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Schandfleck oder Denkmal? Fassade der früheren Rhönmöbelfabrik ist eine Herausforderung

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Von: Volker Feuerstein

Fulda: Kein schönes Bild: die alte, kunstlose Fabrikmauer am Horaser Weg.
Kein schönes Bild: die alte, kunstlose Fabrikmauer am Horaser Weg. © Volker Feuerstein

Als „Schandfleck“ sehen Fuldaer Bürger, Anwohner und Parteien eine alte Fabrikmauer und eine fast baufällige Villa am Horaser Weg 71. Das Hessische Landesamt für Denkmalpflege aber will den ruinösen Baubestand als „historisches Denkmal“ erhalten. 

Fulda - Seit Jahrzehnten schon schmieden Investoren Pläne, die sich jedoch bis heute aus den verschiedensten Gründe letztlich zerschlugen. Am problematischsten ist dabei die teure und baulich anspruchsvolle Erhaltung und Integration der Baureste der früheren Rhönmöbelfabrik, die immer zulasten der privaten Grundstücksbesitzer gehen.

Der vorletzte Besitzer, die Aldi Immovest GmbH, die das Grundstück 2004 erwarb, nutzte deshalb nur den unteren Teil des Geländes für die Errichtung eines Marktes und verkaufte vor zehn Jahren das Restgrundstück mit der baufälligen Mauer und der Villa an die Werner Projektentwicklung in Fulda. Diese wiederum hat neue Pläne für eine Erschließung.

Fulda: Ist Fassade der früheren Rhönmöbelfabrik Schandfleck oder Denkmal?

Besitzer des Grundstücks ist jetzt das Unternehmen, das Bauprojekte verwirklicht. Dessen Geschäftsführer Klaus Diegelmann würde auf dem 3200 Quadratmeter großen Gelände der Rhönmöbelfabrik gerne ein Altenpflegeheim errichten, für das es auch schon Interessenten gibt. Wenn allerdings die Mauerreste und eine wegen ihres Zustands nicht mehr bewohnbare Villa im Anschluss erhalten bleiben müssten, wäre das geplante Heim mit 72 Pflegeplätzen wirtschaftlich nicht zu verwirklichen.

Ein Pflegeheim am Horaser Weg würde wohl Sinn ergeben, zumal das Grundstück stadtnah liegt, die Anlage eines Therapiegartens möglich wäre und die Umgebung mit einer naturnahen Flusslandschaft und auch einer Infrastruktur für Einkäufe ideal für die Einrichtung und ihre Bewohner wären. (Lesen Sie hier: Nach Windmühle und Café Thiele: Büttner kauft auch 100 Jahre alte Pauly-Passage)

Wie Diegelmann erklärt, würde man sich auch dann noch einmal mit der Verwirklichung beschäftigen, wenn nur Teile der denkmalgeschützten Ruinenreste für den Abriss freigegeben würden. Man sei also bei der Projektentwicklung offen für einen Kompromiss.

Besitzer des Grundstücks: Haben eine Bringschuld, die wollen wir begleichen

Die Stadt Fulda steht auf dem Standpunkt, dass man erst bei Vorlage eines Abriss- und eines Bauantrages tätig werden könne. So erklärt Johannes Heller von der Magistratspressestelle auf Anfrage unserer Zeitung, es bleibe hinsichtlich der Rhönmöbel-Anfrage bei der seinerzeitigen Aussage von Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos), der äußerte: „Bei der Bauaufsichtsbehörde der Stadt Fulda liegt zurzeit weder ein Abbruchantrag noch ein Bauantrag für das betreffende Gebäude beziehungsweise Gelände vor.“

Insofern könne die Stadt hinsichtlich einer Prüfung der Genehmigungsfähigkeit oder ähnlichem nicht tätig werden, so Heller . Es gelte daher bis auf weiteres der festgeschriebene Denkmalschutzstatus durch das Landesamt für Denkmalpflege.

Klaus Diegelmann ist sich dessen wohl bewusst: „Wir haben eine Bringschuld, die wollen wir begleichen“. Man werde sich deshalb mit der Stadt in Verbindung setzen und diese über die Planungen informieren.

Neubewertung der Fassade der Rhönmöbelfabrik bringe kein neues Ergebnis

Auf eine Anfrage unserer Redaktion beim Landesamt für Denkmalpflege, ob eine Neubewertung des ruinösen Bestandes möglich sei, erklärte dieses, eine Neubewertung werde kein neues Ergebnis bringen, die Immobilie trage die denkmalbegründenden Merkmale bereits in sich.

Das Gebäudeensemble sei ein bedeutendes Objekt für die Wirtschaftsgeschichte Fuldas und habe eine interessante baugeschichtliche Entwicklung. Wie eine Weiterentwicklung des Geländes mit Neubebauung aussehen könne, lasse sich pauschal nicht beantworten. Jedoch gebe es in Fulda Vorbilder wie das ehemalige Emaillierwerk und die ehemalige Wachswarenfabrik Eika, die eine sinnvolle Umnutzung erfahren hätten.

Schandfleck solle beseitigt werden - Anträge der Fuldaer FDP scheiterten

Der zwischen 1882 und 1926 entstandene Fabrikkomplex mit dem Wohnhaus von 1911 wurde von unterschiedlichen Besitzern als Weberei, Möbelfabrik, zum Maschinenbau und für die Herstellung von Naturattrappen genutzt. 1910 brannte ein Großteil der Gebäude ab und wurde mit veränderter Architektur wieder aufgebaut. 1968 produzierten dort noch die Rhönmöbelwerke Albert Schönherr& Co. Nach der Schließung stand das Fabrikgebäude Jahrzehnte leer und ist inzwischen zum größten Teil eingestürzt.

Sowohl Aldi als auch die Werner Projektentwicklung haben fünfstellige Euro-Summen investiert, um die einsturzgefährdete Fassade zu sichern. Planungen für Eigentumswohnungen oder ein Einkaufszentrum konnten nicht verwirklicht werden. Anträge der Fuldaer FDP, zu einer baulichen Lösung zu kommen und den Schandfleck zu beseitigen, scheiterten. (Lesen Sie hier: In der Dalbergstraße in Fulda entsteht ein neues Wohn- und Geschäftshaus)

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