Eine zehnte Klasse lernt an der Steinschule während der Sommerferien Mathematik. Das Sommer-Camp wurde von den Schülern gut angenommen.
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Eine zehnte Klasse lernt während der Sommerferien Mathematik. Das Sommer-Camp wurde von den Schülern gut angenommen.

Defizite ausgleichen

Wegen Coronavirus: Schüler pauken im Sommerferien-Camp an der Fuldaer Steinschule

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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In den Sommerferien in die Schule gehen? Was für viele Kinder undenkbar scheint, haben 70 Schülerinnen und Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule gemacht. Hintergrund ist die Corona-Pandemie.

Fulda - Wochenlang waren die Schulen geschlossen. Home-Schooling stand auf der Tagesordnung. Bei manch einem Schüler rief das Verunsicherung hervor, ob man den Lernstoff wirklich beherrscht. Die Steinschule in Fulda hat aus diesem Grund ein Sommer-Camp in den Ferien angeboten – ein Angebot, das sich an die Steinschüler der Klassen fünf bis zehn richtete und vom Hessischen Kultusministerium gefördert wurde. An drei Tagen der letzten Ferienwoche hatten sie die Möglichkeit, sich auf den Schulbeginn am Montag vorzubereiten.

„Es ist keine Nachhilfe“, sagt der stellvertretende Schulleiter der Freiherr-vom-Stein-Schule André Müller (49). Vielmehr gehe es darum, Defizite aus der Zeit des Coronavirus-Lockdowns auszugleichen. Dafür wurden die Schülerinnen und Schüler innerhalb ihrer Jahrgangsstufen in Gruppen aufgeteilt. An den drei Tagen in jeweils vier Schulstunden wurde dann Englisch, Mathe und Deutsch gepaukt.

Wegen Coronavirus: 70 Schülerinnen und Schüler pauke im Sommer-Camp an der Steinschule

Rund 70 Steinschüler hatten sich für das Sommer-Camp angemeldet. „Wegen des überschaubaren zeitlichen Rahmens mussten wir uns auf die Kernfächer Mathe, Englisch und Deutsch fokussieren“, sagt der 49-Jährige.

Die Oberstufe habe die Schule absichtlich nicht in den Fokus gerückt, erklärt Müller. „Sie können selbstständiger arbeiten.“

Camp

In den Sommerferien bestand hessenweit die Möglichkeit, in Sommer-Camps und Ferienakademien durch den Lockdown verpassten Unterrichtsstoff nachzuholen. Daran haben insgesamt 23 Schulen des Landkreises Fulda mit annähernd 1000 Schülern teilgenommen.

Im Vordergrund stehe laut Müller ein psychologischer Aspekt. Man habe den Kindern sagen wollen:„Es ist durch den Lockdown nicht so viel verlorengegangen, wie ihr glaubt.“ Die Vorbereitungen seien laut Müller mitunter etwas kompliziert gewesen. „Wir haben erst Mitte Juni davon erfahren, dass wir so etwas machen können.“ Danach habe man insgesamt sieben Lehrer der Steinschule finden müssen, die sich bereit erklären, drei Tage ihres Urlaubs aufzuwenden, um die Kinder auf den Schulbeginn am Montag vorzubereiten. Erst dann habe man sich mit dem Angebot an die Eltern gewandt.

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Anhand der Defizite der Jungen und Mädchen wurden Pläne für die Camps entwickelt

Nachdem sich etwa 70 Jungen und Mädchen angemeldet hatten, wurden die Eltern gebeten, Defizite der Kinder mitzuteilen und Schwerpunkte festzulegen, die während des Camps behandelt werden sollen. Darauf aufbauend wurden schließlich Stundenpläne entwickelt. Mit dem Ablauf des Camps ist Müller zufrieden. „Die Kinder haben es angenommen, die Lehrkräfte standen alle parat und waren bereit.“

Die 16-jährige Schülerin Jessica Hillert besucht die 10. Klasse der Steinschule und sieht ihre Schwächen in Mathe. Sie reflektiert die drei Tage: „Zu Beginn des Camps haben wir einen Kompetenzcheck gemacht. Dadurch konnte ich erkennen, wo meine Schwächen liegen. Ich fühle mich nach den drei Tagen fitter. “

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Wegen Coronavirus wurde Camp angeboten - Kein Angebot für die kommenden Jahre

Mathe-Lehrerin Dorothea Mihm zieht ebenso wie Müller eine positive Bilanz des Camps. „Man kann das Wissen der Schülerinnen und Schüler auffrischen und kommt wieder in den Schulmodus rein.“ Außerdem, so sagt sie, sei die Atmosphäre angenehm. „Es ist anders, als im Schulalltag, man hat mehr Ruhe und kann sich fokussieren.“ Sie wisse, dass nicht alle Defizite durch das Sommer-Camp aufgefangen werden können, aber „man kann das ein oder andere wieder ins Gedächtnis rufen.“

Für die kommenden Jahre sei das Sommer-Camp, das erstmalig stattfand, allerdings nicht geplant. Müller erklärt den Grund:„Das Camp ist in Zusammenhang mit der besonderen Corona-Situation entstanden. Dadurch habe es bei den Schülerinnen und Schülern eine Unsicherheit hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit gegeben. „Man braucht ein solches Camp ansonsten nicht. Man geht normalerweise selbstsicher in die Ferien, man hat ein Zeugnis und weiß, wo man steht“, sagt Müller.

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