Wegen der starken Verbreitung der Delta-Variante des Coronavirus schränkt die Bundesregierung die Einreise aus Portugal massiv ein.
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Wegen der starken Verbreitung der Delta-Variante des Coronavirus schränkt die Bundesregierung die Einreise aus Portugal massiv ein.

Fragen und Antworten

Corona-Variante Delta: Was bedeutet sie für Kinder, Ungeimpfte und den Urlaub?

Die Corona-Lage in Deutschland wirkt so entspannt wie lange nicht. Aber trügt der Schein? Die in Indien entdeckte Virusvariante Delta besorgt inzwischen auch hier.

In einer Übersicht beantworten wir Fragen zur Coronavirus-Variante Delta, die in Indien entdeckt wurde.

Wie ist die Entwicklung?
Wochenlang hatten Berichte des Robert Koch-Instituts (RKI) mit Auswertungen von Stichproben keine merkliche Zunahme des Anteils von Delta erkennen lassen. Das hat sich nach Daten diese Woche geändert: Es zeigt sich darin eine Verdoppelung des Delta-Anteils im Wochentakt, auf rund 15 Prozent. Damit stellt sich ein Tempo ein, das von Virologen befürchtet wurde. Die absolute Zahl an wöchentlichen Delta-Fällen hat laut RKI seit der 21. Meldewoche zugenommen, von etwa 270 auf rund 470 in der 23. Meldewoche.
Insgesamt ist die Inzidenz im Land weiter rückläufig und sehr niedrig. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, sieht in der Ausbreitung der Delta-Variante zwar keinen Grund zur Panik, hält Wachsamkeit aber für angebracht. Gesundheitsexperten von Grünen und FDP sprechen sich für eine frühere Zweitimpfung aus. Bei mRNA-Impfstoffen solle die Zweitimpfung bereits nach drei Wochen stattfinden. Es gebe „harte Daten“, dass dies gegen die Delta-Variante sehr wirksam sei.

Corona-Variante Delta: Was bedeutet sie für Kinder und den Urlaub?

Weshalb ist Delta gefährlich?
Delta vereint nach allem, was bisher bekannt ist, eine deutlich erhöhte Ansteckungsfähigkeit und eine leichte Immunflucht, also die Eigenschaft, den Schutz nach Impfung oder durchgemachter Infektion zu umgehen. Die Botschaft aus der Fachwelt ist aber: Wer vollständig geimpft ist, ist auch bei Delta vor schwerer Erkrankung geschützt. Mit nur einer von zwei Dosen sei der Effekt jedoch nicht so gut. (Lesen Sie hier: „Unnötige Angst“ - Virologe Hendrik Streeck kritisiert in Corona-Pandemie Diskussion über Delta-Variante)
Nach bisherigen Daten ist Delta die ansteckendste bisher bekannte Corona-Variante: Während für das ursprüngliche Virus angenommen wurde, dass ein Infizierter, wenn keinerlei Maßnahmen getroffen werden, im Mittel rund drei bis vier andere Menschen ansteckt, waren es für die in Großbritannien entdeckte Variante Alpha bereits rund fünf Ansteckungen. Bei Delta kommen offenbar weitere 40 bis 60 Prozent hinzu. Der Virologe Christian Drosten berichtete von Hinweisen auf noch einmal deutlich erhöhte Viruslasten im Rachen von Delta-Infizierten.
Was heißt das im Alltag?
Zu Beginn der Pandemie erzählten manche Menschen, dass ihr Test negativ blieb, obwohl sie länger mit einem Infizierten in einem Raum waren. Als die Alpha-Variante vor rund einem halben Jahr in Berlin ankam, hieß es aus einem Gesundheitsamt über Ausbrüche: Hat es einer, haben es alle.
Bei Delta scheinen die Ansteckungen noch leichter zu passieren. In Indien wurde Anfang Mai gar empfohlen, auch zu Hause eine Maske zu tragen. Aufmerksamkeit lenkt der Epidemiologe Eric Feigl-Ding auf einen Bericht, demzufolge ein Delta-Ausbruch in Australien auf ein Einkaufszentrum zurückgeführt worden sei: Menschen sollen sich dort ohne engen, direkten Kontakt zu einem Infizierten angesteckt haben.
Angesteckt im Vorbeigehen?
Das Robert Koch-Institut (RKI) teilte auf Anfrage mit, dass solche Berichte generell schwer zu bewerten seien. Es sei ein zentrales Merkmal von Übertragungen über Aerosole, dass sie unbemerkt geschehen und daher eine Zuordnung zu einem bestimmten Kontakt schwierig sei. Flüchtige Kontakte seien auch generell schwer zu erfassen.
Das RKI sagt aber auch: „Die hohen Ansteckungsraten in Haushalten und bei Ausbrüchen durch Delta weisen darauf hin, dass Delta noch leichter übertragbar ist als Alpha, auch ohne engen Kontakt.“ Ralf Bartenschlager, Präsident der Gesellschaft für Virologie, erklärte, man könne grundsätzlich sagen, dass „eine Ansteckung auch ohne direkten, engen Kontakt möglich ist“ – zum Beispiel im Aufzug.
Was heißt das für Ungeimpfte?
Fachleute befürchten, dass Delta gerade in diesen Gruppen Chancen nutzen dürfte. Erst rund ein Drittel der Bevölkerung hierzulande ist vollständig geimpft – das heißt, es gibt noch viele Millionen Menschen, die nicht oder nur teils vor Delta geschützt sind. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff, für die 12- bis 18-Jährigen empfiehlt die Ständige Impfkommission in Deutschland die Immunisierung nur bei Vorerkrankung.
Modellierer befürchten entsprechend, dass die Variante sich bei ungeimpften Schülern ausbreitet, wenn die Schulen zum Präsenzunterricht ohne Schutzmaßnahmen zurückkehren sollten. Das dürfte angesichts der derzeit häufigen Forderung, Schulen in der Pandemie offen zu halten, einen Konflikt bedeuten. In England, wo Delta die Fallzahlen wieder steigen lässt, wurden Schulausbrüche verzeichnet. Ebenso in Israel, wo die Maskenpflicht für Schüler in zwei Ortschaften wieder verhängt wurde, nachdem sie wenige Tage zuvor aufgehoben worden war.

Was bedeutet Coronavirus-Variante Delta für Ungeimpfte?

Sind Kinder denn gefährdet?
Laut dem Modell eines Teams um Kai Nagel von der TU Berlin scheint es keine gute Idee zu sein, Infektionen von Kindern einfach zu tolerieren. Wie die Wissenschaftler in einem aktuellen Bericht schreiben, würden sich demnach bei Schulöffnungen ohne Schutzmaßnahmen sehr viele Schüler anstecken, „was schlussendlich auch zu einem Anstieg der Krankenhauszahlen führen würde“. Dies sei darauf zurückzuführen, dass nicht alle Erwachsenen sich impfen lassen wollen oder können.
In England zeigt sich laut dem Virologen Christian Drosten, dass das Virus nicht nur an Schulen umgeht, auch in der Gastronomie habe es mittlerweile Ausbrüche gegeben. Gegen das Laufenlassen des Virus spricht auch der Schutz von Kindern und Jugendlichen selbst: Sie sind nicht völlig vor Spätfolgen gefeit. Würde es in den jungen Altersgruppen zu wesentlich höheren Inzidenzen kommen als bisher, gäbe es entsprechend auch mehr schwere Krankheitsfälle – trotz des eigentlich sehr geringen Anteils an solchen Verläufen.
Hilft die steigende Impfquote?
Das ist noch schwer abzuschätzen. Es gibt zumindest die Hoffnung, dass Kinder und Jugendliche durch ein geimpftes Umfeld etwas abgeschirmt werden können. Das RKI erklärte zum künftigen Umgang mit Schul- und Kita-Ausbrüchen, in Bezug auf Delta würden die verfügbaren Daten, etwa zur Übertragbarkeit und Wirksamkeit der Impfungen „natürlich kontinuierlich überprüft und Empfehlungen gegebenenfalls angepasst, wie im Frühjahr auch schon bei Alpha geschehen“.
Auch geimpften Lehrkräften und Eltern droht nach Kontakten etwa zu infizierten Kindern Quarantäne: Bei mit Varianten Infizierten empfehle man sicherheitshalber „grundsätzlich immer Quarantäne für geimpfte und genesene Kontaktpersonen“, hieß es vom RKI. Eine Ausnahme sei Alpha.
Wie geht es nun weiter?
Deutschland könnte erst einmal von den Sommerferien und der nun sehr niedrigen Sieben-Tage-Inzidenz profitieren, sagen manche. Aber ein ruhiger Sommer ist keineswegs sicher. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Delta-Variante im Sommer ausgiebig zirkulieren wird“, hieß es von der EU-Gesundheitsbehörde ECDC in dieser Woche.
Schätzungsweise werde Delta bis Ende August einen Anteil von 90 Prozent an den Infektionen in der EU und Norwegen, Island und Liechtenstein ausmachen. Mahnungen beziehen sich auch auf Einschleppungen durch Reiserückkehrer und die Fußball-EM; gewarnt wurde etwa vor Delta-Einschleppungen durch Trips von Fans nach London. Und auf Reisen könnten auch Geimpfte und Genesene demnach von Quarantäne betroffen sein.

Video: Delta-Variante - RKI erwartet Wiederanstieg der Inzidenzen

Was heißt das für Maßnahmen?
Jetzt nachlässig zu werden, wäre nicht gut. Der Virologe Ralf Bartenschlager betont: Auch gegen die Delta-Variante seien die Regeln zum Abstandhalten, Hygiene, Alltag mit Maske, Nutzung der Corona-Warn-App und Lüften wirksam und böten einen Schutz vor Ansteckung. „Man muss sie aber noch konsequenter einhalten, da diese Variante noch leichter übertragen wird.“ Sein Kollege Christian Drosten schloss nicht aus, dass wieder Kontaktmaßnahmen nötig werden könnten. Außerdem gelten schnelles Impfen und vor allen Dingen vollständiges Impfen als wichtig.
Warum sinken die Zahlen in Indien?
Laut dem indischen Virologen T. Jacob John dürfte der Rückgang der Fälle hauptsächlich eine natürliche Ursache haben: So habe sich das Virus bei der heftigen zweiten Welle schnell verbreitet, wodurch immer weniger empfängliche Menschen übrig blieben. Dadurch sei die Welle abgeflaut. John geht davon aus, dass während der beiden bisherigen Wellen in Indien bereits weit mehr als die Hälfte der Menschen im Land mit dem Coronavirus in Kontakt geraten sei und dadurch einen gewissen Schutz hätten.

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