„Black Lives Matter“

Demo-Initiatorin Saba Hussein über ihre Erfahrungen mit und ihren Kampf gegen Rassismus

  • Leon Schmitt
    vonLeon Schmitt
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Der Anti-Rassismus-Demo von Saba Hussein in Fulda haben sich am Samstag 2000 Menschen angeschlossen. Ein Gefühl der Verbundenheit, das die 30-Jährige nicht immer gespürt hat, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt.

Die gebürtige Fuldaerin Saba Hussein sprach am Samstag vor 2000 Menschen.
Wann wussten Sie, dass für Sie das Fass übergelaufen ist und Sie eine Demonstration organisieren müssen?
Rassismus ist allgegenwärtig, aber durch George Floyd hat sich einiges bewegt. Als ich gesehen habe, wie sich weltweit Leute verpflichtet gefühlt haben, auf die Straße zu gehen, habe ich mich gefragt: „Warum nicht auch in Fulda?“ Fulda ist meine Heimat, und ich muss vor meiner eigenen Haustür kehren. Außerdem wollte ich sehen, wer alles mitmacht.
Sind Sie zufrieden mit der Resonanz?
Ich bin überwältigt. Niemals hätte ich gedacht, dass 2000 Menschen mit uns auf die Straße gehen. Ich habe mit höchstens 200 Teilnehmern gerechnet. Es war ein richtig schönes Gefühl, dass so viele gekommen sind.
Wie hat es sich für Sie angefühlt, eine so große Menge anzuführen?
Zunächst war ich sehr aufgeregt. Ich wusste gar nicht richtig, was ich sagen soll. Aber all die Plakate und die erwartungsfreudigen Augen haben mir Mut gemacht. Die Menschen haben mir das Gefühl gegeben, dass sie etwas von mir hören wollen. Das hat mir gezeigt, dass es viel mehr Menschen gibt, die mich so anerkennen, wie ich bin, als ich dachte.
Ist es Ihnen besonders wichtig, dass die Demo in Fulda gut angenommen wurde?
Ja, weil Fulda meine Heimat ist. Und auch hier gibt es Rassismus.
Haben die Versammlung initiiert (von links): Maka Hussein, Nuha Sharif Ali und Saba Hussein.
Können Sie ein paar Beispiele aus deinem Alltag nennen?
Es fängt schon beim Gang in den Supermarkt an. Dort sehe ich rollende Augen. Das Schlimmste daran ist, dass sie es mir nicht ins Gesicht sagen. Es ist eher ein unterschwelliger Rassismus. Komisch wird es auch, wenn ich telefoniere oder im „Drive-In“ bestelle. Die Leute hören mich hochdeutsch sprechen und erwarten offenbar ganz selbstverständlich eine weiße Frau. Dann schauen sie mich total unglaubwürdig an – so als könnte ich kein Deutsch sprechen.
Gibt es ein konkretes Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
In meiner Schulzeit habe ich eigentlich keine großen Probleme gehabt. Aber es gab einen Lehrer, der mich immer „Farbige“ genannt hat. Alle anderen Kinder rief er bei ihrem Namen. Zunächst ist es mir nicht wirklich aufgefallen. Ich wollte da auch kein großes Ding draus machen. Aber als mich nach einiger Zeit eine Freundin darauf angesprochen hat, habe ich richtig realisiert, dass etwas falsch läuft. „Ich heiße doch Saba“, dachte ich. Also bin ich zu meiner Klassenlehrerin gegangen, zu der ich einen sehr guten Draht hatte. Nachdem ich es ihr erzählt hatte, sprach sie mit dem Lehrer. Ab da war ich Saba.
Was soll sich Ihrer Meinung nach ändern?
Jeder Mensch muss einen Namen und eine Stimme haben. Das muss man der Bevölkerung ins Bewusstsein rufen. Nur so kann ein gemeinsames Denken geschaffen werden.
Meinen Sie, die Demo konnte etwas bewegen?
Selbst Passanten haben die Faust gehoben. Das war ein erster Schritt gegen Rassismus.

Rubriklistenbild: © Leon Schmitt

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