In der „Aus ärztlicher Sicht“-Kolumne schreibt Klinikum-Arzt Prof. Dr. Clemens-Alexander Greim.
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In der „Aus ärztlicher Sicht“-Kolumne schreibt Klinikum-Arzt Prof. Dr. Clemens-Alexander Greim.

Wie gefährlich ist die Covid-19-Erkrankung?

Klinikum-Arzt: „Das Virus ist ein Killerkeim - aber wir lernen dazu“

Wie gefährlich ist es, am Coronavirus zu erkranken? In unserer„Aus ärztlicher Sicht“-Kolumne gibt Professor Dr. Clemens-Alexander Greim vom Klinikum Fulda eine Einschätzung.

  • Das Coronavirus gelangt über kleinste Feuchtigkeitspartikel in den Nasen-Rachen-Raum und von dort in die Atemwege.
  • Das Virus befällt Zellen im Lungengewebe.
  • Die Erkrankung kann sich auf mehrere Organe auswirken.

Fulda - Nachdem sich Klinikum-Vorstand Dr. Thomas Menzel zuletzt zur wiederkehrenden Normalität im Klinikum Fulda sowie zu planbaren Operationen geäußert hat, erklärt nun Professor Dr. Clemens-Alexander Greim, wie gefährlich es ist, am Coronavirus zu erkranken. Er erklärt dies aus seiner Sicht.

„Warum viele Menschen nur eine leichte Erkältung durchmachen, wenn sie sich mit dem neuartigen Coronavirus infizieren, und andere auf der Intensivstation behandelt werden müssen, wissen wir derzeit noch nicht genau. Sicher ist, dass das Virus über kleinste Feuchtigkeitspartikel zunächst in den Nasen-Rachen-Raum, und von dort in die tiefen Atemwege gelangt.

Coronavirus: Zellen vermehren sich in der Lunge

In den Zellen des Lungengewebes vermehrt sich das Virus und befällt weitere Zellen. Der Körper reagiert mit Fieber und Husten. Je mehr Lungengewebe befallen ist, umso stärker ist die Sauerstoffaufnahme in der Lunge beeinträchtigt. Wenn eine kritische Grenze überschritten wird, tritt Atemnot auf.

Etwa fünf Prozent der Corona-Infizierten werden ab diesem Zeitpunkt sehr krank und manche müssen über mehr als vier Wochen auf einer Intensivstation behandelt werden. Bei sieben von zehn dieser Patienten verschlechtert sich der Zustand vor allem deshalb dramatisch, weil das Virus dem Körper eine wilde biologische Abwehrschlacht aufzwingt. Wir Intensivmediziner nennen das „Zytokinsturm“. Alles, was unser Immunsystem aufbringen kann, wird mobilisiert.

Virus wirkt sich auf Organe aus

Diese immunologische Reaktion geht mit zahlreichen Kollateralschäden einher: Das Herz-Kreislauf-System kollabiert, die Nieren- und Leberfunktion wird beeinträchtigt, der Darm stellt seine Funktion ein. Auch die Blutgerinnung entgleist. Untersuchungen bei Verstorbenen haben gezeigt, dass es im Krankheitsverlauf trotz gerinnungshemmender Behandlung zu Thrombosen und Lungenembolien sowie zu Schlaganfällen kam, an denen auch junge Patienten verstarben.

Virus - ein „Killerkeim“

Das Virus kann also zu Recht als „Killerkeim“ bezeichnet werden. Es ist in der Lage, einen verheerenden und manchmal tödlichen Flächenbrand im Körper zu entzünden. Dem haben wir bis heute leider noch nicht viel entgegenzusetzen. Die moderne Intensivmedizin stellt sich solchen Herausforderungen. In den letzten Jahrzehnten haben wir viel erreicht. Und wir lernen dazu – auch bei Corona.“

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