Bernhard Schermer forscht in seinem Kölner Labor an einem Corona-Test.
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Bernhard Schermer in seinem Kölner Labor.

Forscher aus Fulda

Schnell, zuverlässig, preiswert: Kann der Corona-Test aus Köln Ergebnisse in unter einer Stunde liefern?

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Ein neuartiger Test auf das Coronavirus, an dem ein Kölner Wissenschaftsteam arbeitet, soll schnell, zuverlässig und preiswert sein. Die Forschungsgruppe der Uniklinik Köln wird von dem aus Fulda stammenden Professor Dr. Bernhard Schermer geleitet. 

  • An der Uniklinik Köln arbeitet ein Forscherteam an einem neuen Corona-Test.
  • Die Forschungsgruppe wird von Professor Dr. Bernhard Schermer geleitet, der in Fulda geboren wurde.
  • Schermer forscht an einem Corona-Test, der schnell, zuverlässig und preiswert sein soll.

Köln/Fulda - Seit März befassen sich die Forscher im Rahmen des Projekts mit dem Kürzel CoRNA mit der Nachweisbarkeit von SARS-CoV-2 – übrigens ein ganz typischer Fall dafür, wie Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen weltweit seit Beginn der Corona-Pandemie Ressourcen gebündelt und im Kampf gegen das Virus eingesetzt haben.

Denn eigentlich ist Bernhard Schermer, der aus Fulda stammt, Nierenspezialist und leitet das Nephrologische Forschungslabor der Klinik II für Innere Medizin an der Universitätsklinik Köln.

Corona-Test aus Köln: In erster Phase der Pandemie entstand Idee, berichtet Fuldaer Professor

Doch nach den schlimmen Erfahrungen mit dem Coronavirus, vor allem in Italien, rechneten auch die Forscher um Schermer in Köln mit einem „Tsunami“ an Patienten, der eine schnelle Diagnostik notwendig gemacht hätte. Zum Glück blieb dieses Szenario aus, doch die Forscher machten weiter – zumal ihr Labor mit großer Erfahrung im Bereich Molekularbiologie infolge des Corona-Lockdowns nahezu leer stand.

NameCoronavirus, Covid-19
ÜbertragungIn den meisten Fällen durch Tröpfcheninfektion
SymptomeFieber, trockener Husten, Müdigkeit
PräventionHände waschen, Abstand halten, Maske tragen

Bernhard Schermer, der in Fulda geboren wurde, erinnert sich an diese erste Phase der Corona-Pandemie:„So entstand die Idee, unsere Ressourcen zu nutzen und in Kollaboration mit Prof. Dr. Florian Klein, dem Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Köln, sowie mit dem US-Wissenschaftler Feng Zhang, einem Pionier der Genscheren-Technologie vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), und anderen an der Covid-19-Diagnostik zu arbeiten.“

Zum Team gehören auch der Internist und Nephrologe Prof. Dr. Roman-Ulrich Müller sowie PD Dr. Volker Burst, Leiter der Notaufnahme.

Kölner Team um Berndhard Schermer hat Ziel schnellen und kostengünstigen Corona-Test zu entwickeln

Die Gruppe um den 49-jährigen Schermer setzte sich zum Ziel, einen Corona-Test zu entwickeln, der schnell, kostengünstig und mit einfachen Mitteln durchgeführt werden kann – um zukünftig zum Beispiel massenhaft an Flughäfen eingesetzt zu werden.

Denn ein Corona-Test, dessen Ergebnis in weniger als einer Stunde vorliegt, der direkt vor Ort durchgeführt werden kann und der nur wenige Euro kostet, wäre ein wichtiges Instrument, um die Verbreitung von SARS-CoV-2 so zeitnah wie möglich zu messen – und bei positiven Ergebnissen sofort Infektionsschutzmaßnahmen ergreifen zu können.

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Zur Person

Bernhard Schermer wurde in Fulda geboren und machte an der Rabanus-Maurus-Schule (Domgymnasium) Fulda Abitur. Er studierte zunächst Theologie, unter anderem an der Università Gregoriana in Rom, sattelte dann aber auf Medizin um und erwarb im Jahr 2001 seinen Doktorgrad an der Goethe-Universität Frankfurt in der Abteilung für Kardiovaskuläre Physiologie.

Der nephrologischen Grundlagenforschung widmete er sich aber bereits 1999 als „Visiting Research Fellow“ an der renommierten Harvard Medical School in Boston und ab 2001 an der Universität Freiburg. Dort wurde er 2007 habilitiert. Im selben Jahr übernahm Schermer die Leitung des Nephrologischen Forschungslabors der Klinik II für Innere Medizin an der Universitätsklinik Köln. Schermer war Fritz-Scheler-Stipendiat und erhielt 2011 den Karin Nolte Wissenschaftspreis der Saarländisch-Pfälzischen lnternistengesellschaft (SPIG).

2016 zeichnete ihn die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie in Berlin mit dem Franz-Volhard-Preis aus, dem höchstdotierten Preis der deutschen Nephrologie. Die Gesellschaft würdigte Schermers besondere Verdienste in der Erforschung der Pathogenese zystischer Nierenerkrankungen und der damit in Zusammenhang stehenden Funktion von primären Zilien in der Niere. Schermer habe mit seinen Arbeiten maßgeblich zum Verständnis der Entstehung von zystischen Nierenerkrankungen beigetragen.

Das Wissenschaftsteam um Schermer erarbeitete für den Corona-Test ein hochempfindliches molekularbiologisches Verfahren. Dieses erlaubt einen spezifischen Nachweis der RNA – der Erbsubstanz des neuen Coronavirus also – aus Rachenabstrichen. Dabei optimierten und kombinierten die Forscher zwei bereits etablierte Methoden, mit denen sich die virale RNA auf mehreren Genabschnitten nachweisen lässt.

Corona-Test aus Köln ist zeitsparend, da Abstrichmaterial nicht aufbereitet werden muss

Zeitsparend wird der Corona-Test dadurch, dass „im Gegensatz zu anderen Testverfahren eine Aufbereitung des Abstrichmaterials nicht notwendig ist“, wie der aus Fulda stammende Schermer erläutert. Noch allerdings müsse man die Empfindlichkeit des Verfahrens für SARS-CoV-2-Viren weiter verbessern.

Ein kleines Plastikröhrchen mit den Reagenzien und der Probe, das dann auf 65 Grad Celsius aufgeheizt wird, ist alles, was man für den Corona-Test - auch Assay genannt - braucht.

Der CoRNA-Schnelltest soll in der späteren Praxis mit einfachen Mitteln durchführbar sein, was ihn flächendeckend einsetzbar machen würde. Das Ergebnis des Corona-Tests soll entweder anhand einer Bande auf einem Teststreifen sichtbar werden – oder durch einen Farbumschlag. Und das in vergleichsweise kurzer Zeit: Schermer geht von 30 bis 60 Minuten aus. Parallel dazu sollen klinische Abstrichproben mit dem etablierten Verfahren der quantitativen PCR getestet werden.

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Kölner hoffen, dass Corona-Testverfahren auch für Unternehmen interessant sein könnte

„Wir wollen erreichen, dass unser Testverfahren zum Beispiel auch in der Notaufnahme einer Klinik oder am Eingang eines öffentlichen Gebäudes durchgeführt und ausgewertet werden kann“, so der aus Fulda stammende Schermer. Ihr Ansatz, hoffen die Kölner, könnte auch für Unternehmen interessant sein, die das Verfahren der Corona-Tests zur Marktreife entwickeln wollen. Die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts wollen sie deshalb über Preprint-Server veröffentlichen, um sie möglichst vielen Interessenten zugänglich zu machen.

Förderung

Das CoRNA-Projekt der Uniklinik Köln wird mit Mitteln des Bundesforschungsministeriums (BMBF) gefördert. Die gesamte Fördersumme zur Erforschung des Coronavirus umfasst bis zu 45 Millionen Euro. Gefördert werden damit derzeit 23 Verbünde und 65 Einzelvorhaben. Auf das CoRNA-Projekt entfallen bis nächstes Jahr 422 083 Euro. 

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Wer sich intensiver mit dem Corona-Test befassen möchte – ein erster Preprint ist bereits auf MedRxiv verfügbar.

Lesen Sie hier: Digitaler Arztbesuch in Corona-Zeiten - Bereitschaftsdienst bietet Hilfe per Video an Und: Der Vogelsberg hat jetzt ein eigenes Corona-Testcenter Außerdem: In einem Gastbeitrag schreibt der Immunologe Dr. Peter M. Kern aus Fulda: „Offenbar sind wir bereit, eine gewisse Infektions- und Todesrate zu akzeptieren“

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