Fotos: Aus der Stasi-Akte, Doris Edhofer, Nadine Buß

Doris Edhofers DDR-Flucht gelang dank kaputtem Tor

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Ehrenberg - Doris Edhofer hatte sich als Jugendliche etwas geschworen: aus der DDR zu fliehen. Denn sie und ihre Familie wurden 1961 von Frankenheim in Thüringen nach Burgstädt in Sachsen zwangsumgesiedelt. Der heute 66-Jährigen gelang die Flucht, ihrer Familie allerdings nicht.

Ohne lange nachzudenken quetschte sich das Ehepaar durch einen schmalen Spalt. Dann rannten beide so schnell sie konnten – an Stacheldraht vorbei sprangen sie von einer Erderhöhung zur nächsten. „Erst später habe ich erfahren, dass es sich um ein Minenfeld handelte.“ Als plötzlich Scheinwerferlicht auf die Flüchtigen gerichtet wurde, dachte das Paar, es wäre aufgeflogen – doch nichts passierte. Ihre Flucht gelang.

Langes Warten auf Familie

Doch Doris Edhofer wäre am liebsten wieder umgedreht, um ihren Sohn zu holen. Doch das Wiedersehen mit ihm und ihrer Familie dauerte noch Jahre. „Ich habe Fluchthelfer organisiert, die meine Familie nach Westdeutschland schleusen sollten“, berichtet die geborene Beck. Nachdem sie von dem ersten Fluchthelfer abgezockt wurde, versprach ihr der zweite, ihre Eltern für 6000 DM aus der DDR zu holen. „Er sagte, ich soll am 9. Dezember 1977 nach Hamburg in die Bahnhofgaststätte kommen. Dahin würden meine Eltern mit einem Lkw gebracht werden“, so die DDR-Flüchtige.

An dem vereinbarten Tag hatte sie vor Ort ein ungutes Gefühl. „Ich hatte schon immer einen siebten Sinn.“ Dann klingelte in der Gaststätte das Telefon. Der Anruf war für sie und verhieß nichts Gutes: „Es ist etwas schiefgelaufen“, wurde ihr am anderen Ende der Leitung gesagt. Ab diesem Moment wusste sie für vier Monate weder, wo ihre Familie ist, noch wie es ihr geht.

Ein Rechtsanwalt stellte für sie Nachforschungen an und fand heraus, dass die Eltern und der Bruder inhaftiert worden waren. Edhofers Sohn kam ins Kinderheim. Am Boden zerstört, kämpfte die Rebellin für die Freilassung, schrieb Briefe an die Regierung und wollte gar in den Hungerstreik gehen. Nach einem Jahr und vier Monaten konnten ihre Eltern und der Bruder freigekauft werden. Auf ihren Sohn musste sie ein weiteres Jahr warten.

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