Eine junge Lehrerin schreibt im Mathematikunterricht an eine Schultafel. (Symbolfoto)
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Das Kultusministerium will Schülern Unterricht in den Ferien anbieten.

Umstrittene Nachhilfe

Kultusministerium will Unterricht in den Ferien - Schulleiter in der Region Fulda sehen das kritisch

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Das Kultusministerium will Schülern, die wegen des Unterrichtsausfalls in der Corona-Pandemie Nachholbedarf haben, Unterricht in den Ferien anbieten. In der Region um Fulda sind jedoch nicht alle Schulleiter mit dem Konzept glücklich.

Kreis Fulda - Für Schülerinnen und Schüler soll es in den Sommerferien wegen der coronabedingten Defizite verschiedene pädagogische Unterstützungsangebote geben, damit sie gut vorbereitet ins nächste Schuljahr starten können. Im Main-Kinzig-Kreis haben etwa 800 Schüler an einer Umfrage teilgenommen und gesagt, worunter sie durch die Corona-Krise leiden mussten. Sowohl die Ferienakademie 2020 als auch die Sommercamps werden vom Hessischen Kultusministerium gefördert. An der geplanten Umsetzung gibt es nun aber Kritik.

Kultusministerium fördert Ferienakademie: Leiter des Wigbertgymnasiums kritisiert Konzept

„Es ist im Grundsatz ein gutes Ansinnen, Schüler und Schülerinnen ein Angebot zu machen, das sie in die Lage versetzt, ihre Defizite zu verbessern“, sagt Markus Bente, Schulleiter des Wigbertgymnasiums in Hünfeld. Doch er kritisiert insbesondere das Konzept des Ministeriums für die Ferienakademie.

Denn dieses sieht vor, dass überwiegend externes Personal zum Einsatz kommen soll: Lehramtsstudierende, Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst, pensionierte Lehrer, Mitarbeiter von Volkshochschulen sowie Ehrenamtliche. Die Auswahl der Honorarkräfte, die je nach Qualifikation zwischen 240 Euro und 320 Euro in der Woche erhalten, übernimmt das Staatliche Schulamt.

Ferien-Angebot

Ferienakademie: Die Akademie ist ein freiwilliges und kostenfreies Angebot, das den Start in das neue Schuljahr erleichtern soll. Es soll in den letzten beiden Ferienwochen, jeweils von 9 bis 13 Uhr, in einer Schule durchgeführt werden und richtet sich an die Jahrgangsstufen 1 bis 8.

In Kleingruppen sollen rund zehn Schülerinnen und Schüler in den Fächern Mathematik, Deutsch und gegebenenfalls Englisch gefördert werden. Die Förderkurse sollen von Lehramtsstudierenden, interessierten Lehrern, ehrenamtlichen Personen, pensionierten Lehrkräften sowie Lehrkräften im Vorbereitungsdienst angeboten werden.

Sommercamp: Schulen können außerdem mit finanzieller Unterstützung des Kultusministeriums während der gesamten Ferien vom 6. Juli bis 14. August Sommercamps durchführen. In Kleingruppen werden Schüler und Schülerinnen auf das neue Schuljahr vorbereitet.

Ferienakademie: Leiter des Wigbertgymnasiums tadelt Einsatz von schulfemden Kursleitern

Markus Bente tadelt jedoch diesen Einsatz von schulfremden Kursleitern und zieht einen anschaulichen Vergleich: „Würden Sie einem Medizinstudenten eine Praxis überlassen – ohne dass er die Krankenakten zur Verfügung hat?“ Die Kursleiter und Kursleiterinnen würden weder die Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums noch die Lehrer kennen – und wüssten nicht, welcher Stoff zuletzt im Unterricht behandelt wurde.

Zudem sehe das Kultusministerium keine „Schulformspezialisierung“ vor. Haupt-, Real- und Gymnasialschüler erhielten gemeinsam Nachhilfe. „Wenn das Konzept anders aufgebaut wäre, würde ich mich sehr dafür engagieren“, sagt Bente. „Aber so halte ich es nicht für zielführend.“

Leiter des Staatlichen Schulamts Fulda sieht in Ferienakademie eine „Win-Win-Situation“

Anders sieht das Harald Persch, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts Fulda: Gerade im Hinblick auf die Lehramtsstudierenden sei die Akademie „eine echte Win-Win-Situation“. Die Studenten könnten ihre Praxisnachweise erbringen. „Und die Schüler bekommen motivierte junge angehende Lehrer und Lehrerinnen, die sich nach Kräften um sie bemühen werden.“

Das Unterrichtsmaterial werde zu einem großen Teil zentral bereitgestellt: „Da sehe ich auch kein Problem auf der fachlichen Ebene.“ Und unter den Ehrenamtlichen seien viele pensionierte Lehrer sowie Lehrer im Vorbereitungsdienst: „Dieses Engagement werte ich natürlich sehr positiv.“

Termin

Unter anderem bietet die Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda ein Sommercamp an: von Dienstag bis Donnerstag, 11. bis 13. August. Im Wesentlichen sollen Defizite in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch abgebaut werden. Interessierte Schüler und Eltern können sich bis Mittwoch, 8. Juli per E-Mail formlos anmelden unter andre.mueller@fulda.de.

Die Ferienangebote seien ein guter Baustein, der den Schülern den Umgang mit dem coronabedingt fehlenden Unterrichtsinhalt erleichtern könne, indem ein persönlicher Ansprechpartner für sie da ist, glaubt Persch.

Bei den Schülern und Eltern wird die Idee der Ferienakademie positiv aufgenommen

Die Bewerbungsfrist für interessierte Schüler und Kursleiter läuft noch bis zum Sonntag, 5. Juli. Auch die Schulen selbst können sich noch darum bemühen, dass an ihrer Einrichtung Ferienakademien stattfinden. In der kommenden Woche entscheidet das Schulamt nach den jeweiligen Anmeldezahlen gemeinsam mit den Schulträgern, welche Schulen für das Angebot genutzt werden können.

Aufgrund von Baumaßnahmen und Reinigungsarbeiten stehen nicht alle zur Verfügung. „Wir werden uns aber bemühen, ein wohnortnahes Angebot zu realisieren“, sagt Persch. In einer Vorabanfrage habe das Schulamt bereits „eine große Resonanz“ ermittelt. Die Idee werde bei Schülern und Eltern äußerst positiv aufgenommen.

Stellvertretender Schulleiter der Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda lobt Ferienakademie

Der stellvertretende Schulleiter der Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda, André Müller, lobt die Idee ebenfalls. Er sieht die Unterstützung in den Ferien als „einen guten Einstieg ins neue Schuljahr“. Doch auch er ist eher zurückhaltend, wenn es um die Ferienakademie geht. Dass externes Personal eingesetzt wird, sei eine „schwierige Sache“.

Beim Sommercamp ist das Fuldaer Stein-Gymnasium hingegen gerne dabei: Dieses findet an drei Tagen in der letzten Ferienwoche statt – und zwar mit schuleigenen Lehrern, die unter Einhaltung der Corona-Regeln und mit Hygienekonzept ihren Schülern den Start in ein neues Schuljahr erleichtern wollen.

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