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Dominik Röhrig will Stuckateur werden – Azubi-Aktion gestartet

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Kerzell/Fulda - Dekorative Wandgestaltung, Innen- und Außenputz oder auch Trockenbau: Diese Arbeiten gehören zum Beruf des Stuckateurs, den der 16-jährige Domink Röhrig aus Welkers beim Unternehmen Stuck Putz Witzel in Kerzell erlernt.

Von unserem Redaktionsmitglied Alina Hoßfeld

„Meine Kollegen am Bau sind fast schon wie eine Familie für mich“, sagt der 16-Jährige, der im August seine Ausbildung begonnen hat. Auf den Baustellen, auf denen er zu tun hat, wird immer in Gruppen gearbeitet. „Dort sind immer zwei bis drei unserer zehn Mitarbeiter. Alleine wird nur sehr selten gearbeitet“, sagt Raphael Witzel, der mit seinem Vater Christoph den Betrieb leitet.

Wer Stuckateur werden will, der muss Teamfähigkeit und den Willen mit anzupacken mitbringen. Zwei Fähigkeiten, die Dominik schon während seines Praktikums bei Stuck Putz Witzel Anfang dieses Jahres gelernt hat. Danach entschloss er sich für die Ausbildung zum Stuckateur. Neben einem Auszubildenden im dritten Lehrjahr ist Dominik der einzige, der dieses Jahr bei Stuck Putz Witzel angefangen hat.

Hessens bester Stuckateur

Bevor es zur Baustelle geht, belädt der Welkerser jeden Morgen ab 6.30 Uhr das Auto mit den Materialien für die nächste Baustelle. Als Stuckateur braucht er: eine Putzkelle, Putz oder auch Planen, um Fensterrahmen zu schützen, wenn er beispielsweise Häuser verputzt. „Das Verputzen von Häusern macht mir am meisten Spaß“, erzählt er. Neben dem Verputzen gibt es noch weitere Aufgaben wie den Innen- oder Außenputz, dämmen oder den Trockenbau.

Dass die Leidenschaft für den Beruf zum Erfolg führen kann, dafür ist Raphael Witzel das beste Beispiel. Der 29-Jährige nahm 2010 am Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks teil und wurde Landessieger. Er war damit Hessens bester Stuckateur. Bundesweit kam Witzel damals auf Rang fünf. „Das ist natürlich etwas Tolles, wenn der Chef Landessieger war“, sagt Röhrig.

Schule erst in Fulda, dann in Schlüchtern

Die Arbeit im Betrieb macht Dominik mehr Spaß als der Unterricht in der Schule. Die Ausbildung in der Berufsschule gliedert sich in eine Theorie- und Praxisphase. „In der Praxisphase lernen die Auszubildenden in der Lehrbauhalle Produkte und Werkzeuge kennen, mit denen wir täglich arbeiten“, erklärt Christoph Witzel. Der Unterricht erfolgt im sogenannten Blockunterricht.

„Im ersten Lehrjahr ist ein Auszubildender mehr in der Schule als im Betrieb. Das nimmt mit den drei Lehrjahren ab“, sagt Raphael Witzel. Dort wird in sechs Lernfeldern unterrichtet. Dazu zählen unter anderem das Einrichten einer Baustelle, Technisches Zeichnen oder auch das Herstellen von Stahlbetonteilen. Im ersten Lehrjahr besucht Dominik die Ferdinand-Braun-Schule in Fulda, ab dem zweiten Lehrjahr geht er zur Landesfachklasse der Stuckateure nach Schlüchtern. Dort werden alle Stuckateur-Auszubildenden aus Hessen gemeinsam unterrichtet.

„Draußen arbeiten gefällt nicht jedem“

Dominik ist im Kreis Fulda gerade mal einer von drei Stuckateuren, der seine Ausbildung im August begonnen hat. Zum Vergleich: Als Raphael Witzel seine Ausbildung 2007 anfing, wurden in Fulda sieben weitere zum Stuckateur ausgebildet. Die Anzahl der Ausbildungen der Stuckateure geht nämlich zurück. „Ein großes Problem ist, dass Auszubildende allgemein am Bau fehlen. Das liegt daran, dass der Bau ein Imageproblem hat. Viele wollen einen einfachen Weg gehen und weiter Schule machen, da sie bei einer Ausbildung nur an Arbeit denken“, sagt Raphael Witzel, und sein Vater fügt an: „Am Bau gibt es körperliche Anstrengung und auch das draußen arbeiten gefällt nicht jedem“.

Daher sei es auch ein großes Ziel, die Lehrlinge am Ende ihrer Ausbildung im Betrieb zu behalten. „Viele bleiben nach ihrer Ausbildung bei uns, manche gehen. Aber die, die bleiben, machen das Ganze mit Lust und Liebe“, so Christoph Witzel.

Ursachen: Die Kreishandwerkerschaft Fulda sieht die Ursachen für sinkende Ausbildungszahlen im Bauhandwerk unter anderem im demografischen Wandel. Die jetzigen Schulabgänger gehören laut Gabriele Leipold, stellvertretende Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, zu den geburtenschwachen Jahrgängen. Das heißt, dass die Zahl der potzenziellen Auszubildenden sinkt. „Zudem entsteht eine zunehmende Akademisierung. Immer mehr Schüler machen nach der Schule ein Studium.“

Gesellschaftlich habe die Ausbildung an Stellenwert verloren. Eine starke Einflussnahme durch Eltern oder Schule fordere meist höhere Bildungsabschlüsse. Ausbildungsberufe seien zudem unzureichend bekannt. „Viele Schulabgänger wissen nicht, was ein Stuckateur oder Schreiner macht. Zudem haben sie Vorurteile gegenüber dem Baugewerbe wie harte körperliche Arbeit oder die schlechte Bezahlung. Das ist aber heute nicht mehr so, denn es hat sich viel verändert.“

Azubi Aktion startet

Am Freitag startet die Azubi Aktion von IHK Fulda, Kreishandwerkerschaft Fulda und unserer Zeitung in die zehnte Runde. Jeden Tag erscheint auf der ersten Lokalseite eine Frage, die die Azubis beantworten müssen. Die Antwort ergibt sich aus dem Lesen der Zeitung.

Insgesamt 316 Auszubildende aus unterschiedlichen Branchen und allen Lehrjahren treten dieses Jahr bei der Azubi Aktion gegeneinander an. Am Ende gewinnen die drei besten Azubis ein Preisgeld von 500, 300 und 200 Euro. Wer wird schlauster Azubi 2019? Wir sind gespannt.

Azubi 2019 ist eine Gemeinschaftsaktion von Kreishandwerkerschaft, Industrie- und Handelskammer und unserer Zeitung.

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