommunen seien jedoch sehr zögerlich bei der Vergabe von Festplätzen und vertrösteten gar auf das kommende Jahr – wer will schon in der aktuellen Lage einen Zirkus im Ort haben. Und auch wenn die Artisten, Dompteure und Clowns vom Circus Salto auftreten dürften: Das Zelt aufzubauen, lohne sich betriebswirtschaftlich derzeit nicht, erklärt Bernhard Köllner.

Aufruf

Die Gemeinde Neuhof hatte im März einen Aufruf gestartet, um den Circus Salto zu unterstützen. Wegen der aktuellen Corona-Lage und den strengen Hygieneregeln kann der Circus quasi nicht auftreten. Es fehlen damit Einnahmen. Am dringendsten benötigt werden Heu und Kraftfutter; außerdem hofft der Circus, dass für die Familie für den täglichen Bedarf Geld gespendet wird. Wer Hilfe anbieten möchte, der kann sich bei Bernhard Köllner unter Telefon (01 76) 30 48 57 35 melden. Finanzielle Unterstützung kann gegeben werden an das Konto: IBAN DE96 1001 0010 0156 013139 bei der Postbank. 

Die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln erlauben nämlich lediglich 62 Zuschauer in dem 24 Meter großen runden Zelt mit vier Masten. Eigentlich passen bis zu 500 hinein. „Da sind die Unkosten einfach zu groß“, sagt der Zirkusmann. Und eine alternative Auftrittsform, bei der wie beim Autokino Zuschauer aus dem eigenen Pkw heraus die Zirkusvorstellung unter freiem Himmel verfolgen, könne ein gestrandeter Zirkus nur einmal anbieten. Das sei keine Dauerlösung.

Daher bleiben die sieben Zirkusleute weiterhin in Hauswurz. Laut Bernhard Köllner dürfen sie bis Oktober bleiben. Wenn dann wieder ein Umzug ansteht, soll es einer sein, der dazu führt, dass Circus Salto regulär auftreten und seine Tournee durch Deutschland fortsetzen kann.

Lesen Sie hier: Kleines Rentier-Mädchen verzückt im Circus Baldoni

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