Ringelnatter und Co

Diese sieben Schlangen-Arten sind in Deutschland beheimatet - zwei davon sind giftig

  • Sebastian Reichert
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Von den schätzungsweise 3000 Schlangen-Arten, die es weltweit gibt, sind sieben in Deutschland beheimatet. Zwei von ihnen sind Giftschlangen. In Fulda und in Osthessen sind drei Schlangen-Arten heimisch – eine von ihnen ist giftig.

Fulda - Alle in Deutschland vorkommenden Schlangen-Arten sind unter besonderen Schutz gestellt - also auch die Ringelnatter, von der zuletzt ein ehemaliger Lehrer ein 1,20 Meter langes Exemplar in Fulda in den Auen entdeckt hatte. Auch wenn der Bestand der scheuen Reptilien durch die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes leider immer mehr abnimmt, sind Schlangen in der Region Fulda durchaus anzutreffen.

Das zeigen auch die vielen Facebook-Kommentare und Nachrichten unserer Leser, die von ihren Begegnungen mit den Kaltblütern berichtet haben. Als geschützte Tierarten dürfen Ringelnatter und Co deshalb natürlich auf keinen Fall getötet werden.

Deutschland: Diese sieben Schlangen-Arten gibt es - zwei davon sind giftig

Von den sieben Schlangen-Arten, die es in Deutschland gibt, zählen übrigens fünf zur Familie der Nattern und nur zwei zu den Vipern. Alle fünf Schlangen der Nattern-Familie sind ungiftig. Neben der extrem seltenen Aspisviper ist nur noch die Kreuzotter giftig – sie gibt es auch in der Rhön.

In Osthessen sind neben der Ringelnatter und der Schlingnatter nur noch die Kreuzotter heimisch. Neben Erklärungen zu der Blindschleiche, die natürlich nicht zu den Schlangen, sondern zu den Echsen gehört, haben wir in Zusammenarbeit mit Detlef Ochs, der für die Stadt Fulda, den Landkreis Fulda und den Vogelsberg, eine Reptilien-Auffangstation betreibt, die wichtigsten Informationen zu allen sieben in Deutschland heimischen Schlangen-Arten zusammengestellt.

Die Kreuzotter ist eine von zwei giftigen Schlangen-Arten, die in Deutschland in der Natur vorkommen.

Zwischen Mai und Oktober vergeht bei Reptilien-Experte Detlef Ochs übrigens keine Woche, ohne dass jemand aufgrund eines Schlangen-Fundes bei ihm anruft. Allein in der zweiten Mai-Woche hatte er schon fünf Meldungen wegen Ringelnattern. Ein Tier hatte sich in Neuhof im Motorraum eines Autos versteckt. „Da war ich fünf Stunden zugange“, berichtet der 58-Jährige, der heimische Fund-Tiere nach Absprache mit der Naturschutzbehörde dann wieder in der Natur aussetzt.

Welche Schlangen-Arten gibt es in Deutschland? Reptilien-Experte aus Fulda klärt auf

Blindschleiche (Anguis fragilis): Die Westliche Blindschleiche ist weder blind noch trotz ihres langen beinlosen Körpers eine Schlange – sondern zählt zu den Echsen. Im Gegensatz zu Schlangen haben Blindschleichen verschließbare Augenlider. Sie sind auch langsamer als Schlangen. Zudem müssen sie zum Züngeln ihr Maul öffnen. Blindschleichen sind in Deutschland die häufigste Reptilien-Art („ungefährdet“). „Sie sind trotzdem geschützt“, betont Detlef Ochs.

Die Blindschleiche ist keine Schlange. Das „Reptil des Jahres“ 2017 gehört zu den Eidechsen.

Blindschleichen, die bis zu 40 Jahre alt und bis zu 50 Zentimeter lang werden können, leben sehr versteckt und fressen vor allem Nacktschnecken, Regenwürmer und Asseln. Ihr Name ist aus dem Althochdeutschen abgeleitet und bezieht sich auf den glänzenden Körper. Von Fressfeinden (Vögel, Igel, Dachs, Fuchs, Marder) bedroht, können Blindschleichen sich an Sollbruchstellen teilen. „fragilis“ bedeutet zerbrechlich.

Ringelnatter (Natrix natrix): Die ungiftige Ringelnatter (auch: Schwimm-, Wassernatter, Hausschlange) ist in Deutschland die bekannteste und häufigste Schlange. Sie ist steht auf der „Roten Liste“ der bedrohten und geschützten Tierarten und ist als „gefährdet“ und „mäßig häufig“ eingestuft. Ringelnattern erreichen eine Länge von 75 bis 150 Zentimetern. Sie können sehr gut schwimmen und tauchen und leben vor allem in Feuchtgebieten, aber auch häufig in der Nähe von Menschen.

Die ungiftige Ringelnatter ist in Deutschland die häufigste Schlange.

Ringelnattern fressen vor allem Amphibien, wie Kröten und Frösche. Ihr Name rührt vermutlich von zwei gelb bis orangefarbene, halbmondförmige Flecken am Hinterkopf. Ringelnattern haben keine Giftzähne, können aber bei Gefahr ein stinkendes Sekret aus ihrer Kloake abgeben. „Teilweise bis zu ein, zwei Meter Entfernung. Das stinkt undefinierbar und geht auch nach mehreren Wäschen nicht so leicht raus“, sagt Detlef Ochs.

Der Reptilien-Experte wurde schon relativ häufig auch von Ringelnattern gebissen. „Natürlich haben sie auch Bakterien im Maul, aber das ist genauso gefährlich wie bei einem Biss von einem Hund oder einer Katze. Man sollte ja auch gegen Tetanus geimpft sein.“ Nach altem Volksglauben sollen Ringelnattern übrigens Glück und Segen bringen – die Ringelnatter ist beispielsweise die Schutzpatronin der Bewohner des Spreewaldes.

Barren-Ringelnatter (Natrix natrix helvetica): Die ungiftige Barren-Ringelnatter galt früher als Unterart der Ringelnatter, ist seit 2017 aber als eigene Art anerkannt. In Deutschland ist sie in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, im Saarland, im Westen von Hessen und Baden-Württemberg sowie in Südbayern nachgewiesen. Die Barren-Ringelnatter wird in der „Roten Liste“ als „gefährdet“ eingestuft. Ochs berichtet: „In Osthessen gibt es sie nicht.“

Die ungiftige Barren-Ringelnatter galt früher als Unterart der Ringelnatter, ist seit 2017 aber als eigene Art anerkannt.

Die grau bis bräunliche gefärbte Barren-Ringelnatter weist an den Körperseiten je eine Reihe auffälliger quer gestellter dunkle schwarze Flecke („Barren“) auf. Ihre Nackenflecken sind oft blasser als bei der Ringelnatter, die in Deutschland weitaus verbreiter ist. Die Barren-Ringelnatter, die Gewässerufer besiedelt und sehr gut schwimmt, kann bis zu 1,90 Meter lang werden - meist ist sie aber wesentlich kleiner.

Schlingnatter (Coronella austriaca): Die ungiftige Schlingnatter ist in ganz Deutschland „mäßig häufig“ verbreitet, wobei sie in weiten Teilen nur in kleineren, isolierten Beständen vorkommt. Die geschützte Schlingnatter, die oft aufgrund ihrer Zeichnung mit der Kreuzotter verwechselt wird, wird aktuell in der „Rote Liste“-Kategorie „gefährdet“ einsortiert. Im Gegensatz zur Kreuzotter (Viper) hat die Schlingnatter wie alle Nattern runde Pupillen und kein Zickzackband auf dem Rücken, sondern dunkle Flecken.

Die ungiftige Schlingnatter wird aufgrund ihrer Zeichnung oft mit der giftigen Kreuzotter verwechselt.

„Sie gibt es auch in Osthessen“, sagt Detlef Ochs. „Man bekommt sie aber seltener als die Ringelnatter zu sehen.“ Die bräunliche Schlingnatter kommt auf eine Körperlänge von 60 bis 80 Zentimetern und ist damit die kleinste Schlangenart in Deutschland. Sie lebt sehr versteckt in warmer und trockener Umgebung und frisst Eidechsen, Blindschleichen, Insekten und Kleinsäuger.

In die Enge getrieben reagiert die lebendgebärende Schlingnatter, die auch ein übel riechendes Sekret absondern kann, mitunter sehr aggressiv. Ihren Namen verdankt sie der Tötungsmethode von Beutetieren, die sie nicht gleich verschlucken kann. Diese umschlingt und erstickt sie. Aufgrund ihrer glatten Schuppen wird die Schlingnatter auch Glattnatter genannt.

Äskulapnatter (Zamenis longissimus): Die Äskulapnatter gehört mit bis zu maximal zwei Metern Länge zu den größten, aber auch seltensten Schlangenarten Europas. Sie ist ungiftig und in der „Roten Liste“ der bedrohten Tierarten in Deutschland in den Kategorien „stark gefährdet“ und „sehr selten“ eingeordnet. Von den vier inselartigen Verbreitungsgebieten befinden sich zwei in Hessen: Schlangenbad im Taunus und Hirschhorn im Odenwald. Auch an der Lahn wurde sie schon gesichtet, allerdings noch nicht in der Region Fulda.

Die Äskulapnatter ist die größte Schlangenart, die in Deutschland heimisch ist.

Den Namen verdankt der Kletterkünstler, der auch leicht in Bäumen unterwegs sein kann, sich aber vorwiegend von Kleinsäugern und Eidechsen ernährt, dem griechischen Gott der Heilkunde Asklepios, um dessen Stab sich eine Schlange windet. Im Gegensatz zu anderen Schlangen ist die Äskulapnatter weniger scheu und flieht nicht gleich bei kleinen Erschütterungen. Die Äskulapnatter ist unauffällig gelblich-braun bis olivgrün ohne deutlich abgegrenzte Zeichnungselemente gefärbt.

Würfelnatter (Natrix tessellata): Die ungiftige elegante Würfelnatter zählt zu den seltensten Schlangenarten in Deutschland. Sie steht auf der „Roten Liste“ der gefährdeten Arten und ist „vom Aussterben bedroht“. Zu finden ist sie nur noch Fluss-Auen in Rheinland-Pfalz an den Nebenflüssen der Lahn, Mosel und Rhein sowie an der Elbe in Sachsen. Würfelnattern, die noch mehr Zeit als Ringelnattern im Wasser verbringen, sind hervorragende Schwimmer und Taucher und ernähren sich von Fischen und Amphibien.

Die ungiftige elegante Würfelnatter zählt zu den seltensten Schlangenarten in Deutschland.

Die Würfelnatter ist an ihrem charakteristischen Würfelmuster auf ihrem Rücken zu erkennen. Sie grau, braun oder dunkelgrün gefärbt. Die Wasserschlange, die nah mit der Ringelnatter verwandt ist, aber keine mondförmigen heller Flecken am Hinterkopf hat, wird in Deutschland nicht größer als 100 Zentimeter. Fühlt sich die Würfelnatter bedroht, kann sie sich Aufblähen und Zischen, Bisse vortäuschen oder sich mit geöffnetem Maul tot stellend auf den Rücken legen.

Kreuzotter und Aspisviper sind die einzigen Giftschlangen in Deutschland

Kreuzotter (Vipera berus): Die Kreuzotter ist eine von zwei in Deutschland heimischen Giftschlangen. Von allen Reptilienarten in Deutschland haben die Bestände der Kreuzotter mit am stärksten abgenommen. Die bis maximal etwa 80 Zentimeter messende Schlange ist auch die am stärksten bedrohte Reptilienart in der Rhön. Sie steht auf der „Roten Liste“ der bedrohten Tierarten als „stark gefährdet“ und „selten – auch aufgrund des Verlustes an Lebensräumen, wie zum Beispiel Mooren.

Die Kreuzotter - zu erkennen am Zickzickband auf dem Rücken - ist eine von zwei in Deutschland heimischen Giftschlangen.

Die Kreuzotter kann man gut an einem dunklen, durchgängigen Zickzack-Band auf dem Rücken sowie an ihren senkrecht geschlitzten Pupillen erkennen. Sie ernährt sich vor allem von Kleinsäugern, Eidechsen und Fröschen. Die Viper ist sehr scheu und beißt nur zu, wenn sich massiv bedroht fühlt. Bei Verteidigungsbissen verwendet die Kreuzotter oft nur sehr wenig oder gar kein Gift.

„Das sind dann so genannte Trockenbisse“, weiß Reptilienexperte Detlef Ochs. „Das Gift braucht sie eigentlich für ihre Beutetiere.“ Nur in extremen Ausnahmefällen ist ein Biss einer Kreuzotter für den Menschen tödlich – gefährdet sind in dieser Hinsicht vor allem Kinder und ältere Personen. Eine tödliche Dosis für einen Erwachsenen (75 Kilogramm) entspricht dem durchschnittlichen Biss von mehr als fünf Kreuzottern. Bei einem Kreuzotter-Biss sollte man dennoch ein Krankenhaus aufsuchen.

Aspisviper (Vipera aspis): Die Aspisviper ist neben der Kreuzotter die zweite in Deutschland vorkommende Giftschlangenart, wobei sie in Deutschland nur im südlichen Schwarzwald beheimatet ist. Sie ist also die seltenste Schlange („extrem selten“) in Deutschland. Die Aspisviper, die eine Länge von bis zu 90 Zentimetern erreicht und sich hauptsächlich von Kleinsäugern, Eidechsen und Vögel ernährt, steht auf der „Roten Liste“ und ist „vom Aussterben bedroht“.

Die giftige Aspisviper ist die seltenste Schlange in Deutschland.

Im Gegensatz zur Kreuzotter ist die Spitze der Schnauze bei der Aspisviper deutlich aufgestülpt, der Kopf sehr kantig und statt eines Zickzack-Bandes ist der Rücken mit dunklen Querstrichen (Barren) gezeichnet. Das Gift der Aspisviper ist etwa vergleichbar mit dem der Kreuzotter. Die Aspisviper hat aber einen etwas kleineren Giftvorrat als die Kreuzotter. Ein Biss kann dennoch im Extremfall für den Menschen tödlich sein. Schwere Komplikationen entstehen wie bei der Kreuzotter zumeist durch allergische Reaktionen, vergleichbar mit Allergien nach einem Wespenstich.

Rubriklistenbild: © dpa/Daniel Karmann

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