In der Lüdertalschule weisen Schilder darauf hin, dass Abstand gehalten werden soll.
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In der Lüdertalschule weisen Schilder darauf hin, dass Abstand gehalten werden soll.

Abstand halten ist angesagt

Schulstart im Kreis Fulda: Bewährungsprobe für die Hygienepläne in Corona-Zeiten

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Wo halten sich die Schüler während der Pausen auf? Wie sind die Laufwege? Und welches Unterrichtsfach muss anders ablaufen als sonst? Mit solchen Fragen haben sich die Schulen im Landkreis in den letzten Wochen beschäftigt. Gestern, am ersten Schultag, standen die Hygienekonzepte auf dem Prüfstand. 

Großenlüder/Michelsrombach/Fulda - „Du solltest jetzt in der Pause eigentlich auf dem Kunstrasenplatz sein“, sagt Antje Neiße, Schulleiterin der Lüdertalschule Großenlüder, zu einem ihrer Schüler. Es ist 11.30 Uhr – große Pause. Der Junge steht vor dem Haupteingang und entgegnet: „Kann ich nicht schnell auf Henry warten?“ „Nein, das kannst du nicht“, sagt die Schulleiterin bestimmt.

In Corona-Zeiten ist die Schule wieder gestartet - Strenge Regeln für Einhaltung des Hygienekonzepts

Solch strenge Regeln seien wichtig, damit das Hygienekonzept der Schule funktioniere und die Klassen möglichst wenig Kontakt untereinander haben. Und dazu gehört – neben der Maskenpflicht auf dem gesamten Gelände – eben auch die räumliche Trennung während der Pausen. Die Jahrgangsstufen 5 und 6 sind am Schulhof bei den Tischtennisplatten, Jahrgang 7 und 8 auf dem Kunstrasenplatz, Neunt- und Zehntklässler nutzen den Schulhof vor der Mensa.

Im Gebäude kommen sie aber zusammen: „Das geht gar nicht anders“, sagt Neiße. Immer wieder muss sie die Schüler auf die Abstandsregeln hinweisen – und manchmal auch auf die Maskenpflicht: „Es ist schon ein Balanceakt zwischen ,ich esse doch gerade‘ und ,ich stehe ohne Mundschutz daneben.‘ Aber wenn man die Schüler auffordert, dann ziehen sie die Maske auf. Die Einsicht ist da. Maskenverweigerer haben wir nicht. Im Unterricht dürfen die Schüler die Maske absetzen“, erklärt die Schulleiterin.

Ein anderer Schulstart in Corona-Zeiten: Situation sei merkwürdig

330 Jungen und Mädchen besuchen die Haupt- und Realschule in Großenlüder, 18 Klassen sind es insgesamt. Zwei Schüler sind in der Risikogruppe und werden erst einmal weiter zuhause beschult. Von den 30 Lehrern ist es einer, der ein ärztliches Attest hat mit dem Hinweis, dass bei einer Corona-Infektion ein schlimmer Verlauf zu erwarten wäre. „Der Kollege macht Onlineunterricht und wird für die individuelle Förderung eingesetzt.“

Es sei in diesem Jahr ein ganz anderer Schulstart gewesen. „Die Situation war merkwürdig. Ein bisschen haben sich die Schüler so verhalten wie das Kaninchen vor der Schlange. Auch die großen Umarmungsszenen hat es nicht gegeben“, fasst Neiße zusammen. Ein Punkt des Hygieneplans konnte nicht so umgesetzt werden, wie vorgesehen: „Eigentlich sollten die Schüler erst ab 7.50 Uhr in die Schule gelassen werden und dann direkt in die Klassen gehen. Weil es aber geregnet hat, war das nicht möglich.“

Wegen Corona: Nachmittagsangebot an der Lüdertalschule bereitet der Schulleiterin „Kopfzerbrechen“

Wie das Konzept an der Lüdertalschule aussehen soll, hat das Kollegium in den vergangenen Wochen erarbeitet. Einige Unterrichtsfächer müssen anders gestaltet werden: Im Musikunterricht wird eher Theorie gepaukt, weil das Singen in den Räumen nicht möglich ist. Auch die Bläserklassen der Jahrgangsstufe 6 müssen umdisponieren: „Hier wird es sehr kleine Gruppen geben“, sagt Neiße. Eines bereitet ihr „Kopfzerbrechen“, wie sie sagt: das Nachmittagsangebot. „Hier kommen in der Regel mehrere unterschiedliche Jahrgänge zusammen. Ältere Schüler helfen zum Beispiel jüngeren bei den Hausaufgaben.“ Das müsse nun sehr genau geplant werden, um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können.

An der Grundschule Michelsrombach lassen sich Corona-Regeln leichter umsetzen

Leichter hat es da die Grundschule Michelsrombach. Hier gehen nur 96 Kinder zur Schule, und alle Jahrgangsstufen können – so der Plan – zu jeder Zeit getrennt sein. „Wir haben drei Eingänge. Dabei ist genau festgelegt, welche Klasse durch welchen Eingang rein- und rausgeht“, erklärt die kommissarische Konrektorin Katrin Seuring.

Auch in den Pausen sind die Schüler getrennt. Für die Lehrer bedeutet das, dass sie häufiger Pausenaufsicht machen müssen. „Ich bin froh, dass wir räumlich diese Möglichkeiten haben“, sagt Seuring. Am ersten Schultag hat sie beobachtet, dass es im Gebäude sehr viel ruhiger ist, als sonst. „Normalerweise kommen die Schüler alle durch den Haupteingang, diese Entzerrung merkt man schon.“ Wie überall gilt auch in Michelsrombach eine Maskenpflicht. Wenn ein Kind seine Maske vergessen hat, dann kann es aber eine im Sekretariat bekommen.

An der Fuldaer Winfriedschule herrscht in Corona-Zeiten Zuversicht

So ist das auch an der Fuldaer Winfriedschule: „Den Schülern ist die Gefahr sehr bewusst. Nur ganz vereinzelt hat jemand seine Maske vergessen. Ich habe es nur einmal mitbekommen“, sagt Schulleiterin Annette Albrecht. Das Gymnasium sei sehr gut vorbereitet: „Die Schüler nutzen drei Eingänge, wir haben ein Einbahnstraßensystem eingeführt, und es gibt unterschiedliche Pausenzeiten.“

Albrecht ist zuversichtlich, dass das Konzept für die rund 1100 Schüler und 90 Lehrer funktioniert. Die Themen des Unterrichts habe die Schule ebenfalls an die Situation angepasst: „Im Sport zum Beispiel wird draußen Leichtathletik unterrichtet oder Step-Aerobic mit Abstand“, sagt Albrecht. Sie ist froh, dass der Schulalltag nun wieder losgeht: „Ich habe mich riesig gefreut, endlich wieder Schülerstimmen zu hören und das Kollegium zu sehen.“ Auch im Main-Kinzig-Kreis durfte die Maske zum Schulstart nicht fehlen.

Lesen Sie hier: Schulstart in Corona-Zeiten: Zuversicht trotz einiger Bedenken Und: Bundespolizei warnt am Neuhofer Bahnhof Schüler vor den Gefahren am Bahnsteig Außerdem: Autofahrer sollen besonders auf Schüler achten - Fuldaer Polizei will vor Schulen vermehrt kontrollieren

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