Fotos: Charlie Rolff

Dreifach-Interview: „Werden den Menschen Bonifatius zeigen“ – Start für persönlichen „Boni“-Aufruf

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Die Neuinszenierung von „Bonifatius“ feiert am Donnerstagabend ihre Premiere vor dem Fuldaer Dom. Regisseur Stefan Huber, Komponist Dennis Martin und Produzent Peter Scholz standen uns dazu in einem ausführlichen Interview Rede und Antwort. Wir starten zudem einen persönlichen „Boni“-Aufruf, bei dem jeder Leser mitmachen kann

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Frage: Was hat Sie, Herr Huber, an der Aufgabe, das Musical auf dem Domplatz zu inszenieren, gereizt?

Huber: Unter anderem die Dimension des Projektes. Als ich gehört habe, da ist ein 50-Mann-Orchester, ein Chor, das Event – das ist eine Herausforderung. Es hat mich außerdem gereizt, das Material zu untersuchen, und zwar aus einer gewissen persönlichen Distanz, weil ich ja bislang noch nie in Fulda gearbeitet habe. (Zu Peter Scholz und Dennis Martin:) Es war auch eure Bereitschaft, nochmal ganz neu auf das Stück zu blicken, die mich dazu brachte, die Regie zu übernehmen.

Martin: Darum geht es uns ja auch. Wir wollten nicht einfach die alte Inszenierung auf den Domplatz adaptieren, sondern es ganz neu angehen. Es war somit von Anfang an klar, dass wir auch inhaltlich ein ganz neues Stück schaffen. „Bonifatius“ haben wir in einer Zeit geschrieben, als wir noch am Anfang standen und keine Ahnung von Musiktheater hatten (schmunzelt).

Frage: Ein inhaltlich neues Stück – ich vermute dennoch, dass die Geschichte des Bonifatius nicht umgeschrieben und anders ausgehen wird.

Martin (lacht): Das ist richtig.

Frage: An welchen Punkten werden Zuschauer, die den „alten“ Bonifatius im Gedächtnis haben, stutzen?

Martin: Die Figuren des Stückes waren früher wenig bis gar nicht miteinander verzahnt. Das Musical war vom Storytelling nicht unbedingt ausgereift. Natürlich gab es die eine oder andere starke Nummer und intensive Szenen. Dennoch fehlte die Wechselwirkung der Charaktere untereinander. Das Stück war eher episodenhaft. Gewilip zum Beispiel kam damals relativ spät in das Stück, stellte sich vor und denunzierte sich, weil er sagte: „Ich bin der Böse in der Geschichte“, und dann war er wieder verschwunden. Szenen wie diese haben wir komplett aufgerissen, umgestellt. Gewilip taucht jetzt viel früher im Stück auf und lernt Bonifatius jetzt schon am Hof von Karl Martell kennen. Das meine ich mit Verzahnung. Die Geschichte ist jetzt einfach dichter.

Frage: Aber darum noch nicht anders.

Martin: Wir haben den realhistorischen Hintergrund nun auch ausgearbeitet. Bonifatius’ Mission hatte viel mit Politik und fränkischen Machtstrukturen zu tun.

Huber: Außerdem sind die Themen Mission und religiöse Konflikte heute noch viel brisanter. Mich hat die Verbindung von Politik und Kirche interessiert, unabhängig davon, dass es ja ein historisches Stück ist. Wir versuchen, einen Ton zu erwischen, der mit der Gegenwart zu tun hat. Wir beleuchten Aspekte wie etwa den, dass die Missionierung ohne die Unterstützung der Politik und des Militärs so nicht stattgefunden hätte.

Frage: Gibt es mehrere solcher Anknüpfungspunkte an die Gegenwart? Immerhin ist die Kirche in den letzten Jahren enorm in die Kritik geraten, zu recht auch, einmal durch die Missbrauchsfälle oder – auf einer ganz anderen Ebene – den Bischof von Limburg, dessen Luxus-Vorliebe durchaus parallelen zu Gewilip aufweist.

Huber: Diese Ansätze gab es früher ja auch schon, wie Sie sagen: bei Gewilip. Oder Lioba, die für das Thema Frauen in der Kirche steht.

Scholz: Jetzt gibt es zum Beispiel eine Szene, in der Bonifatius, inzwischen Bischof von Mainz, mit der Bürokratie konfrontiert ist und merkt, hier sagt einer dies, da einer das, und deswegen geht es insgesamt nicht vorwärts. Das soll er einfach hinnehmen...

Martin: Das war früher nicht so richtig in die Geschichte eingebettet. Jetzt sieht man, dass Bonifatius die eigene Motivation zwischen den Fingern zerrinnt. Kontrovers waren wir vorher auch schon, aber der Ton ist jetzt schärfer geworden. Um nochmal auf den Bischof von Limburg zurückzukommen: Auch heute noch gibt es in der Kirche Menschen mit einem feudalen Selbstverständnis. Das finde ich teilweise irritierend. Unser Stück ist jetzt 15 Jahre alt, und in der Rezeption der Kirche hat sich einiges getan. Die kontroversen Diskussionen sind gut. Und es ist eine Chance, dies mit unserem Stück vor so einem Sakralbau wie dem Dom auch zu zeigen. Hier oder da wird sicherlich der ein oder andere die Luft anhalten. Es wäre aber feige, wenn wir uns diese Chance entgehen lassen würden. Und langweilig.

Huber: Deswegen war es auch nötig, dass wir den Menschen Bonifatius zeigen. Nicht die Ikone, den Heiligen, sondern einen ganz normalen Menschen, der als Bischof in eine Machtstruktur gerät, die er trotz seiner Position nicht ändern kann. Daran verzweifelt er, geht wieder zurück auf den reinen Weg der Mission und empfindet dies möglicherweise als Befreiung. Die Karriere, die Beförderung macht ihn nicht glücklich. In der Inszenierung ist der Mensch zu erleben.

Frage: Reinhard Brussmann hat im Interview gesagt, dass Bonifatius jetzt auch mal mit seinen Freunden und Gefährten Wein trinkt.

Huber: Er wird außerdem laut, er flucht auch mal. Und als er die Eiche gefällt hat, wird natürlich gefeiert.

Martin: Wenn ich das richtig gesehen habe, ist er danach sogar richtig betrunken.

Das komplette Interview auf einer Doppelseite – in dem sich Regisseur Stefan Huber, Komponist Dennis Martin und Produzent Peter Scholz unter anderem auch dazu äußern, was passiert, wenn es am Donnerstagabend wie aus Eimern schüttet – lesen Sie am Mittwoch in der gedruckten Ausgabe der Fuldaer Zeitung sowie in der digitalen E-Paper-Ausgabe der Fuldaer Zeitung.

Persönlicher Boni-Aufruf

Anlässlich der „Bonifatius“-Neuinszenierung, die am Donnerstag auf dem Domplatz in Fulda gezeigt wird, starten wir zudem einen Aufruf an alle Leser: Was verbinden Sie persönlich mit dem „Apostel der Deutschen“? Schreiben Sie uns, was Sie mit Bonifatius verbinden oder schicken Sie ein querformatiges Foto an internet@fuldaerzeitung.de. Wir freuen uns über Ihre Einsendungen.

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