Malerei einer Radfahrerin, die mit Ballons durch die Luft schwebt
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Radfahren erlebt einen Höhenflug – doch Vorsicht!

Fahrradfahren ist im Kommen

Diese 11 Tipps helfen Rad- und Autofahrern, gefährliche Fallstricke im Straßenverkehr zu vermeiden

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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  • Daniel Krenzer
    Daniel Krenzer
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Wohl nicht nur gefühlt sind immer mehr Fahrradfahrer auf den Straßen unterwegs. Ergo: Fahrradfahren ist im Kommen. Die Gefahr im Straßenverkehr aber bleibt, wie jüngst das Beispiel in Großenlüder zeigte, als eine Frau tödlich verunglückte. 

  • In der Coronakrise nimmt der Radverkehr in der Region Fulda zu
  • Tödliche Fahrradunfälle wie zuletzt in Großenlüder zeigen, wie wichtig gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr ist.
  • Unsere Tipps für Rad- und Autofahrer helfen, gefährliche Fallstricke zu vermeiden.

Fulda - „Von vielen Pkw- und Lkw-Fahrern werden Radfahrer auf der Straße akzeptiert. Sie bleiben an unübersichtlichen Stellen und bei Gegenverkehr hinter dem Radfahrer und überholen mit Abstand“, sagt Wolf-Ulrich Schlösser, Vorsitzender des Kreisverbands Fulda im Allgemein Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Leider gebe es aber auch einige Wenige, die Fahrradfahrer als Verkehrsteilnehmer nicht genug wahrnehmen. „Sie gefährden mit riskanten Überholmanövern oder fehlendem Blinken leichtsinnig den Radfahrer.“

Erst vor zwei Wochen ist eine Frau bei einem Verkehrsunfall zwischen Uffhausen und Großenlüder getötet und ihr Ehemann schwer verletzt worden. Ein BMW-Fahrer überholte ein vor ihm fahrendes Fahrzeug und kollidierte anschließend mit den Radfahren, die auf einen Radweg einbiegen wollten.

„In diesem Jahr kam es zu Verkehrsunfällen im mittleren zweistelligen Bereich, bei denen Fahrradfahrer beteiligt waren“, informiert Stephan Müller, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen. Eine genaue Zahl könne er noch nicht nennen.

Überholvorgang: Ausweichen auf die Gegenfahrbahn

Seit Ende April ist ein neuer Bußgeldkatalog in Kraft, der Radfahrer im Verkehr mehr schützen soll. Unter anderem muss ab sofort beim Überholen von Fahrradfahrern ein Abstand von 1,5 Metern innerorts und zwei Metern außerorts eingehalten werden. „Die Regel erfordert in der Praxis das Ausweichen auf die Gegenfahrbahn. Dessen sind sich viele nicht bewusst“, verdeutlicht Schlösser. In anderen Ländern ist beim Überholen ein Wechsel der Fahrspur vorgeschrieben. Dies schaffe klare Verhältnisse.

Vier Tipps für Autofahrer:

- Auf Zeichen des Radfahrers achten: Bevor Fahrradfahrer abbiegen, schauen sie meistens über die Schulter und/oder geben per Hand ein Zeichen. 

- Radfahrer beobachten: Autofahrer sollten immer einen Blick auf die Radwege haben, um die Fahrradfahrer wahrzunehmen und zu registrieren, wo lang sie fahren möchten. Zudem sollte man mit ihnen an Kreuzungen Blickkontakt aufnehmen.

- Geschwindigkeit nicht unterschätzen: Gerade bergab können Fahrradfahrer eine hohe Geschwindelt erreichen. Darauf sollten Autofahrer zum Beispiel beim Abbiegen an einem Berg achten.

- Schulterblick machen: Man sollte dem ersten Blick nie vertrauen. Beim Rechtsabbiegen sollte der Fahrer 30 Meter vorm Abbiegen in den Spiegel schauen, beim Blinken nochmals kontrollieren und beim Abbiegen sich per Schulterblick vergewissern, dass kein Radfahrer im toten Winkel ist. 

Allerdings bemängelt der Vorsitzende, dass solche Vergehen häufiger kontrolliert und geahndet werden müssten. Der Pressesprecher der Polizei erklärt: „Wenn Streifenpolizisten ein solches Vergehen wahrnehmen, machen sie den Fahrer darauf aufmerksam und sanktionieren gegebenenfalls das Vergehen.“

In Zeiten von Corona: Wenige andere Möglichkeiten, sich fit zu halten

Auch für sogenannte schwächere Verkehrsteilnehmer, zu denen Fahrradfahrer zählen, führt die Polizei Osthessen in regelmäßigen Abständen Kontrollen durch, informiert Müller. „Bei diesen Kontrollen weisen wir Radfahrer darauf hin, wie sie sich im Straßenverkehr besser schützen können und wie das Fahrrad idealerweise ausgestattet sein sollte.“ Zudem finden regelmäßige Termine zum Fahrradcodieren statt. Fahrradcodierung ist eine Maßnahme, um Fahrraddiebstahl und den Verkauf von Rädern durch Diebe zu erschweren.

Generell sind in den vergangenen Monaten sichtbar mehr Fahrradfahrer in der Region unterwegs. Einen möglichen Grund sieht Schlösser in der Coronakrise. „In Ermangelung anderer Möglichkeiten, sich fit zu halten, bleibt vielen nur Joggen, Walken oder eben Radfahren.“ Zudem lägen Ausflüge in die nähere Umgebung im Trend. „Die Menschen suchen Erholung in der Rhön oder im Vogelsberg. Die elektrisch unterstützten Pedelecs bringen mehr zum Fahrradfahren“, ergänzt er.

Sicherheitsgefühl der Radfahrer im Stadtgebiet nicht stark ausgeprägt

Ein positiver Aspekt sei, dass es in Fuldas Umgebung ein gut ausgebautes touristisches Radwegnetz gebe. Auf den Straßen der Stadt Fulda und den Nachbarkommunen fühlen sich Radfahrer nach Angaben Schlössers allerdings nicht sicher.

„Unübersichtliche Radwege sehr alter Machart wechseln sich mit Schutzstreifen, Fahrradwegen und Radverkehr auf schmalen Fußwegen ab“, bemängelt er. Auch sei die Breite der Radwege nur auf ein vorgeschriebenes Minimum ausgelegt. „Das reicht aber heutzutage nicht mehr aus“, verdeutlicht der ADFC-Vorsitzende.

Dass es trotz des vergleichsweise gut ausgebauten Radwegenetzes Verbesserungsbedarf gibt, räumt die Stadt Fulda ein. Aufgrund der hügeligen Topographie gebe es für Fahrer wie Planer besondere Voraussetzungen, weiß Pressesprecher Johannes Heller. An sicherheitskritischen Punkten wie der Kreuzung Petersberger Straße/Zieherser Weg habe die Stadt nach einem tödlichen Radunfall reagiert und den Bereich entschärft.

Stadt Fulda: Radverkehrskonzept auf dem Prüfstand

„Zum ersten Mal finden seit diesem Jahr in Fulda spezielle Radverkehrsschauen statt“, berichtet Heller weiterhin. Früher sei bei der allgemeinen Verkehrsschau von Polizei und Straßenverkehrsbehörde der Radverkehr mitbetrachtet worden, jetzt gebe es dazu drei bis vier spezielle Termine pro Jahr, an denen nicht nur Vertreter von Polizei und Straßenbehörde, sondern auch von ADFC, Stadtplanung und Tiefbauamt teilnehmen und dabei selbst auf dem Rad unterwegs sind.

„Grundsätzlich prüft die Stadt bei jeder geplanten größeren Straßenausbau- oder -neubaumaßnahme, ob vorhandene Radverkehrsanlagen erweitert oder neue gebaut werden können“, sagt Heller. Zudem soll mit der aktuell laufenden Überarbeitung des Radverkehrskonzepts die Angebotsqualität verbessert werden.

Sieben Tipps für Radfahrer:

  • Selbstbewusst, aber defensiv fahren: Fahrradfahrer müssen immer mit dem Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer rechnen. Deswegen ist es wichtig, auf der Straße passiv zu agieren. Trotzdem sollten Radfahrer Autofahren einen selbstbewussten Eindruck vermitteln.
  • Blickkontakt aufnehmen: Bei Kreuzungen werden Fahrradfahrer manchmal übersehen. Per Blickkontakt können Fahrradfahrer auf sich aufmerksam machen und gegebenenfalls klären, wer zuerst fährt.
  • Mit Fehlverhalten anderer rechnen: Oft sind Fahrradfahrer an Unfällen nicht schuld. Allerdings fehlt ihnen im Vergleich zu Autos eine Knautschzone. An gefährlichen Orten sollten Radfahrer deshalb besonders vorsichtig sein und im Zweifel einmal zurücksetzen.
  • An Verkehrsregeln halten: Auch für Fahrradfahrer gelten die Verkehrsregeln. Rote Ampeln und das Nutzen von Fahrradwegen sollte beachtet werden.
  • Abstand zu parkenden Autos: „Beim Öffnen der Fahrertür könne Radfahrer schnell übersehen werden. Um Unfälle zu vermeiden, sollte ein Abstand von circa einem Meter eingehalten werden.“
  • Den richtigen Schutzstreifen nutzen: Fahrradfahrer sollten immer mit dem Verkehr fahren. Ansonsten können Autofahrer überrascht werden.
  • Ruhe bewahren: Auch wenn Autofahrer hinter Radfahrern fahren und ihren Unmut kundtun, sollten Fahrradfahrer Ruhe bewahren und sich auf den Straßenverkehr konzentrieren.

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