In diesem Pflegeheim in der Schweiz trennt eine Plexiglasscheibe den Besuch von den Bewohnern.
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In diesem Pflegeheim in der Schweiz trennt eine Plexiglasscheibe den Besuch von den Bewohnern.

Trotz Erlaubnis vom Land

Die Pflegeheime in Osthessen müssen sich erst auf Besucher vorbereiten

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  • Sebastian Kircher
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  • Tim Bachmann
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  • Bernd Götte
    Bernd Götte

Die Landesregierung erlaubt nun wieder den Besuch von Alten- und Pflegeheimen. Was zunächst einmal nach einer guten Nachricht klingt, setzt die Häuser in der Region enorm unter Druck. Die Betreiber fühlen sich von der Politik allein gelassen.

  • In Pflegeheimen herrschte aufgrund der Corona-Pandemie lange ein Besuchsverbot.
  • Inzwischen hat die Landesregierung Besuche erlaubt - unter strengen Auflagen.
  • Die Pflegeheime setzt das allerdings unter Druck. Die wenigsten ermöglichen jetzt schon Besuche.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Sozialminister Kai Klose (Grüne) hatten am vergangenen Dienstag diese Entscheidung verkündet. „Besonders die alten und kranken Menschen, die in Heimen keine Besuche mehr von ihren Ehepartnern, Kindern oder Enkeln empfangen durften, leiden sehr unter der Situation“, begründete Klose den Schritt. Ab dem heutigen Montag dürfen die Heime wieder unter strengen Auflagen öffnen (siehe Infobox).

„Politik weckt Erwartungen, die wir nicht erfüllen können.“

Nur: Ob und wann das in der Region umgesetzt werden kann, ist fraglich. „Diese Entscheidung ist nicht sehr glücklich“, sagt Bastian Hans, Geschäftsführer der Mediana-Gruppe, die Häuser in Fulda und Hünfeld betreibt. „Die Politik weckt damit Erwartungen, die wir gar nicht erfüllen können.“ Viel werde sich durch die Lockerung wohl nicht ändern: „Umarmungen oder gar Geburtstagsfeiern, das wird nach wie vor nicht möglich sein.“ Die Mediana-Gruppe entwickele nun trotzdem Konzepte, wie sich die neuen Vorgaben umsetzen lasse.

Auch bei der AWO Nordhessen, die Heime in Fulda, Petersberg, Burghaun, Eichenzell und Großenlüder hat, hält sich die Freude in Grenzen. „Es ist ein Unding, dass so etwas dienstags angekündigt wird und innerhalb weniger Tage umgesetzt werden soll“, kritisiert Pressesprecherin Sigrid Wieder. Die Träger seien in diese Entscheidung nicht eingebunden gewesen. „Aber wir werden mit den Folgen nun allein gelassen.“

Es mangelt an OP-Masken

Der Vorstoß der Landesregierung werfe viele Fragen auf, erklärt Wieder: „Das bedeutet zum Beispiel einen hohen personellen Aufwand. Denn die Besucher müssten ja eigentlich ständig durch einen Mitarbeiter begleitet werden.“ Ein weiteres Problem sei, dass die Besucher eine OP-Maske tragen müssen. „Die haben wir zwar hier – aber die sind dem Personal vorbehalten. Wo sollen wir auf die Schnelle diese Masken herbekommen?“, fragt Wieder. Deshalb wird ein Besuch in AWO-Heimen vorerst nicht möglich sein: „Die Vorbereitungsarbeiten sind sehr komplex. Da bitten wir um Geduld.“

Markus Otto, Geschäftsbereichsleiter Senioren des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Fulda, fügt an: „Das wird Unruhe bringen.“ Das DRK betreibt Heime in Fulda, Petersberg, Ebersburg und Hilders – und hat dort, wie andere Träger, in den vergangenen Wochen Ideen entwickelt, wie trotz Verbot Kontakt gehalten werden kann. „Mit den Maßnahmen wie Gesprächen am Fenster waren sowohl die Bewohner als auch die Angehörigen zufrieden. Es ist viel Verständnis da, dass die Sicherheit der Bewohner und Mitarbeiter an oberster Stelle stehen muss. Ungeachtet der Ankündigung des Landes können und wollen wir das nicht aufs Spiel setzen“, betont Otto. In den DRK-Häusern würden zwar Konzepte entwickelt, er tritt aber auf die Bremse: „Wir werden das nicht übers Knie brechen. Es gibt Alternativen zum Besuch.“

Pflegeheime im MKK erlauben Besuch ab Donnerstag

Der Fuldaer Caritas-Verband mit Heimen in Fulda, Hilders und Bad Orb begrüßt die Entscheidung der Landesregierung grundsätzlich. „Den Menschen in unseren Altenpflegeheimen hat das Besuchsverbot sehr viel abverlangt“, sagt Caritasdirektor Dr. Markus Juch. Für jede Caritas-Einrichtung bedürfe es nun eines individuellen Schutzkonzeptes. Dass bereits am Montag die Türen geöffnet werden, scheint aber utopisch: „Wir wollen das so schnell wie möglich verwirklichen. Die Schutzkonzepte müssen aber passen, und deshalb bitten wir alle noch um ein kleines bisschen Geduld“, erklärt Altenhilfe-Ressortleiterin Kristin Klinzing. Die Bewohner und Angehörigen sollen zeitnah darüber informiert werden, „wann es so weit ist, und wie dann ein Besuch konkret vereinbart und durchgeführt werden kann.“

Im Main-Kinzig-Kreis sollen enge Kontaktpersonen ihre Angehörigen in den Alten- und Pflegezentren ab Donnerstag, 7. Mai, wieder besuchen können.

Seniorenzentrum Schlitzerland bereits einen Schritt voraus

Beim Seniorenzentrum Schlitzerland ist man schon einen Schritt weiter: „Wir sind von unserem Dachverband schon früh vorinformiert worden“, erläutert der Leiter des Seniorenzentrums, Klaus Schaefer. So müssen sich Besucher einen Tag vorher beim Seniorenzentrum anmelden. Die Besucher sollen mit Namen, Datum und Uhrzeit des Besuchs registriert werden, damit bei einer eventuell später auftretenden Erkrankung Infektionswege nachverfolgt werden können. Den Mundschutz erhalten sie vom Seniorenzentrum. Für das Treffen mit den Angehörigen wird es einen eigenen Raum geben. Eine Plexiglastrennscheibe schaffe zusätzlich Sicherheit.

Unter diesen Vorgaben der Landesregierung ist ab Montag ein Besuch in Alten- und Pflegeheimen wieder eingeschränkt möglich:

Die Einrichtungen müssen über ein individuelles Schutzkonzept verfügen.

Der Kreis der Besucher ist auf nahe Angehörige und enge Bezugspersonen begrenzt.

Der Besuch ist nur einer Person pro Woche für eine Stunde möglich.

Die Mindestabstände und Hygieneregeln müssen eingehalten werden.

Außerdem muss von den Besuchern ein entsprechender Mund-Nasen-Schutz (OP-Maske) getragen werden, der einen besseren Schutz bietet als eine sonst im öffentlichen Raum zulässige Mund-Nasen-Bedeckung.

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